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Mecklenburg-Vorpommern

29. September 2016 | 07:01 Uhr

Von Bauchspeichel bis Zwischenhirn : Tatsächlich hormongesteuert

vom

Ohne Botenstoffe läuft in unserem Körper gar nichts: Zum heutigen Deutschen Hormontag liefern wir einen Exkurs in die Welt von Testosteron, Adrenalin und ihren Verwandten

Es ist nicht schmeichelhaft, wenn man jemanden als „ziemlich hormongesteuert“ bezeichnet. Aber: Es ist schlichtweg wahr. Ohne Hormone können wir nicht leben, viele körpereigene Prozesse laufen nur ab, weil Hormone sie steuern.

Hormone sind Botenstoffe, die in die Blutbahn, aber auch direkt in benachbarte Zellen abgegeben werden. Mal folgt die Reaktion darauf umgehend, mal auch erst zeitversetzt. So wirkt zum Beispiel das Stresshormon Adrenalin sehr schnell nach der Ausschüttung. Steroidhormone hingegen, zu denen die Sexualhormone gehören, wirken erst nach Stunden oder – beim Menstruationszyklus der Frau – sogar erst nach Wochen.

Fehlt ein Hormon oder wird davon zu viel ausgeschüttet, kann das gravierende gesundheitliche Folgen haben, betont PD Dr. Stefan Zimny, Chefarzt der Klinik für Allgemeine Innere Medizin, Endokrinologie und Diabetologie an den Schweriner Helios Kliniken. Bekanntestes Beispiel dafür ist sicherlich die Über- oder Unterproduktion von Schilddrüsenhormonen. Zu viele davon setzen eine krankhafte Steigerung der Stoffwechselprozesse im ganzen Körper in Gang. Symptome sind unter anderem Herzrasen, Nervosität, Durchfall, Schweißausbrüche, Haarausfall und ein Gewichtsverlust, obwohl man ständig Hunger hat. Bei einer Unterfunktion der Schilddrüse funktioniert der Stoffwechsel dagegen nur noch im Zeitlupentempo. Müdigkeit, depressive Verstimmung, Verstopfung, aber auch trockene Haut oder kalte Füße können Symptome sein.

Am heutigen ersten Deutschen Hormontag soll auf solche häufigen, aber auch auf seltene hormonbedingte Erkrankungen aufmerksam gemacht werden, so Dr. Zimny. Denn der Kenntnisstand darüber ist nur gering. Lediglich über Diabetes wisse eine Mehrheit inzwischen Bescheid – das durch ein Nachlassen der Insulinproduktion gekennzeichnete Leiden ist allerdings auch eine Volkskrankheit. Ansonsten aber werde noch viel zu selten in Richtung Hormone „weitergedacht“, wenn Beschwerden wie Bluthochdruck keiner eindeutigen organischen Ursache zuzuordnen sind.

Allerdings: „Durch sein Verhalten kann man die Hormonausschüttung kaum beeinflussen“, erläutert der Endokrinologe Dr. Urs Lichtenauer. „Eine Ausnahme bildet Stress, dann steigt der Cortisolspiegel“, ergänzt der leitende Oberarzt an den Schweriner Helios Kliniken. Auch durch niedrig-intensiven Dauersport ließe sich die Bildung von Stresshormonen positiv beeinflussen.

Die meisten Hormone werden gleich früh am Morgen ausgeschüttet. „Adrenalin zum Beispiel, das wir brauchen, um in den Tag zu kommen“, erläutert Dr. Lichtenauer. Wer Hormonpräparate verordnet bekommt, sollte daher unbedingt auf die Einnahmeempfehlungen achten, die sich am natürlichen Rhythmus orientieren. Meist heißt das, sie schon morgens unmittelbar nach dem Aufstehen und auf jeden Fall noch vor dem Frühstück zu schlucken. Unverträglichkeiten, die dann in seltenen Fällen auftreten, können sich übrigens immer nur auf die Ummantelung der Tabletten beziehen. „Das Hormon nicht zu vertragen geht gar nicht, denn es ist identisch“, betont Dr. Lichtenauer.

Richtig ist aber auch, dass die Hormonersatz-Therapie für Frauen in den Wechseljahren nicht unumstritten ist. Studien haben bei Frauen, die derartige Präparate einnahmen, ein leicht erhöhtes Brustkrebs-Risiko ermittelt. „Sie grundsätzlich zu verteufeln, ist aber dennoch falsch“, betonen die Schweriner Mediziner. Zeitlich begrenzt und individuell auf die Patientin zugeschnitten kann eine solche Therapie sinnvoll sein.

