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Mecklenburg-Vorpommern

04. Dezember 2016 | 15:18 Uhr

Facebook-Prozess : Tod in Kauf genommen?

vom
Aus der Onlineredaktion

Urteil im Facebook-Prozess fällt am Freitag

Nach einer Messerattacke infolge eines Streits über eine Facebook-Matheaufgabe hat die Staatsanwaltschaft wegen versuchten Totschlags sieben Jahre Gefängnis für einen 29-Jährigen aus Wismar gefordert. Sie sah es heute vor dem Schweriner Landgericht als erwiesen an, dass der Maler bewusst den Tod seines 19-jährigen Opfers in Kauf nahm, als er ihm ein Messer in den Bauch stieß.

Die Verteidiger hingegen werteten den Angriff lediglich als gefährliche Körperverletzung. Die Strafe sollte, so forderten sie, höchstens auf zwei Jahre Gefängnis lauten. Der Niedergestochene überlebte die Attacke nur knapp. Bei einer Notoperation musste ihm eine Niere entfernt werden.

Die beiden jungen Männer kannten einander nicht, als sie sich im April im Internet heftig und deftig über die Lösung einer Matheaufgabe stritten. Wie sich heute herausstellte, hatten sie jedoch einen gemeinsamen Facebook-Freund. Dieser hatte dem Angeklagten das Rätsel gezeigt, das der andere auf seine Facebook-Seite gestellt hatte. Am folgenden Tag kommentierte der Angeklagte einen weiteren Eintrag des späteren Opfers. Damit erntete er zahlreiche beleidigende Bemerkungen aus dem Freundeskreis des 19-jährigen.

Auf dem Weg zu einem Bekannten, so die Staatsanwaltschaft, sei der Angeklagte am selben Tag zufällig auf den jungen Mathe-Kontrahenten getroffen, den er anhand dessen Facebook-Profilbilds erkannte. „Spontan entschloss er sich, dem anderen einen Denkzettel zu verpassen“, so die Staatsanwältin. Er sprang auf ihn zu und rammte ihm mit Wucht ein Messer in den Bauch. Als das Opfer taumelte, versetzte er ihm einen zweiten Stich in den Rücken. Obwohl der 19-jährige stark blutete, verließ der Angreifer ruhig den Tatort und schmiss Messer und seinen wahrscheinlich mit Blut bespritzten Pullover ein eine Grünanlage.

Der Rechtsanwalt des Opfers bezweifelte sogar, dass der Angeklagte zufällig auf den 19-jährigen traf. Es sei jedoch nicht nachzuweisen, dass er ihm auflauerte. Auf jeden Fall hätten ausgerechnet zwei seiner besten Freunde bestätigt, dass er kurz nach der Tat genau wusste, was er angerichtet hatte.

Die Verteidiger deuteten die Aussagen der Zeugen und des Angeklagten sowie die Spuren etwas anders. Der Maler habe mit dem Messer nur die Kleidung des Opfers im Vorbeigehen aufschlitzen wollen. Leider habe sich der 19-jährige ihm plötzlich in den Weg gestellt. Aus dem Ritzen wurde ein Stich. Und an einen zweiten Stich konnte sich der Angeklagte nicht erinnern.

Ruhig weiter gegangen sei der Maler, weil er überhaupt keine Ahnung von der schweren Verletzung des Opfers hatte. Von einer Absicht, den anderen zu töten könne keine Rede sein. Dazu gab es keinen Grund, denn so gravierend sei der Facebook-Beleidigungen nicht gewesen.

Das Schweriner Landgericht wird am Freitag sein Urteil verkünden.

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erstellt am 29.Nov.2016 | 18:30 Uhr

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