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Mecklenburg-Vorpommern

10. Dezember 2016 | 23:25 Uhr

23 Jahre im Amt - Till Backhaus : Thronfolger, Fluthelfer, Rosenkrieger

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Till Backhaus wird am Ende der Legislatur 23 Jahre im Amt als Agrarminister sein – länger als irgendein anderer Politiker in Deutschland

Till Backhaus ist trotz mancher Kapriolen seit 18 Jahren Landwirtschaftsminister. Solange ist kein anderes Regierungsmitglied in den 16 Bundesländern im Amt. Wenn er seine fünfte Amtsperiode durchhält, wäre er länger als irgendein anderer Chef des selben Ressorts gewesen.

Der 57-Jährige sieht keinen Grund aufzuhören. „Ich bin gesund, ehrgeizig, leistungsbereit und habe noch kreative Ideen“, sagt Backhaus. Er hält sich zugute, Mecklenburg-Vorpommern trotz der wirtschaftlichen Schwierigkeiten zur landwirtschaftlichen Vorbildregion mit vielen schmucken Dörfern gemacht zu haben, und dass 34 Prozent der Landesfläche unter Naturschutz steht.

Backhaus kämpft stets für seine Bauern und gilt als Arbeitstier. Fachlich kann dem studierten Agraringenieur, der zu DDR-Zeiten in einer Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft arbeitete, wohl kaum ein Agrarpolitiker das Wasser reichen. Backhaus wurde 1998 zum Agrarminister ernannt. Von 2003 bis 2007 war er Landesparteichef der SPD, galt als möglicher Regierungschef. Aber manche Kapriolen und sein ungeschicktes Auftreten während der Vogelgrippe auf Rügen im Februar 2006 kappten diese Karrierechancen. Der SPD-Politiker weiß sich in Szene zu setzen. Als die Elbe über die Ufer trat, schleppte Backhaus Sandsäcke und schenkte Bier an die Fluthelfer aus. Hoch zu Ross weihte er einen neuen Reitweg ein - und fiel bei ähnlicher Gelegenheit vom Pferd.

Eher fragwürdige Schlagzeilen machte er, als er sich in den Weihnachtsferien 2006 selbst ans Steuer seines Dienstwagens setzte und 1000 Kilometer nach Weißrussland fuhr, weil er dort angeblich Wirtschaftskontakte für einen Unternehmer, der gleich mitfuhr, anbahnen musste. Zu dem Zeitpunkt waren längst auch Zweifel an seiner Doktorarbeit aufgetaucht, die er trotz der Arbeitsbelastung des Amtes in seinen ersten Ministerjahren geschrieben hatte. Vor vier Jahren geriet Backhaus radfahrend in seiner Freizeit mit einem Autofahrer aneinander, der ihn zu eng überholt hatte. Man bezichtigte sich gegenseitig verschiedener Handgreiflichkeiten. Auch wurde der Rosenkrieg mit einer verflossenen Freundin vor Gericht ausgebreitet. Backhaus wollte eine sechsstellige Summe und einen Trecker von ihr zurück, die er in eine gemeinsame Zukunft mit der Schäferin investiert hatte. Inzwischen ist der zweimal geschiedene Backhaus mit der 23 Jahre jüngeren Zahnärztin Yvonne Backhaus verheiratet. Die ehemalige Rapsblütenkönigin und der Agrarminister haben zwei kleine Kinder.

Am Ende der Legislaturperiode wäre Backhaus 23 Jahre im Amt. Bremens Bürgermeister Henning Scherf (SPD) war 27 Jahre Mitglied der Landesregierung, allerdings nur zehn Jahre Senatschef. Johannes Rau (SPD) brachte es auf 20 Jahre als Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident, sein Kollege Kurt Beck (SPD) kam in Rheinland-Pfalz genauso wie Bremens Bürgermeister Hans Koschnick (SPD) auf gut 18 Jahre im Amt. Im Bundeskabinett hält Hans-Dietrich Genscher (FDP) den Rekord. Er war fünf Jahre Innen- und 18 Jahre Außenminister.  


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erstellt am 02.Nov.2016 | 04:45 Uhr

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