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Mecklenburg-Vorpommern

25. Mai 2016 | 05:15 Uhr

Neugeborenen-Screening : Spezial-Test für Babys geht weiter

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Krankenkassen im Land einigen sich auf Weiterfinanzierung des bundesweit einmaligen Neugeborenen-Screenings auf Mukoviszidose

Das bundesweit einmalige Mukoviszidose-Screening für alle Neugeborenen in Mecklenburg-Vorpommern wird fortgesetzt. Ursprünglich war es als deutsch-polnisches EU-Modellprojekt konzipiert und sollte zum 30. Juni auslaufen. Die Krankenkassen im Land haben sich nun aber grundsätzlich darauf verständigt, es für eine Übergangszeit weiter zu finanzieren. Ab Herbst, so ihre Hoffnung, soll der Gemeinsame Bundesausschuss die Früherkennungsuntersuchung dann in den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung aufnehmen.

„Die Ersatzkassen werden das Mukoviszidose-Screenings für Neugeborene weiter fördern, da es ermöglicht, etwaige Erkrankungen bereits frühzeitig zu erkennen und so Chancen eröffnet, die Lebensqualität der betroffenen Kinder erheblich zu verbessern“, betont Dr. Bernd Grübler, der Sprecher des Kassenverbandes vdek. Pro Kind fielen für die Untersuchung Kosten von etwa acht Euro an, bei rund 12 500 Neugeborenen im Jahr hier im Land beliefe sich der Aufwand also auf 100 000 Euro.

Mukoviszidose gehört zu den am häufigsten vererbten angeborenen Stoffwechselerkrankungen, so Dr. Sebastian Schmidt vom Überregionalen Mukoviszidosezentrum Mecklenburg-Vorpommern in Greifswald. Bei Betroffenen verstopft zäher Schleim vor allem die Lunge, aber auch die Gallenwege und die Bauchspeicheldrüse. Dadurch kommt es zu Entzündungen, Infektionen und schlimmstenfalls zum Ausfall von Organen.

Eines von 3500 bis 4000 Babys in Deutschland kommt mit der unheilbaren Krankheit zur Welt. Auch wenn sie nicht geheilt werden kann, so lässt sich ihr Verlauf doch mildern, wenn bereits möglichst früh, am besten unmittelbar nach der Geburt, mit der Behandlung begonnen wird, betont Dr. Schmidt. Momentan aber werden in Deutschland nur etwa 15 Prozent aller Neugeborenen auf die Erkrankung hin untersucht. Wird Mukoviszidose jedoch erst später festgestellt, leiden die Kinder oft schon unter ausgeprägten Komplikationen wie Untergewicht oder Lungenschädigungen. In anderen EU-Ländern ist eine Früherkennungsuntersuchung bei Neugeborenen deshalb längst Standard.

Die Untersuchung selbst ist für die Babys mit keiner zusätzlichen Belastung verbunden, versichert Dr. Schmidt: „Für das Screening wird die gleiche Blutprobe verwendet, die dem Neugeborenen ohnehin kurz nach der Geburt entnommen wird.“ Im Labor an der Greifswalder Universitätsmedizin werde dann in allen im Land entnommenen Proben nach bestimmten Eiweißen gesucht, die auf Mukoviszidose hinweisen. Seien diese nachweisbar, würden die Eltern informiert und gebeten, sich zur endgültigen Klärung durch einen Schweißtest an eine der Mukoviszidose-Ambulanzen in Rostock, Schwerin, Greifswald oder Neubrandenburg zu wenden. „Nur in einem von sieben Verdachtsfällen bestätigt der Schweißtest den Verdacht“, so der Mediziner.

Im Land wurden nach Angaben des Sozialministeriums 99,9 Prozent aller Neugeborenen durch das im Oktober 2013 eingeführte Screening erfasst. Seitdem ist nach Angaben des Greifswalder Kinderarztes Schmidt bei zwei Babys Mukoviszidose diagnostiziert worden. Sie werden jetzt mit Inhalationen und verdauungsfördernden Enzymen behandelt.

 

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erstellt am 07.Jul.2014 | 08:00 Uhr

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