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Mecklenburg-Vorpommern

25. September 2016 | 21:06 Uhr

Greifswald : Sperrwerk mit Herzstück

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Mega-Küstenschutzvorhaben in Greifswald: Drehsegment in Bauwerk montiert

Der Bau des Sperrwerks in Greifswald ist einen entscheidenden Schritt weiter gekommen. Am Samstag wurde an der Mündung des Flusses Ryck mit einem Spezialkran das 110 Tonnen schwere und 21 Meter lange Drehsegment – Herzstück des Küstenschutzbauwerks – eingesetzt. Technische Probleme hatten die Fertigstellung des derzeit größten Küstenschutzvorhabens in Mecklenburg-Vorpommern mehrfach verzögert. Es soll nach den Worten von Minister Till Backhaus (SPD) im Sommer 2015 in Betrieb genommen werden.

Das Sperrwerk, das dem Themse-Sperrwerk von England nachempfunden ist, gilt als technische Meisterleistung. „Das ist ein Produkt höchster Ingenieurskunst“, sagte Backhaus. Innernhalb einer halben Stunde war das auf Milimeter passgenaue 110 Tonnen schwere Drehsegment abgesenkt worden. Gelagert zwischen zwei im Wasser stehenden Pfeilern wird es bei einer Sturmflut nach oben geklappt.

Bauleiter Walter Cihar von der Firma Lahmeyer Hydroprojekt zeigte sich erleichtert nach dem gelungenen Einhub. „Das war perfekt.“  Greifswald gilt wegen seiner Lage als am stärksten durch Nordost-Sturmfluten gefährdete Stadt mit dem größten Schadenspotenzial. Bei einem Hochwasser, das mehr als 23 Zentimeter über dem jemals gemessenen stärksten Hochwasser von 1872 liegt, würde Schätzungen zufolge ein Schaden von 350 Millionen Euro entstehen. „12 500 Menschen können durch das Sperrwerk geschützt werden“, sagte Backhaus. Die Sturmflut im Jahr 1872, die an der gesamten Ostseeküste enorme Schäden verursachte, forderte allein in Greifswald neun Todesopfer.

Parallel zum Sperrwerk entsteht bis 2016 ein umfangreiches, 2,3 Kilometer langes Deichsystem, da der Altdeich nicht mehr den Sicherheitsanforderungen entspricht. Die Kosten für das gesamte Vorhaben belaufen sich auf knapp 28 Millionen Euro und hatten sich wegen der Bauverzögerungen erhöht.

„Jede Sturmflut, die Menschenleben vernichten würde, stellt die Frage nach den Kosten nicht“, sagte Backhaus. Seit 1962 habe es Pläne für den Bau eines effektiven Küstenschutzes in Greifswald gegeben. Jetzt würden sie endlich umgesetzt, betonte der Minister.

Das dominante Bauwerk war zunächst in Greifswald umstritten. Anfang der 2000er Jahre gab es Diskussionen um das Aussehen des Sperrwerks im bei Touristen beliebten Greifswalder Ortsteil-Wieck. Dann wurden keine geeigneten Ausgleichsflächen für den Eingriff in die Natur gefunden. Die erste Bauausschreibung musste das Staatliche Amt für Landwirtschaft und Umwelt wegen der Klage einer Baufirma neu aufrollen. Schließlich sorgten technische Probleme beim Bau für Verzögerungen. Ursprünglich sollte das Sperrwerk 2013 in Betrieb gehen.

 

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