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Mecklenburg-Vorpommern

29. Juli 2016 | 17:59 Uhr

Massenschlägerei : Teure Fan-Randale in Schwerin

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Hubschrauber-Einsatz gegen Chaoten auf Bahnhof kostet 192 000 Euro. 60 Hansa-Anhänger gingen auf 250 Herthaner los

Bilder, die eher an Bürgerkrieg als an Fußball denken lassen. Am späten Samstagabend lieferten sich so genannte Fans des Fußballvereins Hansa Rostock und Anhänger von Hertha BSC auf dem Schweriner Hauptbahnhof eine Massenschlägerei. Mit sechs Hubschraubern von Typ Super Puma wurden Einheiten der Bundespolizei von Bonn nach Schwerin geflogen, um Schlimmeres zu verhindern. Gestern wurden Einzelheiten bekannt.

„Als der Zug gegen 22 Uhr in den Bahnhof einfuhr, flogen bereits Gegenstände und Flaschen“, berichtete der Schweriner Stephan Haring, der auf dem Bahnsteig auf seine Freundin wartete. Vermummte seien kurz nach dem Halt in die Waggons der Hertha-Fans gesprungen und hätten auf alles eingeschlagen, was sich ihnen in den Weg stellte. In dem Zug saß auch Harings Freundin.

Die Zahl der Hertha-Fans wird von der Polizei auf 250 geschätzt. Die Berliner wollten vom Spiel ihrer Mannschaft in Bremen über Hamburg nach Hause und mussten in Schwerin umsteigen. Die Hertha-Anhänger seien zu diesem Zeitpunkt zumeist angetrunken, aber friedlich gewesen, berichtete Harings Freundin.

Die etwa 60 Hansa-Fans standen vom Spiel ihres Drittligisten aus Erfurt kommend bereits auf dem Bahnsteig und wollten mit dem selben Zug, mit dem die Hertha-Fans kamen, weiter nach Wismar. Eine schwierige Situation für die Polizei. Denn nur 20 Beamte versuchten mit zwei Diensthunden, die Gruppen auseinander zu halten. Das gelang nicht. „Etwa 30 Hansa-Fans durchbrachen die Absperrung und es kam zu körperlichen Auseinandersetzungen zwischen Personen aus beiden Fanlagern“, sagt Erika Krause-Schöne, Sprecherin der Bundespolizei in Rostock. Auf dem Bahnsteig breitete sich Panik aus, Unbeteiligte liefen wie um ihr Leben. Schottersteine flogen durch die Luft.

„Die Gewalt ging ganz klar von den Hansa-Fans aus“, ist sich Haring sicher. Auch Polizeisprecherin Krause-Schöne sagte gegenüber unserer Redaktion, dass die Initiative von den Hansa-Anhängern ausging.

Bereits um 20 Uhr hatte die Bundespolizei die sich abzeichnende Gefahr erkannt und Verstärkung angefordert. Weil die Bereitschaftspolzei Mecklenburg-Vorpommerns im „Komplettbestand“ wegen des Erfurter Spiels noch in Thüringen war, wie ein Sprecher des Schweriner Innenministeriums bestätigte, wurde sofort eine Hundertschaft Bundespolizei aus Bonn in sechs Hubschraubern nach Schwerin geschickt.

Die Kosten für eine Flugstunde eines Transporthubschraubers AS 332 L1 Super Puma der Bundespolizei werden auf 8000 Euro geschätzt. Allein die Transportkosten belaufen sich damit auf 192 000 Euro. Für eine einzige Dienststunde eines Polizisten bezahlt der Steuerzahler zudem 50 Euro.

Die Armada aus Bonn kreiste zwar rechtzeitig über Schwerin, die Piloten lehnten aber aus Sicherheitsgründen eine Landung auf einem Parkplatz in der Nähe des Bahnhofes ab und entschieden sich stattdessen für den 2,2 Kilometer entfernten Friesensportplatz. Von dort wurden die etwa 100 Beamten unter anderem in einem Bus, der extra aus Rostock geholt worden war, zum Bahnhof gefahren.

Dort tobte die Schägerei bereits fast 15 Minuten. Die eintreffende Polizei konnte die Lager trennen.

Resultat: Zwei Verletzte mussten ärztlich behandelt werden. „30 Strafanzeigen wegen Landfriedensbruch wurden aufgenommen“, so die Polizeisprecherin. Weitere Ermittlungen zu anderen Straftaten sollen folgen. Bei 35 Personen sei die Identität festgestellt worden.

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erstellt am 05.Mai.2014 | 22:00 Uhr

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