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Heringstage in Wismar beginnen : „Seeadler“ mit kleinem Fang

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Immer mehr Profis hängen die Netze an den Nagel, weil das „Silber des Meeres“ sie nicht mehr ernährt

Langsam tuckert der „Seeadler“ aus dem nächtlichen Hafen von Wismar. Der 23 Jahre alte, über acht Meter lange Kutter gehört zu den letzten Booten, die in der Hansestadt täglich zum Fischefangen auf die Ostsee hinausfahren. Fischer Martin Saager legte am Vorabend drei Stellnetze aus. Nun hofft er auf möglichst viele fette Heringe.

Mit dem Anlanden fangfrischer Heringe und dem traditionellen Umzug der Köche beginnen am Sonnabend die 15. Wismarer Heringstage. Fischer, Händler und rund ein Dutzend Gastronomen bieten 16 Tage lang „Hering satt“. Kein anderer Fisch hatte jemals eine solche wirtschaftliche Bedeutung für die Stadt: Schon im 11. Jahrhundert segelten die Fischer zur schwedischen Südwestküste, um dort Heringe zu fangen, sie mit Salz zu konservieren und in ganz Europa zu verkaufen.

Doch die Feierlaune der Kutterfischer rund um die Wismarbucht ist getrübt. Immer mehr Betriebe geben die traditionelle Fischerei mit dem Stellnetz auf. In der Fischereigenossenschaft Wismarbucht ging die Zahl der aktiven Berufsfischer seit 1993 von 89 auf 14 zurück, wie Geschäftsführerin Ilona Schreiber sagt. Zwar wurde die Heringsquote für die Kutter- und Küstenfischerei in Mecklenburg-Vorpommern 2016 und 2017 wieder erhöht. „Unser Brotfisch aber ist der Dorsch, allein vom Hering können die Fischer nicht leben“, betont Schreiber.

Das „Silber des Meeres“: der Hering
Das „Silber des Meeres“: der Hering
 

Dank der höheren Heringsquote stieg die Fangmenge laut Agrarministerium voriges Jahr landesweit auf rund 12 800 Tonnen Ostseehering. Für 2017 habe die EU eine achtprozentige Quotenerhöhung festgelegt. Zu spät für viele Betriebe, weil die Kosten steigen und Einnahmen fehlen, wie auch Wismars Fischer einschätzen. Und: EU-Fördermittel kämen gerade bei kleinen Familienbetrieben nicht an, weil sie die nötigen Eigenanteile für staatliche Hilfsgelder nicht aufbringen könnten.

Wenn sich nichts ändere, gebe es in Wismar bald keinen frischen Fisch mehr direkt vom Kutter, befürchtet Schreiber. „Dann ist das das Aus für die Kutter- und Küstenfischer in der Region.“ Im Gegensatz zu Vorpommern, wo jedes Frühjahr rund um Rügen Tausende Tonnen Hering gefangen werden, ist der auch als „Silber des Meeres“ bekannte Fisch in Mecklenburg nur noch Zubrot.

Die Fischer an der Wismarbucht verdienen vor allem mit Dorschen und Flundern ihr Geld, für die aber strenge, drastisch gesunkene Fangquoten der EU gelten. 2017 gilt eine um 56 Prozent reduzierte Dorschquote in der westlichen Ostsee, auf Mecklenburg-Vorpommern insgesamt entfällt eine Fangmenge von nur noch 361 Tonnen.

Fischer Saager und sein „Seeadler“ dürfen in diesem Jahr alles in allem vier Tonnen Dorsch anlanden. Am 1. April beginnt offiziell die Fangzeit.

>> Alle Informationen rund um die Herngstage in Wismar lesen Sie hier.

 

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erstellt am 17.Mär.2017 | 20:45 Uhr

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