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Mecklenburg-Vorpommern

10. Dezember 2016 | 00:11 Uhr

Provinzposse oder modern? : Schräge Idee soll Raser ausbremsen

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Kleine Gemeinde in Westmecklenburg setzt auf Psychotricks, doch Experten zweifeln

Provinzposse oder moderne Wege im Kampf gegen Raser? Mit psychologischen Tricks will die kleine Gemeinde Thandorf gegen Geschwindigkeitsüberschreitungen vorgehen. Als vermutlich erste Kommune in Westmecklenburg will der Ort weißlackierte, zwischen 1,60 Meter und 2,50 Meter hohe Schräggatter an den Ortseingängen neben der Straße errichten lassen. Doch lassen sich damit Raser austricksen? „Die Gatter lösen erwiesenermaßen durch die optischen Verengungen einen emotionalen Moment aus. Durch den ,Fuß-vom-Gas-Reflex‘ wird in der Regel die gewünschte Geschwindigkeit von weniger als 50 km/h erreicht“, sagt Thandorfs Bürgermeister Wolfgang Reetz. Gute Erfahrungen mit solchen Schräggattern hätten bereits Kommunen im benachbarten Kreis Herzogtum Lauenburg gemacht.

Nun ist der Landkreis Nordwestmecklenburg am Zug. Denn der muss das Schräggatter an der Kreisstraße genehmigen.

Doch es gibt auch Zweifel. „Diese Art von Gattern sind bei uns nicht bekannt“, sagte ein Sprecher des ADAC verwundert. Richtig sei allerdings, dass generell mit optischen Eindrücken wie Straßenverengungen Einfluss auf die gefahrene Geschwindigkeit genommen werden kann. Ob sich aber Raser tatsächlich von Gattern täuschen lassen, ließ der ADAC offen. Auch bei der Landesverkehrswacht Schulterzucken zur Sinnhaftigkeit von Schräggattern im fließenden Verkehr. „Uns liegen keine Erkenntnisse vor“, sagte deren Sprecher Bernd Fritsch.

Der renommierte Verkehrsexperte Siegfried Brockmann, von der Unfallforschung der Versicherer in Berlin hat sogar Zweifel, ob das Aufstellen überhaupt erlaubt ist. Grund: „Die Gatter könnten eine zusätzliche Gefahrenquelle darstellen, wenn sie direkt an der Fahrbahn stehen“, sagte Brockmann. Motorradfahrer etwa müssten mit schweren Verletzungen rechnen, wenn sie ausgerechnet an dieser Stelle ins Schleudern kommen und gegen ein Gatter prallen. Das Schweriner Verkehrsministerium kurz und knapp: „Nach unserer Kenntnis ist die positive Wirkung solcher straßenbaulicher Maßnahmen nicht eindeutig nachgewiesen.“  

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erstellt am 30.Sep.2016 | 06:25 Uhr

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