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Mecklenburg-Vorpommern

03. Dezember 2016 | 22:53 Uhr

Grenzkontrollen : Spediteure hart getroffen

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Warenverkehr durch Grenzkontrollen behindert. Wartezeiten führen zu Verlusten

So geschmeidig wie früher läuft es an der Grenze zwischen Deutschland und den benachbarten Ländern Dänemark und Schweden längst nicht mehr. Die Lkw-Fahrer stehen vor dem Grenzübertritt beziehungsweise dem Verlassen der Fähren derzeit im Stau. Verantwortlich dafür sind die im Herbst wieder eingeführten Grenzkontrollen, nachdem Hunderttausende Flüchtlinge auf der Balkan-Route nach Deutschland gekommen waren. Viele von ihnen reisten per Schiff nach Schweden weiter.

In Süddeutschland bei Passau an der deutsch-österreichischen Grenze warten die Kraftfahrer bis zu einer Stunde auf ihre Weiterfahrt. Noch ist das für Hersteller und Spediteure verkraftbar.

„Momentan sind keine Termine in Gefahr. Sind die Strecken aber zu Ostern stark frequentiert, könnte es Probleme geben“, sagt Martin Maag, Vertriebsleiter der Spedition Schenker in Güstrow. Seine Fahrer und ihre Fracht pendeln regelmäßig zwischen Rostock und Gedser beziehungsweise überqueren die Öresundbrücke. Würden die Lastwagen in Zukunft jedoch konsequenter überprüft und die Kontrollen weiter andauern, wären die Folgen für die Transportbranche gravierend.

„Ein oder zwei Stunden Verzögerung klingen nicht schlimm, daraus können wegen der Einhaltung der Lenkzeit schnell jedoch zwölf Stunden werden“, sagt Joachim Scharff, Vizepräsident des Landesverbandes des Verkehrsgewerbes Mecklenburg-Vorpommern. Die Folge wäre ein sprunghafter Anstieg der Fixkosten für die Spediteure und ein dadurch bedingter Umsatz- und Leistungsverlust. Transportgewerbe und Industrie warnen deshalb vor umfassenden Kontrollen mit dem Ziel, Flüchtlinge vom Grenzübertritt abzuhalten.

„Auf lange Wartezeiten ist die Logistik in MV nicht eingestellt. Das Land ist geprägt von kleinen und mittelständischen Speditionen, die ohne große Personaldecke und Rücklagen in ihrer Existenz bedroht werden könnten“, sagt Scharff. Während sich Dänemark bisher auf Zufallskontrollen beschränkt und den Rückstau selbst reguliert, kontrolliert Schweden jeden Lkw beim Verlassen der Fähre.

Weil auch die Personalien der Flüchtlinge an Bord der Fähren festgestellt werden müssen, ergeben sich weitere Verzögerungen. Meist können die Lkw erst weiter fahren, wenn Abfertigung und die Personenkontrolle erledigt sind.

Von zeitlichen Einbußen wären besonders die Automobil- und Maschinenbauer betroffen, die oft auf eine präzise Anlieferung von Teilen (just in time ) angewiesen sind. So sollen die Produktionslager stetig aufgefüllt werden.

„Es gibt Pufferzonen, die sind aber endlich. Blockiert das System wie im Falle des Rückstaus, drohen im schlimmsten Fall sogar die Bänder stillzustehen“, sagt Joachim Scharff.

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erstellt am 30.Jan.2016 | 07:25 Uhr

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