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Unsere Kinder

04. Dezember 2016 | 09:12 Uhr

Spendenaktion “Unsere Kinder“ : Wo Ärzte zu Detektiven werden

vom
Aus der Onlineredaktion

Seit 1918 gibt es in der Hansestadt Rostock ein Kinderkrankenhaus. 2015 hat sich die Klinik neu strukturiert – doch was noch fehlt, ist eine Diätassistenz

Panda, Löwe, Elefant – an den Türen zu den Behandlungsräumen der Uni-Kinder- und Jugendklinik (UJK) in Rostock kleben große Sticker. Die Wartezimmer beherbergen Berge an Kinderbüchern, Bauklötzen und Kuscheltieren. An den Fenstern haftet Window Color. Die Wände auf den Gängen erklären künstlerisch kindlich Situationen aus dem Klinikalltag. Da ist der Bär mit Hansamütze, bei dem Fieber gemessen wird oder die niedliche Krankenschwester mit zwei Zöpfen, die den Patienten Angst vor Spritzen nehmen soll.

Auf dem Gang fahren zwei Knirpse auf Bobby Cars um die Wette. Sie lachen, haben Spaß. Dass sie krank sind, zeigt der besorgte Gesichtsausdruck ihrer Eltern.

8000 Patienten zwischen dem Säuglingsalter und 18 Jahren werden jährlich an der UKJ behandelt. Viele können ambulant versorgt, andere müssen stationär aufgenommen werden – so wie Pascal Sven. Der Junge hat gerade erfahren, dass er Diabetes hat. Zwei Wochen muss er deshalb im Krankenhaus bleiben. „Ich hatte immer so viel Durst und war nur noch müde“, erinnert sich der Schüler. Nun muss er auf das Insulin eingestellt werden. Das Klinik-Zimmer teilt er sich mit zwei Jugendlichen. Auf dem Tisch neben seinem Bett grinst sein Bruder aus einem Foto. Pascal blättert in einem Buch für junge Diabetes-Patienten. „Wir kennen die Tücken der Krankheit schon“, erklärt seine Mutter Katrin Hell. An der Fensterbank gelehnt, betrachtet sie ihren Sohn: „Mein Lebensgefährte hat auch den Typ1-Diabetes. Als wir die Symptome von Pascal sahen, haben wir bereits geahnt, dass es diese Krankheit ist.“

In der Klinik lernt der Junge, dass er seine Ernährung umstellen muss. Dabei steht Dörte Köster an seiner Seite. Sie ist derzeit die einzige Diätassistentin an der gesamten Universitätsmedizin, die sich um die Beratung der Patienten kümmert. In der Theorie ist sie damit für rund 1000 Patienten verantwortlich. Je nach Anforderung der Ärzte ist Dörte Köster auf den Stationen unterwegs. Den Aktenordner unter den Arm geklemmt, schreitet sie schnellen Schrittes zu ihrem Büro. In dem kleinen Häuschen in der Mitte vom Klinik-Campus strukturiert sie ihre Termine. Seit 1987 arbeitet sie als Diätassistentin, zu DDR-Zeiten war sie allerdings ausschließlich für die Kinder verantwortlich. Eine umfangreiche und dauerhafte Betreuung der Patienten sei wegen des wachsenden Patientenzulaufs eine große Herausforderung. Weil sie immer gefragt und damit unentbehrlich ist, sei es für sie schwierig, Weiterbildungen einzuschieben, um zu jedem Krankheitsbild stets auf dem aktuellsten Wissensstand zu bleiben. Eine zusätzliche Diätassistentin nur für den Kinder- und Jugendbereich würde sie daher enorm entlasten. „Auch wenn ich sehr gerne mit den kleinen Patienten arbeite.“

