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Mecklenburg-Vorpommern

07. Dezember 2016 | 11:32 Uhr

Ausbildung junger Flüchtlinge in MV : Sprache als Basis für Beruf

vom

Die Sprache zu lernen steht bei jungen Flüchtlingen, die in Deutschland eine Ausbildung machen wollen, an oberster Stelle. Die Wahl fällt dann aber eher auf sogenannte praktische Berufe.

Bei der Ausbildung junger Geflüchteter in Deutschland stehen die Bildungs- und Kompetenzzentren ganz obenan. Die jungen Ausländer könnten in den Zentren eine Berufsorientierung und eine Einstiegsqualifizierung erhalten, sagte der Präsident des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB), Friedrich Hubert Esser, am Rande eines Besuchs in Schwerin. Wichtigste Voraussetzung dafür sei eine ausreichende Kompetenz in der deutschen Sprache. „Deshalb ist es richtig, dass die jungen Menschen zunächst einen intensiven Sprachunterricht erhalten.“ Die Verständigung im Betrieb, in der Berufsschule oder mit dem Kunden sei das Wichtigste, um die Anforderungen einer Berufsausbildung zu bewältigen und am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben.„Wenn man junge Menschen schnell ausbilden will und sie selbst schnell Geld verdienen müssen, dann ist der geeignetste Beruf der, der nicht viel mit Sprache verbunden ist“, gab der Präsident des Bundesinstituts zu bedenken. Er zählte dazu sogenannte praktische Berufe, etwa in der Werkstoffbearbeitung. Bisher hätten sich aber unter den rund 330 in Deutschland eingetragenen Berufen keine von Flüchtlingen besonders bevorzugten Berufe herauskristallisiert.

Der Vorteil des Lernens an Berufsbildungszentren sei, dass dort die Sprache nicht nur im Deutschunterricht vermittelt werde, sondern im Kontext eines Berufes, in Werkstätten, die in der Regel modern ausgestattet seien. Gleichzeitig würden die Flüchtlinge an die realen Abläufe in einem Betrieb herangeführt, würden den Rhythmus eines Arbeitstages erfahren, sich in ein Team integrieren, Arbeitsschutz- und Umweltschutzmodalitäten kennenlernen. Sich einem Arbeitstag unterzuordnen sei für viele nach Flucht und Aufenthalten in Heimen ein großes Problem, sagte Esser. Sehr wichtig sei, dass es gerade Jugendliche über lange Zeit mit demselben Ausbilder zu tun hätten, möglichst auch bei Betriebspraktika. So könne Vertrauen auf beiden Seiten entstehen, Berührungsängste könnten abgebaut werden.

Jugendliche aus einem anderen Kulturkreis als Auszubildende einzustellen sei für einen Arbeitgeber in der Regel viel schwieriger als den Ausbildungsplatz an einen Deutschen zu vergeben, gab Esser zu. Dennoch müssten die Migranten ausgebildet werden: „Viele der Geflüchteten wollen eine Bleibeperspektive für immer.“ Auch kämen gerade aus Syrien junge Menschen mit höherer Schulbildung oder sogar einem Studium, die einen hohen Anspruch an die Ausbildung hätten.

Generell gelte: „Wir müssen bei der Ausbildung individueller werden.“

Alles rund um die aktuelle Flüchtlingsdebatte lesen Sie in unserem Dossier.

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erstellt am 06.Nov.2016 | 20:45 Uhr

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