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Mecklenburg-Vorpommern

04. Dezember 2016 | 23:20 Uhr

US-Wahlen : So wählt Klein Amerika in MV

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Clinton oder Trump? Im Brüsewitzer Ortsteil siegt die Demokratin

Morgen wird es ernst in Amerika. Clinton oder Trump – das ist die alles entscheidende Frage. 6525,36 Kilometer trennen das kleine vom großen Amerika. So viele Kilometer liegen nämlich zwischen dem Weißen Haus in Washington D.C und dem Dorf Klein Amerika in der Gemeinde Brüsewitz. Trennt beide nur der Atlantische Ozean? Von Wahlkampf ist in Klein Amerika nichts zu erkennen. Lediglich in einem Garten weht eine Flagge an einem hohen Mast. Ein dunkelblaues Skandinavisches Kreuz mit weißer Kontur auf rotem Grund – die Norwegische Flagge. Auch sonst sind weder Sterne noch Streifen zu sehen. Nur ein paar Überbleibsel von Halloween. Und im Inneren? Für wen schlägt das Klein Amerikanische Herz?

„Also wenn ich mitreden dürfte, würde Hillary Clinton meine Stimme bekommen“, sagt Eckehard Ribbeck. Seit 46 Jahren ist er Klein Amerikaner, hat auch schon mehrere Wahlkämpfe im großen Amerika verfolgt. Aber so schwer wie dieses Mal sei es noch nie gewesen. „Natürlich ist meine Meinung bei dieser Wahl nicht wirklich gefragt. Aber es sollte jedem klar sein, dass wir immer noch von Amerika abhängig sind“, sagt der Tiermediziner. Seine Frau Elke ist unentschlossen: „Man hört ständig so viele Dinge, es kommen immer neue Skandale ans Licht. Ich bin wirklich froh, dass ich es nicht entscheiden muss.“ Auf der anderen Straßenseite ist die Stimmung ähnlich. Hans Ziesche würde ebenfalls Hillary Clinton seine Stimme geben. Auch seine Frau würde das tun. Zuhause ist sie an diesem Tag nicht. „Wir haben mehrfach drüber gesprochen und nach mehreren Jahrzehnten Ehe gibt es kein Wahlgeheimnis mehr“, sagt der Rentner und lacht. Ihre Wahl sei allerdings „mit Vorbehalt“, betont Hans Ziesche.

Würde in Klein Amerika gewählt und läge die Wahlbeteiligung bei nur zehn Prozent, dann hätte Hillary Clinton den Sieg sicher. Denn 14 Einwohner entschieden sich bei einer spontanen Umfrage unserer Zeitung für die Kandidatin und nur ein Bürger hätte Donald Trump gewählt. „Aber auch nur, um den Amerikanern einen Denkzettel zu verpassen. Sie sollen merken, wie dumm das alles ist. Vielleicht wachen sie auf“, so seine stille Hoffnung. Fünf Klein Amerikaner konnten sich nicht entscheiden oder wollten keinen der beiden Kandidaten.

Hundertprozentige Übereinstimmung gab es jedoch bei der Frage, ob Donald Trump bei einer Wahlniederlage Asyl in Klein Amerika bekommen würde: Nein. „Der hat aber so viel Geld, er würde Klein Amerika kaufen und gar nicht um Asyl bitten“, meinte ein Anwohner. Beim Einwand von Bürgermeister Manfred Dutz, die Gemeinde hätte Vorkaufsrecht, winkte er ab: „Der kauft die ganze Gemeinde mit samt Bürgermeister.“ Manfred Dutz nahm es mit Humor.

Ursprünglich stammt der Name Klein Amerika übrigens von einer Ackerschlagbezeichnung. Früher mussten die Einwohner der Gemeinde zu diesem Ackerstück weit laufen. „Sie meinten, es sei so weit entfernt wie bis nach Amerika“, erzählt der Bürgermeister. Der Name ist geblieben.

Anfang der 1990er-Jahre kamen viele neue Häuser hinzu. Ursprünglich waren es zwischen 10 und 15 – jetzt sind es um die 200 Bürger, die in Klein Amerika wohnen. Und die meisten nutzen die Bezeichnung, die augenscheinlich auf keinem Schild im Ort, aber dafür auf zahlreichen Landkarten vermerkt ist, gern. Ob sie sich als Amerikaner fühlen? Viele sagen ganz klar: „Ja, aber Klein Amerikaner.“

 

 

 

 

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erstellt am 07.Nov.2016 | 11:45 Uhr

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