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Mecklenburg-Vorpommern

28. August 2016 | 22:45 Uhr

Landeskunstschätze in MV : Schätze – kein Plunder

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Ausstellung „Gesichert!“ zeigt die vom Land gekaufte Kunst aus der herzoglichen Sammlung

Aufgereiht wie bestellt und nicht abgeholt stehen Schränke, Kommoden und Tische in der Mitte des Saales. Dicht an dicht hängen an den Wänden Ölgemälde. Das Staatliche Museum Schwerin ist auch nur eine Zwischenstation für die wertvollen Antiquitäten. Was das Land Mecklenburg-Vorpommern von Herzogin Donata zu Mecklenburg-von Soldkoff, der Enkelin des letzten Großherzogs, gekauft hat, soll ab 2016 das bis dahin sanierte Schloss in Ludwigslust ausschmücken. Vorerst aber, so Bildungsminister Mathias Brodkorb (SPD), soll die Ausstellung „Gesichert! – Kunst für das Land“ auch die letzten Skeptiker überzeugen, dass es sich gelohnt hat, 9,5 Millionen Euro für die Sammlung „Herzogliches Haus Mecklenburg Schwerin“ auszugeben. Viele der Stücke seien noch nie gezeigt worden, so Kuratorin Antje-Marthe Fischer, „darum gibt es viel zu entdecken“.

Über Jahre hatte das Land mit der Herzogin über einen Ankauf verhandelt. Es ging um 260 Objekte, die 1946 enteignet, 1997 an die Familie zu Mecklenburg zurückgegeben und dann dem Land ausgeliehen wurden. Als ruchbar wurde, dass ein Teil des Kaufpreises mit einem Wald beglichen werden sollte, blockierten Stimmen aus dem linken politischen Spektrum vor der letzten Landtagswahl die Verhandlungen. Von „Ölschinken“ und „Plunder“ war die Rede. Brodkorb nahm als neuer Bildungsminister den Gesprächsfaden wieder auf. In diesem Jahr erwarb das Land 252 Kunstwerke, sechs behält es als Dauerleihgabe mit Vorkaufsrecht, zwei Bilder nahmen die Mecklenburgs mit nach Hause.

Laut Museumsdirektor Dirk Blübaum spiegelt die Sammlung, von der etwa die Hälfte nun präsentiert wird, ein Stück Geschichte des Landes wider. Allein die Por-traits seien ein Schatz für sich, so Co-Kurator Gero Seelig. Die „Blaublüter“ seien „alle mit einander verwandt“. So dokumentieren die Gemälde, mit wie vielen europäischen Fürstenhäusern die Mecklenburger verbandelt waren und sich durch geschickte Heiratspolitik aus Kriegen heraushalten konnten. Sophie Friederike von Mecklenburg-Schwerin zum Beispiel wurde 1774 nicht nur aus Liebe mit Friedrich von Dänemark verheiratet.

Die Ausstellung präsentiert auch eine edle furnierte Kommode aus dem 18. Jahrhundert, deren Bronzebeschläge an die Maserung des Amarantholzes angepasst wurden. Das sei auch damals ein besonderes Luxus-Möbel gewesen, so Kuratorin Fischer. Eine weiße Standuhr ist mit dem berühmten Ludwigsluster Pappmache verziert. Zudem gehören Miniatur-Pistolen und bunte Fächer zur Sammlung.

Insgesamt besteht die Sammlung aus Gegenständen, mit denen Ex-Großherzog Friedrich Franz IV. seit 1920 das Schloss in Ludwigslust einrichtete; manche Dinge stammen aus anderen Schlössern, die die Familie nach ihrer Entmachtung 1918 dem Staat überlassen musste. Doch so vollständig, wie Brodkorb es gern suggeriert, ist die Sammlung nicht. 1997 bekam die Familie zu Mecklenburg 412 enteignete Kunstwerke zurück. 260 lieh sie dem Land, 152 Kunstwerke verkaufte sie auf dem internationalen Kunstmarkt.

 

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