Zwischenhirn

Der Hypothalamus ist ein Teil des Zwischenhirns und eine wichtige Schaltzentrale des Körpers. Er koordiniert Wasser- und Salzhaushalt sowie den Blutdruck, regelt die Nahrungsaufnahme und sorgt für eine konstante Körpertemperatur. Der Hypothalamus beeinflusst unser Gefühls- und Sexualverhalten und bestimmt den Schlaf-Wach-Rhythmus. Außerdem wird von hier aus gesteuert, wann welche Menge eines Hormons gebildet wird. Um all diese Funktionen auszuführen, werden im Hypothalamus eine Vielzahl von Hormonen gebildet.

Schilddrüse und Nebenschilddrüse

Die Schilddrüse produziert die Hormone Tetrajodthyronin (T4) und Trijodthyronin (T3). Beide regulieren vorrangig den Eiweiß-, Fett- und Kohlenhydratstoffwechsel. Damit wirken sie auf die körperliche Entwicklung, das Knochenwachstum, die Muskulatur, den Cholesterinspiegel und den Energiestoffwechsel ein.

Außerdem sondern Schilddrüse und Nebenschilddrüsen ein Hormon ab, das die Kalzium- und Phosphatkonzentration im Blut reguliert.

Nebennieren

Im Mark der Nebennieren werden unter anderem die Stresshormone Adrenalin, Noradrenalin und Dopamin produziert. Sie bereiten den Körper auf Stresssituationen vor, indem sie den Blutdruck und die Herzfrequenz steigern, den Blutzuckerspiegel erhöhen. Stresshormone erweitern die Atemwege, steigern die Schweißsekretion und stoppen die Darmtätigkeit.

In der Rinde beider Nebennieren wird mit Kortisol ein weiteres, allerdings langsamer wirkendes Stresshormon gebildet. Vorrangig wirkt dieses Hormon auf den Stoffwechsel: Es erhöht die Zuckerneubildung, baut Fett ab und erhöht auch den Eiweißabbau.

Aldosteron, ein weiteres Nebennierenhormon, reguliert den Salz- und Wasserhaushalt. Außerdem werden in der Nebennierenrinde An-drogene gebildet – Sexualhormone, die im Körper in das Geschlechtshormon Testosteron umgewandelt werden.

Hoden

In den Hoden wird vor allem das männliche Geschlechtshormon Testosteron gebildet. Es ist verantwortlich für Libido und Geschlechtstrieb, fördert das Wachstum, die Entwicklung und die Funktion der Geschlechtsorgane, bestimmt Körperbau und Behaarungstyp, beeinflusst aber auch die Größe des Kehlkopfes und die Aktivität der Talgdrüsen.

 Zu den weiteren Geschlechtshormonen, die die Hoden bilden, gehört auch das Östrogen.

Eierstöcke

In den Eierstöcken werden verschiedene Geschlechtshormone produziert: Östrogene, Gestagene, aber auch die männlichen Geschlechtshormone Adrostendion und Testosteron.

Reifung der Eizelle und Eisprung in den Eierstöcken werden allerdings durch Hormone gesteuert, die in der Hirnanhangsdrüse gebildet werden.

Hirnanhangsdrüse

Die Hirnanhangsdrüse, auch Hypophyse genannt, ist so groß wie eine Kirsche und befindet sich mitten im Kopf auf einem Knochenteil der Schädelbasis. Hier werden unter anderem Hormone gebildet, die die Nebennierenrinde und die Schilddrüse stimulieren. Hormone aus der Hypophyse fördern bei der Frau die Reifung der

Eizellen in den Eierstöcken und lösen den Eisprung aus. Auch das Wachstumshormon wird in der Hirnanhangsdrüse gebildet.

Zirbeldrüse (Epiphyse)

Die winzig kleine Drüse wandelt das am Tag im Gehirn gebildete Glückshormon Serotonin in der Nacht in Melatonin um. Letzteres reguliert nicht nur den Wach-Schlaf-Rhythmus, sondern es sorgt unter anderem auch für die nächtliche „Reparatur“ von Zellschäden. Sinkt der Melatoninspiegel mit nachlassender Tätigkeit der Zirbeldrüse, beschleunigt das den Alterungsprozess, die Anfälligkeit für Erkrankungen steigt.

Bauchspeicheldrüse

Die Bauchspeicheldrüse (Pankreas) produziert täglich zwischen 1,5 und drei Liter Pankreassaft, der wichtige Verdauungsenzyme enthält. Außerdem werden hier die Hormone Glukagon, Somatostatin und Insulin gebildet. Eine zu geringe Produktion des letztgenannten Hormons ist, zusammen mit einem zu geringen Ansprechen der Körperzellen auf das Insulin, die Ursache für den Typ-II-Diabetes, im Volksmund auch Alterszucker genannt.

Thymus

Die hinter dem Brustbein gelegene Thymusdrüse produziert die Hormone Thymosin, Thymopoetin I und II, die für das Heranreifen der T-Lymphozyten wichtig sind. Sie wiederum fördern das Heranreifen von Stammzellen.

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erstellt am 17.Sep.2016 | 07:00 Uhr

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