Für Prof. Jan Däbritz gibt es in Sachen Ernährungsberatung keinen Konjunktiv. Es sei dringend nötig, an der UKJ eine solche Stelle zu schaffen. Als sich die Klinik 2015 mit dem neuen Direktor Prof. Michael Radke umstrukturierte, wurden neue Schwerpunkte für die medizinische Versorgung gesetzt. Die Einrichtung sei auf diese Weise zukunftssicher gemacht worden, sagt Däbritz. Der Kinderarzt lernte Radke auf einem Kongress in Rotterdam kennen und hat mittlerweile die Position seines Stellvertreters inne. Als Gastroenterologe begegnet er täglich kleinen Patienten, für die eine Ernährungsberatung zwingend nötig ist. Gerade bei chronischen Darmerkrankungen wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa spiele die Nahrung eine wesentliche Rolle. Unter anderem seien die Patienten aufgrund ihrer ständigen Schmerzen von Mangelernährung bedroht. Bei Kindern und Jugendlichen, die sich noch in der Wachstumsphase befinden, könne dieser Umstand sogar zur Kleinwüchsigkeit führen.

Prof. Jan Däbritz sei Kinderarzt geworden, weil er die Detektivarbeit schätze. „Die Patienten können sich manchmal noch nicht ausdrücken. Hinzu kommt, dass Kinder unverschuldet krank werden. Bei Erwachsenen ist das manchmal anders. Mich hat frustriert, dass sie einfach eine Pille mehr nehmen, ihrem Lebensstil aber ganz normal weiter frönen.“

13 000 Euro auf dem Spendenkonto

Bislang sind rund 13 000 Euro auf dem Spendenkonto für unsere Weihnachtsaktion eingegangen, darunter auch 400 Euro Erlös aus der Benefizlesung mit Krimiautorin Diana Salow bei der „Schweriner Volkszeitung“. Allen Lesern, die kleine und große Beträge gespendet haben, sagen wir sehr herzlichen Dank!

Zu den bisherigen Spendern zählen unter anderem die Wibau Haustechnik GM in Schwerin, Hanna Hannemann, Gisela Pfahl, Klaus und Veronika Sager aus Schwerin, Ingeborg Gunther aus Schwerin, Thomas und Angelika Krause, Manfred und Marianne Schmidt, Ursula Hörichs, Renate Neutag, Marlene Prosch, Volker und Annegret Rumstich aus Siggelkow, Roswitha Seelig aus Sukow, Holger Stoelting, Angelika Lentzsch, Karla Feick, Ursula Halfpap aus Cramonshagen, Peter und Maria Bruening, Bettina und Hanno Gutsche aus Marnitz, Inge Kollwitz, Wally und Bodo Klugmann, Ellen und Joachim Braun, Edith Gaedecke, Ernst Selck, Günter und Gudrun Kloidt, Detlef und Angelika Haase und Inge Grzelke.

Kinderarzt zu sein, impliziere besondere Herausforderungen – und das nicht nur im Umgang mit den Kleinsten, sondern auch, wenn aus den Jugendlichen langsam Erwachsene werden. „Dann müssen sie plötzlich lernen, ihre Krankheit selbst zu managen“, verdeutlicht Däbritz. Diesen Übergang, die sogenannte Transition, zu strukturieren, sei sehr wichtig. „Wenn die jungen Erwachsenen nicht lernen, mit ihrer Erkrankung umzugehen, droht die Gefahr, dass sie Therapien abbrechen, depressiv und schlimmstenfalls zu Invaliden werden.“ Kinderheilkunde sei grundsätzlich mehr, als nur Laborwerte anzuschauen. „In unseren Sprechstunden klopfen wir alles ab: Wie läuft es in der Schule? Ist zu Hause alles in Ordnung? Besteht die Gefahr, dass sich der Patient selbst etwas antut?“ Jan Däbritz erinnert sich an ein Mädchen, das sich weigerte, zur Schule zu gehen. „Gerade bei chronischen Erkrankungen sehen wir häufig psychosoziale Probleme. Wir sehen Schlafstörungen und Depressionen. Da sind die Narben von Operationen, die Nebenwirkungen der Medikamente, die vielen Fehlzeiten in der Schule. Das ist nicht einfach.“

