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Mecklenburg-Vorpommern

07. Dezember 2016 | 15:25 Uhr

Prozess um Erbbetrug : „Sie lügen hier das Blaue vom Himmel herab“

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Ein Versicherungsmakler aus Schwerin soll mehrere Cousins und Cousinen um ihren Erb-Anteil gebracht haben.

Es kommt selten vor, dass es in einem Amtsgericht so ähnlich zugeht wie in einer nachmittäglichen TV-Gerichtsshow. In Schwerin nahmen ein Richter und ein Staatsanwalt nun allerdings einen Angeklagten fernsehreif in die Mangel. Der Anlass für den Prozess vor dem Amtsgericht wurde einem Klassiker unter den Sinnsprüchen gerecht, wonach beim Geld die Freundschaft aufhört. Im Falle des 62-jährigen Angeklagten war es eine Erbschaft. Laut Anklage hat der Versicherungsmakler aus Schwerin mehrere Cousins und Cousinen um ihren Anteil gebracht.

Als vor vier Jahren seine 85 Jahre alte Tante starb, übertrugen die Verwandten dem Angeklagten vertrauensvoll die Aufgabe, den Nachlass zu verwalten und aufzuteilen. Die Hälfte der 72 000 Euro der Verstorbenen stand sowieso seiner Mutter, der Schwester der Toten, zu. Statt seinen vier Verwandten ihren jeweiligen Anteil zu überweisen, parkte er die gesamte Summe erst einmal auf dem Konto seiner Ehefrau. Dann hob er die Hälfte in bar ab und behielt es bei sich zu Hause. Als die Cousins und Cousinen immer wieder nach ihrem Geld fragten, hielt er sie hin und behauptete irgendwann, bei ihm sei eingebrochen worden. Leider hätten die Diebe auch das geerbte Geld mitgehen lassen. Eine Hausratsversicherung, die für den Schaden hätte einstehen können, habe er auch nicht abgeschlossen. Die zweite Hälfte der Erbschaft will er seiner Mutter gegeben haben, die inzwischen leider auch gestorben sei.

Inzwischen gab der Angeklagte auch eine eidesstattliche Erklärung ab, dass er pleite sei und bei ihm nichts zu holen sei. Die Cousins und Cousinen hatten „die Schnauze voll“ und zeigten ihn wegen Untreue an.

Vor Gericht kam der 62-Jährige kaum zu Wort. „Sie lügen hier das Blaue vom Himmel herab“, sagte der Staatsanwalt und warf dem Angeklagten vor: „Sie Witzbold, Sie sind ein professioneller Betrüger!“ Es sei ihm in all seinen Berufsjahren noch niemand untergekommen, der ein Gericht „so veräppeln will, wie Sie“.

Auch Richter Rainer Schmachtel fand die Geschichte des Angeklagten abenteuerlich. „Sie haben das Erbe verjuxt und denken sich Ausreden aus.“ Weil der Angeklagte uneinsichtig sei und keinerlei schlechtes Gewissen zeige, verurteilte Schmachtel ihn zu zehn Monaten Gefängnis. Die Strafe setzte er allerdings für zwei Jahre zur Bewährung aus. Die Verwandten bekommen dadurch allerdings vorläufig auch nicht zu ihrem Geld. Es sei denn, der Angeklagte hat noch irgendwo ein gut gefülltes Konto.

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erstellt am 21.Okt.2016 | 21:00 Uhr

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