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Mecklenburg-Vorpommern

28. September 2016 | 15:40 Uhr

Tötungsdelikte in MV : Ungesühnte Verbrechen

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Trotz aufwendiger Ermittlungen konnte die Polizei in Mecklenburg-Vorpommern 30 Tötungsdelikte bislang nicht aufklären

Auf einem Hof im Malchiner Neubauviertel „Am Zachow“ spielte Susann J. am 12. August 1994 mit zwei gleichaltrigen Jungen Tischtennis. Als es regnet liefen die Kinder durch den Keller ins Haus. Dabei verschwand das 10-jährige Mädchen plötzlich wie vom Erdboden verschluckt. Zwei Jahre später wurde ihre Leiche in einem Meliorationsschacht auf einem Acker gefunden. Ihr Mörder konnte bis heute nicht ermittelt werden.

Pro Jahr registriert die Polizei in Mecklenburg-Vorpommern etwa 80 Tötungsverbrechen – Mord, Totschlag, Tötung auf Verlangen und Körperverletzung mit Todesfolge. „Tötungsdelikte haben bei Ermittlungen absolute Priorität, weil das Leben das höchste zu schützende Rechtsgut ist“, erklärt Michael Schuldt, Pressesprecher des Landeskriminalamtes (LKA) in Schwerin. Dennoch konnten etwa 30 Tötungsverbrechen von der Polizei bisher nicht aufgeklärt werden. Einige wenige stammen noch aus DDR-Zeiten.

Kathrin J. wird seit dem 21. Januar 1989 vermisst. Das 13-jährige Mädchen wollte mit dem Fahrrad zur Schule. Der Hof der Oma, auf dem sie seit dem Tod ihrer Mutter lebte, liegt abgeschieden, gut zehn Kilometer südlich von Lübz. Nach dem Verschwinden des Mädchens wurde nur 700 Meter vom Hof entfernt das Rad gefunden, Tage später auch der Schulranzen. Die Polizei geht von einem Tötungsverbrechen aus.

Jana K. war in Greifswald ein Stadtgesicht. Viele in der Uni-Szene kannten die 1,72 Meter große sportliche Studentin mit den kurzen dunklen Haaren und den blaugrauen Augen. Die 24-jährige Heidelbergerin studierte Romanistik und Sport. Am 15. August 2000 wurde sie das letzte Mal lebend gesehen, als sie vor einer Greifswalder Szenekneipe in einen dunklen Geländewagen stieg. Die Leiche wurde erst Wochen später in einem Wald gefunden. Bis heute konnte der Mörder nicht gefunden werden. Selbst die Tatmotive des Verbrechens blieben bisher im Dunkeln.

Trotzdem werden die Ermittlungen nicht eingestellt. „Mord verjährt nicht“, sagt Polizeisprecher Schuldt. In unregelmäßigen Zeitabständen werden die Akten von Altfällen aus den Regalen geholt und nach neuen Ermittlungsansätzen durchsucht.

So auch im Fall Simone K. Die Schwesternschülerin wollte am 9. Januar 1992 zur Ausbildung nach Stralsund. An der Bushaltestelle ihres Heimatortes Katzenow (Vorpommern-Rügen) stieg sie in ein Auto. Der Mörder vergewaltigte und tötete die 17-Jährige. Er hatte sie mit Äther betäubt. Bereits zuvor hatte der „Äthermörder“ versucht, andere Frauen zu überfallen. Doch bis heute ist seine Identität unbekannt.

Am 18. Juli 2007 holte die Krankenschwester Christin M. ihren damals fünfjährigen Sohn vom Kindergarten ab. Die beiden fuhren am Rande eines Waldstücks bei Kröpelin (Landkreis Rostock), als sie ein Unbekannter überfiel. Die Frau wurde durch Schläge mit einem Ast so schwer verletzt, dass sie am folgenden Tag starb. Ihr Sohn überlebte mit schweren Verletzungen. Mit viel Aufwand ermittelte die Polizei, bildete die Sonderkommission „Christin“ und führte Massen-DNA-Tests durch. 6500 Männer, die in der Umgebung des Tatorts lebten, mussten ihre Speichelprobe abgeben. Insgesamt wurden 725 Hinweise aus der Bevölkerung von der Polizei bearbeitet. Bislang ohne zählbaren Erfolg.

Die Hoffnung, den Tätern auch nach vielen Jahren noch auf die Spur zu kommen, generiert sich auch aus der rasanten Entwicklung der Kriminaltechnik. „DNA-Spuren, die 1990 noch nicht auswertbar waren, helfen uns heute weiter“, berichtet Schuldt. So konnten die Mörder der Rostockerin Antje St. fast 12 Jahre nach dem Verbrechen durch eine DNA-Analyse überführt werden. Die beiden Männer hatten das 15-jährige Mädchen im Juli 1996 ermordet. Im Januar 2008 verurteilte das Landgericht Rostock die Mörder zu lebenslangen Haftstrafen.

 

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erstellt am 18.Nov.2014 | 12:00 Uhr

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