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Rechnung nicht bezahlt : Über 2200 Kunden den Strom gekappt

vom
Aus der Onlineredaktion

Steigende Energiepreise werden besonders für Geringverdiener und Arme problematisch

Die Betroffenen sitzen tagelang oder sogar über Wochen im Dunkeln und können sich nicht einmal ein warmes Essen zubereiten. Mindestens 2200 Haushalten in MV wurde im vergangenen Jahr der Stromanschluss gesperrt, weil sie ihre Rechnung nicht bezahlt hatten. Das ergab eine Umfrage unserer Zeitung bei den Stadtwerken der drei größten Städte im Land, Rostock, Schwerin und Neubrandenburg.

Die Stadtwerke der Landeshauptstadt kappten im Vorjahr bei 694 Kunden vorübergehend den Strom- und Gasanschluss. Noch weit mehr Haushalte hatten Probleme, ihre Abschläge zu bezahlen. Die Stadtwerke drohten 7000 Kunden an, die Versorgung zu kappen. Dass Stromrechnungen nicht mehr beglichen werden können, hat laut Aurel Witt, Sprecher der Stadtwerke Schwerin, mehrere Gründe. Finanzielle Engpässe könnten etwa bei Arbeitslosigkeit entstehen. „Der Sperrauftrag ist aber das absolut letzte Mittel“, betont Witt. Die Kunden würden mehrfach angemahnt. Mindestens drei Werktage vor dem Sperrtermin gebe es mittels einer roten Karte nochmals eine Warnung. Erst wenn keine Zahlung oder eine für beide Seiten akzeptable Lösung gefunden werde, erfolge zirka 44 Tage nach Fälligkeit der Forderung dann die Sperrung. Ähnlich verfahren die Stadtwerke in Rostock, die vergangenes Jahr 1096 Stromsperrungen vornahmen.

Menschen mit Ausständen bei Energielieferanten sind auch schon seit Jahren ein Schwerpunktthema in den Schuldnerberatungsstellen des Landes. Etwa jeder zweite neue Klient habe Schulden im Bereich Miete und Energie, weiß Cornelia Zorn, Vorsitzende der Landesarbeitsgemeinschaft der Schuldnerberatungsstellen. Es gebe Fälle, in denen Energieschulden von bis zu 4000 Euro aufliefen. Betroffen seien vor allem die Empfänger von Sozialleistungen. Steigende Energiepreise würden für diese Haushalte schnell zum Problem. „Die Betroffenen haben keine Ersparnisse und die Bedarfssätze werden nicht entsprechend angepasst“, verdeutlicht die Vorsitzende. Mit den örtlichen Versorgern wie den Stadtwerken gebe es aber eine gute Zusammenarbeit, um Stromsperren abzuwenden. Mit den lokalen Lieferanten würden Ratenzahlungen vereinbart, die auf das Budget des Schuldners abgestimmt seien.

Die Stadtwerke Neubrandenburg arbeiten seit zwei Jahren mit dem Jobcenter und dem Landkreis zusammen. Die Tendenz bei den Stromsperrungen sei seitdem rückläufig. 450 waren es 2016 – 90 weniger als drei Jahre zuvor.

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erstellt am 21.Mär.2017 | 05:00 Uhr

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