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Mecklenburg-Vorpommern

09. Dezember 2016 | 14:36 Uhr

Vogelgrippe : Schluss mit Ausnahmen

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Galgenfrist vorbei: Behörden kontrollieren Stallpflicht strenger

Die Frist für säumige Geflügelhalter bei der Umsetzung der Stallpflicht wegen der Vogelgrippe ist vorbei. Von nun an drohen Strafen, wenn sich Hühner, Enten, Gänse oder Puten noch im Freien tummeln, ergab eine Umfrage bei den Behörden. Zwei neue Fälle von Vogelgrippe auf kleinen Höfen scheinen die Notwendigkeit der Maßnahme zu untermauern. „Nie zuvor hat sich das Virus so schnell über die gesamte Bundesrepublik ausgebreitet“, sagte Landesagrar- und -umweltminister Till Backhaus (SPD).

In Mecklenburg-Vorpommern sind nun drei Geflügelbestände mit insgesamt 149 Tieren von der Vogelgrippe betroffen. Nach einer kleinen Geflügelhaltung in Mesekenhagen wurde bei einem Bestand in Glöwitz bei Barth und gestern in Sundhagen der Befall mit dem gefährlichen H5N8-Erreger bestätigt. In Glöwitz und Sundhagen hieß es zunächst vom Schweriner Umweltministerium, dass neben Hühnern auch Tauben befallen seien. Diese Meldung wurde mittlerweile korrigiert - die Proben seien mit denen von Enten vertauscht worden.

Landesweit wurden 20 Sperrbezirke und 23 Beobachtungsgebiete eingerichtet, alle Kreise sind betroffen. Rostocks Amtstierärztin für Tierseuchenbekämpfung, Heike Neumann, sagte: „Wir machen seit dieser Woche stichprobenartige Kontrollen.“ Würde sie jetzt noch Hausgeflügel im Freien antreffen, würde sie erst mal eine mündliche Verwarnung aussprechen und kurzfristig einen neuen Termin setzen, zu dem die Tiere eingesperrt sein müssten. Das sei möglich, weil es keinen großen Geflügelbetrieb in Rostock gebe. In der Stadt ist bisher bei zwei toten Möwen die hochansteckende Form der Geflügelpest festgestellt worden. Außerdem wurde in Rerik im Kreis Rostock das hochansteckende Virus H5N8 bei drei toten Wildvögeln nachgewiesen, wie der Kreis gestern Abend mitteilte.

Neumann sagte, die Tierhalter seien von den Seuchenausbrüchen der Jahre 2006 und 2014 her noch in der Übung: „Sie haben Ställe für ihre Tiere.“ Das bestätigten auch die Veterinärbehörden in Nordwestmecklenburg: „Im Vergleich zum Seuchengeschehen 2006 ist festzustellen, dass die Tierhalter ein hohes Problembewusstsein entwickelt haben“, sagte Kreissprecherin Petra Rappen. Sie würden die Anordnungen in Bezug auf die Stallpflicht befolgen. Eine Lösung werde noch für die Haltung der Strauße im Tierpark Wismar gesucht.

Ausnahmen von der Stallpflicht sollen generell nicht zugelassen werden. „Alle Tierhalter sind dafür verantwortlich, auch für den Seuchenfall vorzusorgen und ausreichend Stallfläche für ihre Tiere vorzuhalten“, hieß es aus der Mecklenburgischen Seenplatte. Sie müssten die Tiere wenigstens vorübergehend artgerecht unterbringen können. Im Landkreis Rostock sind dem Veterinäramt Betriebe bekannt, wo eine Aufstallung von Enten und Gänsen kurzfristig nicht möglich war, weil nicht genügend Ställe vorhanden sind. Dort stünden Termine zum Schlachten aber kurz bevor, sagte Sprecher Michael Fengler. Die Freilandbestände würden jetzt besonders intensiv überwacht.

Gesetzlich vorgeschrieben sei zudem eine Lebenduntersuchung kurz vor dem Schlachten sowie eine Fleischuntersuchung danach. In allen sechs Landkreisen werden Veterinärbehörden von Mitarbeitern der Stadt-Ordnungsämter und Polizei unterstützt. Auch werde Hinweisen aus der Bevölkerung nachgegangen. Wegen der Ausdehnung der Kreise stehen Behörden vor großen Herausforderungen.

Nach Angaben des Agrarministeriums gibt es in MV rund 41 600 Geflügelhaltungen mit fast 14,5 Millionen Tieren. Nur 300 Betriebe halten mehr als 1000 Tiere. Die meisten Geflügelhaltungen gibt es an der Mecklenburgischen Seenplatte mit rund 9700.

In Kürze
Zoos reagieren auf Vogelgrippe

Mecklenburg-Vorpommerns Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) hat die Tierparks und Zoos im Land vor Leichtsinn im Um-gang mit der Vogelgrippe gewarnt. „Jede Nachlässigkeit in der Haltung und im Umgang mit den Tieren kann schwerwiegende Folgen nach sich ziehen“, sagte Backhaus gestern  bei einer Versammlung des Landeszooverbandes in Schwerin. „Besonders im Hinblick auf die seltenen und schützenswerten Tiere in den zoologischen

Einrichtungen sollten wir hier beispielhaft vorangehen“, betonte der Minister. Die Tierparks im Land haben schon in der vergangenen Woche erste Maßnahmen ergriffen. Entsprechend der Aufstallpflicht wurden beispielsweise im Vogelpark Marlow (Vorpommern-Rügen) sowie im Rostocker und Schweriner Zoo die Vögel aus den Außenanlagen geholt.

Außerdem wurden begehbare Gehege für Besucher abgesperrt, in den Eingangsbereichen der Volieren wurden Desinfektionsmatten ausgelegt und für die Tierpfleger Schutzkleidung bereitgestellt.

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erstellt am 18.Nov.2016 | 20:55 Uhr

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