Die Universitätskinder- und Jugendklinik beherbergt neben einer Intensiv- und Intermediate Care zwei weitere Stationen, von denen eine ausschließlich für chronisch kranke Patienten vorgesehen ist. Neu ist das Sozialpädiatrische Zentrum, in dem Kinder und Jugendliche ambulant behandelt werden, bei denen eine Beeinträchtigung oder der Verdacht auf eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder seelischen Entwicklung vorliegt. Das Bild wird abgerundet von einer Tagesklinik mit sechs Betten sowie zwei Forschungslaboren. In Zusammenarbeit mit der Universitätsfrauenklinik am Südstadtklinikum und der dort angesiedelten Abteilung für Neonatologie und Neonatologische Intensivmedizin soll ein Eltern-Kind-Zentrum in Rostock entstehen. Die Gespräche dafür laufen bereits. Ziel sei eine Bündelung von Kompetenzen – vielleicht auch mit einer eigenen Ernährungsberatung. Für die Patienten hat dies zwei entscheidende Vorteile: Qualität und kurze Wege.

So können Sie helfen

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Die Adventszeit ist die Zeit der Besinnung,  der Freude, der Familie und Kinder. Denkt man an Kinder und an Weihnachten, dann denkt man an ausgelassene Fröhlichkeit und ansteckendes Lachen. Kinder bedeuten  Glück. Kinder machen Familien aus. Doch nicht allen Eltern, Kindern und Großeltern in unserer  Gesellschaft geht es  gut. 

Wenn Kinder krank werden, sind das oft doppelte Schmerzen – für die Kleinsten und bei den Eltern. Wenn Kinder an chronischen Krankheiten leiden, ist das nicht nur doppeltes Leid, sondern beeinflusst die Entwicklung und  verändert oft das ganze Leben der kleinen Patienten.

Am Rostocker Universitätsklinikum haben sich erfahrene Mediziner, wie Prof. Dr. Michael Radke, Leiter der Kinder- und Jugendklinik,  und sein  Stellvertreter Prof. Dr. Jan Däbritz auf chronische Darmerkrankungen bei Kindern und Jugendlichen spezialisiert. Ihre medizinische Erfahrung: Starke Medikamente wie etwa Kortison, die bei Erwachsenen angewandt werden, richten bei Kindern oft mehr körperliche Schäden an, als dass sie helfen. Die Spezialisten sind überzeugt: Eine Ernährungstherapie ist die beste Medizin.

Doch es fehlt seit Jahren an einer entsprechenden Beraterin. Wir wollen in einer gemeinsamen Aktion in der Adventszeit Spenden für eine Ernährungstherapeutin für die Kinderklinik sammeln. Es soll nur eine Anschubfinanzierung für das erste Jahr werden, an deren Beispiel Prof. Dr. Radke und Prof. Dr. Däbritz gerne nachweisen wollen, dass eine solche Stelle am Klinikum unverzichtbar ist.

Warum unterstützen die „Schweriner Volkszeitung“, die „Norddeutschen Neuesten Nachrichten“ und „Der Prignitzer “ ein solches Vorhaben in der Uni-Medizin? Öffentliche Kassen sind bekanntlich immer leer. Die Krankenkassen müssen erst überzeugt werden.   Wir sagen, es ist Zeit,  etwas für unsere Kinder zu tun. Helfen Sie bitte mit bei der gemeinsamen Weihnachtsaktion unserer Zeitungen und der Kinder- und Jugendklinik, helfen Sie den Kindern. Jede Spende ist wichtig. Jede Spende hilft. Jede Spende kommt an.

Kontodaten

pro infantibus - Hilfe für das kranke Kind e. V.
OSPA  Konto: 4 05 00 91 78
BLZ:  130 500 00
IBAN DE77 1305 0000 0405 0091 78
Verwendungszweck: „Unsere Kinder“

Bitte schreiben Sie für die Spendenquittung Ihre Adresse und Ihren Namen in die Zeilen für den Verwendungszweck. Vermerken Sie dort auch, falls Sie in der Zeitung nicht genannt werden möchten.

 

>> Alle Informationen rund um unsere Spendenaktion lesen Sie im Dossier

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erstellt am 29.Nov.2016 | 05:00 Uhr

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