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Mecklenburg-Vorpommern

27. September 2016 | 00:27 Uhr

Ab 2015 neue Regelungen : Schneller zum Facharzt

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Privatpatienten nicht mehr bevorzugt? Gesundheitsminister kündigt für 2015 neue Regelungen an – mit Termingarantie/ Mediziner wehren sich gegen „Dirigismus“

Auch wenn Mediziner und ihre Verbände murren: Schwarz-Rot lässt nicht locker. Patienten sollen schneller Termine beim Facharzt erhalten. Endlich nicht mehr vertröstet werden? „Wir werden noch in diesem Jahr den Entwurf eines Gesetzes vorlegen, in dem auch die Termingarantie geregelt wird“, kündigte Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) gestern an. Ab 2015 sollen die Regelungen gelten.

Nach Informationen unserer Redaktion will die Koalition, dass die Kassenärztlichen Vereinigungen regionale Servicestellen einrichten, bei denen Patienten Facharzttermine erhalten können. Verstreicht die geplante Frist von vier Wochen, hätten Krankenversicherte das Recht, sich ambulant vom Facharzt im Krankhaus behandeln zu lassen – auf Kosten der Kassenärztlichen Vereinigungen.

Die Gesetzespläne gehen auf Vereinbarungen im Koalitionsvertrag zurück. Hintergrund sind Studien, die belegen, dass gesetzlich Versicherte in der Regel fünf Wochen auf einen Facharzt-Termin warten müssen, Privatpatienten dagegen nur etwa zweieinhalb Wochen. Ärzteverbände und Selbstverwaltung weisen den Vorwurf zurück, Privatpatienten würden bevorzugt, und warnen vor Dirigismus. Es gehe bei den Wartezeiten allerdings nicht um ein bundesweites Phänomen, 80 Prozent der Versicherten hätten keine Probleme mit überlangen Wartezeiten, argumentierte Andreas Gassen, Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), kürzlich. „Die Praxen in Deutschland sind voll“, räumt allerdings auch Gassen ein und verweist auf die häufigen Arztbesuche: „Jeder Bürger sucht im Durchschnitt 17-mal im Jahr einen Arzt auf. Mit diesem Wert liegen wir weltweit an der Spitze.“

Die Krankenkassen halten dagegen und sehen die Verantwortung für überlange Wartezeiten bei den Medizinern. Bei niedergelassenen Fachärzten würden nur „überschaubare Sprechzeiten“ angeboten. „Es kann nicht sein, dass die gesetzlich Versicherten den Löwenanteil aller medizinischen Leistungen finanzieren und gleichzeitig am längsten warten müssen“, hieß es zuletzt beim Spitzenverband der Gesetzlichen Krankversicherung.

Auch SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach sieht die Ärzte als Verursacher der Misere. Deutschland habe zwar die höchste Facharztdichte in Europa, doch würden viele Fachmediziner die Öffnungszeiten ihrer Praxen begrenzen und seien nur noch an dreieinhalb Tagen je Woche für ihre Patienten da. Nach der Sommerpause will Gröhe seine Pläne konkretisieren. Geplant ist ein Versorgungsgesetz, unter anderem mit der Termingarantie und neuen Anreizen für Ärzte, sich in unterversorgten Gebieten fernab der großen Ballungsräume niederzulassen. Erste Eckpunkte hat Gröhe den Koalitionsfraktionen vorgelegt. Positiv sei, dass sich allein durch die Diskussion um die Termingarantie viel bewege, sagt er: In einigen Regionen gebe e Zusammenarbeit in Ärzte-Netzwerken. Schon jetzt vermitteln einige Krankenkassen über ihre Internet-Angebote Facharzt-Termine.




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