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Mecklenburg-Vorpommern

27. Juni 2016 | 13:12 Uhr

Energiewende : Streit um Windkrafträder eskaliert

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Kritik und Befürchtungen werden lauter / An vielen Orten bilden sich Aktionsgruppen

Mehrere Jahre galt die Windenergie als wichtigster Baustein für die industrielle Zukunft Mecklenburg-Vorpommerns. Ein wertvoller Beitrag zur Energiewende, für Arbeitsplätze und Milliardenumsätze – endlich hätte der strukturarme Nordosten etwas, mit dem er zu den oft übermächtig erscheinenden Bundesländern im Süden in Konkurrenz treten könnte.

Doch die Euphorie wird von einer derzeit in der Größe nicht abschätzbaren Gruppe von Kritikern nicht geteilt. Deutlicher Ausdruck ist die Gründung des Bündnisses „Freier Horizont“ im November 2014, in dem sich etwa 40 Bürgerinitiativen versammeln. Sie protestieren gegen den ihrer Ansicht nach unkontrollierten Ausbau der Windkraft und sprechen von Horrorlandschaften. Die Aussicht auf Arbeitsplätze und finanzielle Vorteile für das Land und sie selbst sind wenig verlockend, im Vergleich zu dem vermuteten Verlust an Lebensqualität.

Energieminister Christian Pegel (SPD) indes sieht das Land bei der Windenergie in der gleichen Startposition wie andere Bundesländer. „Wir müssen nicht einen jahrzehntealten Vorsprung aufholen.“ Er reist unermüdlich durchs Land, stellt die Pläne vor und verweist auf schwindende Gelder aus Brüssel und Berlin. Nur mit einer starken Industrie seien diese Herausforderungen zu bewältigen. Und er betont, dass die Bürger sich an der Landesraumentwicklungsplanung (LEP) beteiligen können.

Der Vorsitzende von „Freier Horizont“, Norbert Schumacher, zweifelt an der Bereitschaft der Landesregierung, an den Planungen Abstriche zu machen. Er geht davon aus, dass nach Abschluss der Anhörungen Gerichtsprozesse folgen werden. Insbesondere Tourismushochburgen entlang der Ostseeküste fühlen sich bedroht. Denn laut LEP können Windparks bis zu sechs Kilometer vor der Küste gebaut werden.

„Einer der zentralen Wirtschaftszweige ist in ernsthafter und gleichzeitig gut begründeter Sorge“, sagt der Sprecher des Landestourismusverbandes, Tobias Woitendorf. Es fehle das Gefühl der Sicherheit, dass die Ziele des Tourismus und der Windenergie in Einklang gebracht werden können. Der Verband fordert eine umfangreiche wissenschaftliche Begleitung, denn derzeit gebe es nur verschiedene Szenarien und Annahmen. „Wir gehen davon aus, dass die Sorge von der Landesregierung ernst genommen wird.“

Diese Sorge wird mit teils großen Emotionen vorgetragen. „Warum sollen wir uns unsere wunderschöne Ostseeküste verschandeln lassen“, fragte jüngst eine Anwohnerin von Graal-Müritz . „Es gibt keinen ruhigen Punkt mehr in der Ostsee.“ Es sei ein Unterschied, ob irgendwo ein starrer Schornstein steht oder ein Windrad, das ständig in Bewegung ist. „Diese Unruhe macht die Menschen krank“, klagte sie. Der Vorsitzende des Windenergie-Netzwerks MV, An-dree Iffländer, sieht sich bei diesen Ängsten in einer ihm bekannten Verteidigungsposition. „Die Menschen glauben nicht den Prognosen, sie glauben nur ihren Ängsten.“

 

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