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Mecklenburg-Vorpommern

28. September 2016 | 22:30 Uhr

Beratungsstellen in MV : Schwangere in Not allein gelassen?

vom
Aus der Onlineredaktion

Träger fürchten um Fortbestand von Beratungsstellen

Aufregung unter den Trägern der 39 Schwangerschaftsberatungsstellen im Land: Bis Ende Oktober sollen sie in einem Interessenbekundungsverfahren erklären, ob sie von 2017 an weiter Beratungen für Schwangere in Not anbieten wollen. Dieselbe Frist gilt auch für alle, die sich erstmals um eine Beratungsstelle bewerben wollen. Bekannt wurde dieser Termin erst vor einer Woche – „ein Husarenstreich“, empört sich die Geschäftsführerin des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes in Mecklenburg-Vorpommern, Christina Hömke, die sich, wie auch Vertreter anderer Sozialverbände, durch die kurze Fristsetzung überrumpelt fühlt.

Noch in diesem Monat will Sozialministerin Birgit Hesse (SPD) im Einvernehmen mit dem Finanzministerium eine Verordnung in Kraft setzen, die das Verfahren und die Bemessung der Förderung der Beratungsstellen nach dem Schwangerschaftskonfliktgesetz regelt. Dieses war zum 1. August novelliert worden – auch das hatte bereits unter den Trägern für großen Unmut gesorgt. So hatte der Vorsitzende der Liga der Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege, Martin Scriba, kritisiert, es sei weder nachvollziehbar noch akzeptabel, dass das Land die Beratungsstellen nur anteilig finanziere, obwohl es sich bei der Schwangerenberatung um eine Pflichtaufgabe des Landes handele. Kritik gab und gibt es auch am Begriff der Wohnortnähe für ein Beratungsangebot: Mit öffentlichen Verkehrsmitteln muss man binnen eines Tages zur Beratung und wieder zurückkommen – das soll auch ein Kriterium für die Vergabe künftiger Beratungskapazitäten sein. Den Gegebenheiten im Land angemessen ist es nicht.

Der Paritätische fürchtet, dass die gesamte Schwangerenberatung „im Grunde auf Null gesetzt“ und ab 1. Januar 2017 „unter nicht transparenten Bedingungen neu vergeben“ werden soll. Etablierte Träger, zu denen auch Awo, DRK, Diakonie oder Caritas gehören, würden also quasi in der Luft hängen, sie wüssten nicht, ob sie ihre bisherigen Büros und Mitarbeiter auch im neuen Jahr noch benötigen. Wollten sie die gesetzlichen Fristen dafür einhalten, hätten sie zum Teil jetzt schon kündigen müssen. Erst bis zum 30. November soll aber seitens des Landes über die künftigen Träger der Beratungsstellen entschieden werden.

Auch ein gestern im Sozialministerium anberaumtes Informationsgespräch konnte den Trägern ihre Sorgen nicht nehmen. Es habe sich lediglich herauskristallisiert, dass es über das ganze Land gerechnet in den Beratungsstellen einen leichten Überhang von insgesamt vier Vollzeitstellen gibt, so Hömke. Nur in den Landkreisen Rostock und Nordwestmecklenburg seien schon jetzt zu wenig Berater im Einsatz. „Wir fordern einen einjährigen Vertrauensschutz für alle Stellen, die sich jetzt als Überhang herausgestellt haben“, betont Hömke. Noch könne man die Verordnung entsprechend ändern.

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erstellt am 20.Sep.2016 | 05:00 Uhr

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