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Mecklenburg-Vorpommern

27. August 2016 | 12:01 Uhr

Landwirtschaft : Stirbt die Rosskastanie aus?

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Verfaulen bei lebendigem Stamm: Gefährliches Bakterium erstmals in Mecklenburg-Vorpommern entdeckt

Erst bluten sie, dann werden sie von Pilzen befallen und schließlich geht alles ganz schnell: Einst prächtige Rosskastanien verfaulen binnen weniger Jahre bei lebendigem Stamm. Schuld ist ein Bakterium: Pseudomonas syringae. Der Erreger mit dem sperrigen Namen ist bundesweit auf dem Vormarsch und könnte sich zu einer enormen Gefahr für den Kastanien- Bestand entwickeln. In Nordrhein-Westfalen sind ihm bereits ganze Alleen zum Opfer gefallen. Nun wurde der Keim auch in Mecklenburg-Vorpommern nachgewiesen.

„2013 konnten wir Pseudomonas im Nordwesten unseres Landes erstmals diagnostizieren“, bestätigt Joachim Vietinghoff, Pflanzenschutzexperte vom Landesamt für Landwirtschaft in Rostock, ohne den genauen Ort nennen zu wollen. Weitere Fälle meldet das Amt für Stadtgrün in Rostock. „Wir haben Pseudomonas an zwei einzelnen Bäumen gefunden. Das beobachten wir jetzt“, sagt Steffie Soldan. Im Biosphärenreservat Schaalsee seien sogar ganze Alleen betroffen. „Es gibt Fälle in einer Allee auf der L041 zwischen Drönnewitz und Tessin“, sagt Mario Axel, Wachleiter im Biosphärenreservat Schaalsee, auf Nachfrage unserer Redaktion. „Hier mussten wir schon Bäume fällen.“ Auch Baumreihen entlang der L04 zwischen Zarrentin und Wittenburg sowie an der L01 nahe Thandorf seien infiziert.

Das Landesamt für Landwirtschaft in Rostock kann dies nicht bestätigen. „Uns sind keine Fälle in diesem Bereich bekannt“, so Vietinghoff. „Sollte es sich tatsächlich um Pseudomonas handeln, hätte man uns das melden müssen.“ Der Pflanzenschutzexperte sei bisher von Einzelfällen ausgegangen. Nun wolle das Landesamt die Vorfälle im Schutzgebiet überprüfen.

Gegen Pseudomonas gibt es bislang kein Gegenmittel. Sind Bäume infiziert, müssen sie meist gefällt werden. Nur in seltenen Fällen hat ein Baum genügend eigene Abwehrkraft, um dem Eindringling zu trotzen. „Gegen Pseudomonas ist kein Kraut gewachsen. Sollte sich das Bakterium verbreiten, hat es das Potenzial, die Kastanie aus unserem Stadtbild nahezu verschwinden zu lassen“, warnt Vietinghoff.

Über die Herkunft von Pseudomonas, gibt es keine gesicherten Informationen. Bekannt ist lediglich, dass das Bakterium 2002 erstmals in den Niederlanden festgestellt wurde. Von dort aus ist es Richtung Osten vorgedrungen. Wie sich der Erreger ausdehnt, ist unklar. „Da gibt es schier unendliche Möglichkeiten. Wenn ein Baum nässt, finden sich in den Wunden Insekten. Die können die Bakterien auf andere Bäumen übertragen. Vielleicht sind es auch Vögel. Es reicht aber auch der Wind“, erklärt der Pflanzenschutzexperte.

Um zu verhindern, dass es in MV zu einem massenhaften Kastaniensterben kommt, empfiehlt das Landesamt für Landwirtschaft die regelmäßige Überprüfung der Bäume. „In unserer jährlichen Kontrolle der Bäume schauen wir kritisch, ob es zu einem Befall gekommen ist“, sagt Nonno Schacht, Bereichsleiter Öffentliches Grün in Schwerin. Unter den 16000 Bäumen in der Landeshauptstadt sind 800 Kastanien. Hier sei noch kein Befall gefunden wurden. In Rostock gibt es zwei bestätigte infizierte Bäume, bei mehr als 7000 Kastanien im Stadtgebiet.

Eine umfassende Beobachtung in ganz MV sei nicht möglich, so Vietinghoff. Dafür stehe einfach nicht genug Personal zur Verfügung. Das Landesamt arbeitet eng mit den Straßenbauämtern zusammen. Auch die Hinweise der Kleingärtner, Obstbauern und von Bürgern seien nützlich.

 

Aufgeplatzte Rinde und blutende Wunden

 

Das Bakterium Pseudomonas syringae befällt vorrangig weiß- und rotblühende Kastanien. Krankheitssymptome sind blutende bräulich bis schwarz verfärbte Stellen am Stamm und an den Ästen. Die Rinde platzt auf, Pilze siedeln sich an. Ist die Krankheit bereits fortgeschritten, hellt sich das Laub auf, die Krone wirkt schütter und einzelne Äste sterben ab. Am Ende verfault der ganze Baum.

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