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Mecklenburg-Vorpommern

26. Juni 2016 | 19:10 Uhr

Nach Feuer : Textilindustrie am Pranger

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Wer ist schuld am Tod von 255 Menschen, die in Pakistan ums Leben kamen?

Wer ist schuld am Tod von 255 Menschen, die im September 2012 beim Brand in einer Textilfabrik in Pakistan ums Leben kamen? Eine einfache Antwort gibt es nicht. Zu den Verantwortlichen gehören die Fabrikbesitzer, die sich um Brandschutz nicht scherten. Die Gesetze verlangten keine Kontrollen in der Fabrik, klagt der Rechtsanwalt Faisal Siddiqi, der die Überlebenden und Hinterbliebenen der Opfer von Karachi vertritt.

Die tiefere Ursache für die Tragödie liege aber im System der Billigproduktion von Kleidung in Asien für europäische Kunden, sagen Vertreter von Menschen- und Arbeitsrechtsorganisationen. Dabei müssten die Näherinnen und Näher sechs Tage die Woche und 14 Stunden am Tag für 90 Euro im Monat schuften.

Private Unternehmen wie Rina aus Italien stellten Zertifikate über die Arbeitssicherheit in den Manufakturen aus, für die sie aber nicht haftbar gemacht werden könnten. Auch für die Fabrik Ali Enterprises in Karachi habe Kik ein Zertifikat erhalten. Das Unternehmen weigere sich bis heute, „seine Verantwortung anzuerkennen“, kritisiert Frauke Banse von der Kampagne für Saubere Kleidung. Dabei seien mindestens 75 Prozent, wahrscheinlich sogar mehr als 90 Prozent aller Kleidungsstücke aus dieser Fabrik an Kik geliefert worden.

Der Textildiscounter zahlte rund 740 000 Euro Soforthilfe, lehnte aber bei einem Treffen am Mittwoch in Berlin weitere Zahlungen ab, die den 55 Verletzten eine medizinische Versorgung sichern würde.

Kik und die anderen beteiligten Unternehmen redeten sich damit heraus, dass sie nur Zwischenhändler oder Abnehmer seien, sagt Thomas Seibert von der Hilfsorganisation Medico International. „Dagegen könnten nur schärfere Haftungsregeln helfen: „Wer sich nicht nachweislich um Produktions- und Arbeitsbedingungen kümmert, sollte voll haftbar gemacht werden.“

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