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Bildungslandschaft MV : Uni Greifswald legt Namen „Ernst Moritz Arndt“ ab

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Bildungseinrichtung sieht im umstrittenen Namenspatron ein Hindernis, vor allem um ausländische Studenten und Professoren anzuwerben.

Die Universität Greifswald trägt künftig nicht mehr den Namen „Ernst Moritz Arndt“. Der Senat entschied am Mittwoch mit Zweidrittelmehrheit den Namen des umstrittenen Publizisten und Hochschulprofessors Arndt (1769-1860) abzulegen. Die Hochschule wird künftig nur noch Universität Greifswald heißen.24 der 36 Senatoren stimmten für die entsprechende Änderung der Grundordnung. „Es war eine Entscheidung, um die seit Jahren hart gerungen wurde“, sagte Rektorin Johanna Eleonore Weber. Sie wünsche sich, dass auch diejenigen, die für eine Beibehaltung des Namens plädiert hatten, das Ergebnis respektierten.  Mit der Streichung des Namens kehrt die 1456 gegründete Hochschule wieder zu ihrer ursprünglichen Bezeichnung zurück. Seit 1933 trug die Uni - mit neunjähriger Unterbrechung nach Kriegsende - den Namen des in Pommern geborenen Publizisten, dessen Rolle in der Geschichte umstritten ist. Genehmigt wurde der Name vom damaligen preußischen Ministerpräsidenten und Reichsminister Hermann Göring.

Anfang des 19. Jahrhunderts hatte Arndt gegen Napoleon und die Franzosen polemisiert. Er gilt als Verfechter der deutschen Einheit. Arndt hat auch antisemitische und nationalistische Schriften veröffentlicht. Die Nationalsozialisten sahen in ihm einen Vordenker. Zu DDR-Zeiten wurde hervorgehoben, dass Arndt mit seinen Schriften die Abschaffung der Leibeigenschaft 1806 in Pommern befördert hatte.

Bundesweit sind Straßen, Schulen, Kasernen und Plätze nach Arndt benannt. In Bonn, wo er nach Greifswald als Professor lehrte und auch Uni-Rektor war, erinnert ein Denkmal und das Ernst-Moritz-Arndt-Haus an den Publizisten.

Die zwölf studentischen Senatoren hatten den Antrag auf Streichung des Namens eingebracht. Sie argumentierten, dass das Festhalten an Arndt die angestrebte verstärkte Internationalisierung und die Darstellung der Uni als Ort einer fortschrittlichen Wissenschaft erschwere. Er hoffe, dass die Gräben zwischen Befürwortern und Gegnern jetzt zugeschüttet werden, sagte der studentische Senator Milos Rodatos. Der Name „Universität Greifswald“ sei identitätsstiftend und vereine Stadt und Hochschule.

Nach der politischen Wende gab es insgesamt vier Namensdebatten an der Uni Greifswald. Am heftigsten wurde in den Jahren 2009 und 2010 über Arndt gestritten. Die Uni hatte damals eine umfangreiche wissenschaftliche Anhörung zu Arndt durchgeführt, die kein einheitliches Bild bot. Eine Ablegung des Namens war im Senat gescheitert.

Der CDU-Landtagsabgeordnete Egbert Liskow reagierte enttäuscht auf die aktuelle Abstimmung. Natürlich sei Arndt eine kritische Zeitfigur, aber das seien Luther und Goethe auch, sagte er. „Eine regelrechte Beseitigung von Arndt ist keine kritische Auseinandersetzung, sondern vielmehr ein Löschen der Zeitgeschichte.“ Der hochschulpolitische Sprecher der AfD-Landtagsfraktion, der Greifswalder Juraprofessor Ralph Weber, bezeichnete die Entscheidung als „verheerendes Signal“ 27 Jahre nach der Wiedervereinigung, weil Arndt Vorkämpfer für die Einheit und das Zusammenwachsen Deutschlands gewesen sei. Die Kosten für die Umbenennung schätzte er auf 300 000 Euro.

Die Namensänderung tritt in Kraft, wenn sie vom Kultusministerium genehmigt ist. Ein Veto wird es dort wohl nicht geben. Sofern der Sitz der Hochschule Namensbestandteil bleibe, könne eine Genehmigung nicht versagt werden, sagte ein Ministeriumssprecher mit Verweis auf das Landeshochschulgesetz. Die zweite Universität im Land, die Uni Rostock, hatte ihren Namen „Wilhelm Pieck“ im Jahr 1990 abgelegt.

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erstellt am 18.Jan.2017 | 15:30 Uhr

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