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Mecklenburg-Vorpommern

05. Dezember 2016 | 05:29 Uhr

Gerichtsbericht : Schulkameradin der eigenen Tochter missbraucht

vom
Aus der Onlineredaktion

Er schäme sich „für diese Taten, die ich durchgeführt habe“. Und er wolle sich für „diese Tätigkeiten“ bei seinem Opfer und dessen Eltern entschuldigen, sagte ein 42-jähriger Angeklagter gestern vor dem Landgericht Schwerin. Seine distanzierte Wortwahl ließ vermuten, dass es ihm trotz aller Einsicht enorm peinlich war, über „diese Taten“ offen zu sprechen. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm zehnfachen sexuellen Missbrauch eines Mädchens vor. Der Angeklagte räumte die Vorwürfe ohne Abstriche ein.

Das Mädchen war dreizehn Jahre alt, als Rico M. (Name geändert) es missbraucht hat. Er kannte es seit Jahren als Klassen- und Spielgefährtin einer seiner beiden Töchter, denn beide Familien wohnten im selben Haus. Auch als M. mit seiner Familie aus Schwerin aufs Dorf zog, kam das frühere Nachbarsmädchen häufig zu Besuch und blieb manchmal über Nacht. Es war auch immer wieder einmal dabei, wenn M´s Töchter bei ihren Großeltern waren. Rico M. gab dem Mädchen sogar manchmal Nachhilfe.

Er habe viel mit den Kindern gespielt und herumgetollt, berichtete M. vor Gericht. Handschriftlich hatte er sich Notizen gemacht, an denen er sich stockend orientierte. Er habe mit seinen Töchtern, aber auch mit dem Nachbarskind, manchmal „ganz normal“ herumgeknuddelt auf der Couch im Wohnzimmer. Irgendwann, „warum auch immer“, habe er seine „Sorgfalt“ nicht mehr walten lassen. Über mehrere Monate hinweg habe er dem Mädchen bei verschiedenen Gelegenheiten an die Brust oder an die Genitalien gefasst. Einmal geschah dies, als seine Frau mit den eigenen Töchtern den Zoo besuchten. Ein anderes Mal ließ er sich von der Dreizehnjährigen mit der Hand befriedigen.

Das alles ist jetzt zwei Jahre her. Das missbrauchte Mädchen hat inzwischen mehrere Klinikaufenthalte und bis vor kurzem mehrere Monate in einer therapeutischen Wohngruppe in Berlin hinter sich. Sie hatte Angst, in Schwerin Rico M. zu begegnen, berichtete ihre Mutter als Zeugin vor Gericht. Auch der Vater berichtete, seine Tochter habe schon länger an Ess-Störungen gelitten. Sie machten unter anderem den Leistungsdruck an der Schule dafür verantwortlich. Als die Eltern durch eine Lehrerin von Selbstmord-Absichten ihrer Tochter erfuhren, brachten sie sie im Sommer 2014 erneut in eine Klinik. Das Mädchen hatte bereits einen Abschiedsbrief an ihre Eltern bei einer Schulfreundin hinterlegt. Eine Ärztin schaffte es dann offenbar, dem Mädchen den wichtigsten Grund für seine Verzweiflung zu entlocken: die Übergriffe von Rico M. Erst als die Polizei ihn zum ersten Mal vernahm, sei ihm klar geworden, was er gemacht habe, so der Angeklagte.

Rico M. lebt inzwischen in einer anderen Stadt. Seine Frau hat ihn mit den Kindern verlassen. Da er an die Eltern des Mädchens bereits 10 000 Euro Schmerzensgeld gezahlt hat und durch sein Geständnis dem missbrauchten Kind eine Aussage vor Gericht ersparte, kann er mit einer Strafe von höchstens zwei Jahren und drei Monaten Haft rechnen. Darauf einigten sich Richter, Staatsanwaltschaft, Verteidiger und die Rechtsanwältin der Eltern.

Das Urteil soll am Montag verkündet werden.

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erstellt am 04.Okt.2016 | 21:00 Uhr

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