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Mecklenburg-Vorpommern

24. Mai 2016 | 13:46 Uhr

Elektromobilität in MV : Unser Praktikant sieht grün

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Philipp Dabelstein will mit grünen e-Mopeds in Berlin durchstarten / Elektromobilität in MV noch kaum vertreten

Unser Praktikant hat ein komisches Hobby, fanden wir. Statt nach der Arbeit zu entspannen, setzt er sich an seinen Computer und analysiert Zahlen – für einen Businessplan, wie er jetzt verriet. Nächstes Jahr will er sich in Berlin mit einem Elektro-Roller-Verleih selbstständig machen: „Scogo“. Das ist super, finden wir.

„Berlin ist geil“, meint Philipp Dabelstein. Doch eins nervt ihn an unserer Hauptstadt: Der ewige Verkehr, das Stoßstangenkuscheln, der Smog, die Parkplatzsuche und die Umweltverschmutzung. „Ich komm halt vom Land.“ Aufgewachsen ist er in Ludwigslust. Da sei man bessere Luft gewöhnt. „Der Berliner verbringt täglich rund 70 Minuten auf der Straße. Dabei legt er etwa 21 Kilometer zurück, zur Arbeit, zum Einkaufen oder zu Freunden.“ Das würde eine enorme Menge an Abgasen bedeuten. Zumal die meisten Autos nur mit einer Person besetzt sind – Individualverkehr oder auch Egoismuspolonaisen nennt man so etwas neudeutsch. Irgendwie kam deshalb die Idee mit den Rollern ins Rollen.

Schon im nächsten Jahr sollen 50 grasgrüne Akkumobile in Berlin stehen. Statt aus der Zapfsäule, beziehen diese Energie aus der Steckdose. Jeder, der sich bei Scogo anmeldet, darf dann damit fahren. Der Scogo-Roller kann überall innerhalb Berlins wieder abgestellt werden. Eine App zeigt den Nutzern dann, wo der nächste Roller steht. Bekannt ist das Prinzip von Car-Sharing-Unternehmen wie „Car2go“. Was ist also neu an der Idee?

„Mopeds haben durch ihre Größe einen viel geringeren Energieverbrauch als Autos und durch die Elektromotoren sind sie sehr umweltfreundlich“, erklärt Philipp. „Man kommt schneller von A nach B als mit dem Fahrrad und findet leichter einen Parkplatz.“ Und nicht zuletzt: „Es macht einfach Spaß, damit zu fahren.“

Tagsüber hilft der Frischluftfanatiker bei der Verarbeitung von der Auflagenzahl in den Verbreitungsgebieten unseres Verlags, nachts analysiert er den Markt für sein zukünftiges Unternehmen, entwickelt seinen Businessplan und schreibt nebenbei noch an seiner Bachelorarbeit für sein BWL-Studium in Flensburg.

Dass er mit diesem grünen Gedanken den Nerv der Zeit trifft, zeigen verschiedene Projekte der Bundesregierung. Mit dem Förderschwerpunkt „Modellregionen Elektromobilität“ unterstützt das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) eine übergreifende Zusammenarbeit von Industrie, Wissenschaft und öffentlicher Hand, um den Aufbau einer Infrastruktur und die Verankerung der Elektromobilität im Alltag voranzubringen. Dafür wurden bundesweit Modellregionen geschaffen, unter anderem im Norden von MV.

Im November endete dort nach drei Jahren der Feldversuch des Projekts „inmod“, initiiert durch das Kompetenzzentrum „Ländliche Mobilität“ der Hochschule Wismar. Durch ein neues Verkehrskonzept konnten Bewohner und Besucher der Regionen Salzhaff, Klützer Winkel, Usedom und der Mecklenburgischen Seenplatte durch die kombinierte Nutzung von Elektofahrrad und umweltfreundlichem Bus ressourcenschonend ans Ziel kommen. Der zuständige Professor Udo Onnen-Weber ist mit der Testphase sehr zufrieden: „Das Forschungsprojekt ist vorbei, doch inmod bleibt. Einige Gemeinden haben nachgefragt, ob sie das Modell für ihre Region übernehmen könnten. Zur Zeit sind wir mit vier Gemeinden in Verhandlung.“ Onnen-Weber ist überzeugt: „Elektromobiltät ist die Zukunft.“

Dass in Zukunft auch in MV immer mehr Fahrzeuge mit Strom laufen werden, meint auch Philipp. Für sein Vorhaben sei die Hauptstadt erst der Anfang. In der Zukunft könnte er sich die grünen Flitzer auch in MV vorstellen. „Wir haben große Pläne“, meint Philipp mit einem Augenzwinkern. Zuzutrauen ist es ihm.


MVs grüne Mobilitäts-Zukunft

Professor Udo Onnen-Weber vom Kompetenzzentrum „Ländliche Mobilität“ der Hochschule Wismar ist sich sicher: „Elektromobilität im ländlichen Raum macht viel mehr Sinn als in den urbanen Zentren.“ Hier sind drei Projekte, die er zurzeit umsetzt:

Boltenhagen: Verkehrsberuhigung durch Parkplätze an den Ortseingängen und Shuttleverkehr  teilweise mit Elektrobussen durch den Ort. Ziel ist es, den gesamten Shuttleverkehr in Boltenhagen auf Elektromobilität umzustellen.

Göhren auf Rügen: Verkehrsberuhigung durch ein Parkhaus und Teilsperrung des Ortes für fossile Fahrzeuge. Zirka  vier bis sechs Elektrofahrzeuge sollen in Zukunft Gästen zur Verfügung gestellt werden. Bau und Umsetzung in 2015/2016.

Müritzer Seenplatte: Konzept für touristische Elektromobilitätsangebote in Arbeit. Zirka 20 Elektroautos werden  Gästen zur Verfügung gestellt, die mit diesen ausgearbeitete Touren zu Sehenswürdigkeiten machen können. Dort sollen attraktive E-Fahrrad-Angebote entstehen. Derzeit Konzeptphase.

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erstellt am 02.Jan.2015 | 12:00 Uhr

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