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Mecklenburg-Vorpommern

29. September 2016 | 08:44 Uhr

Schwerin : Rico Badenschier: Operation Oberbürgermeisteramt

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Der Schweriner Oberarzt Rico Badenschier übernimmt am 1. November die Verwaltungsspitze der Landeshauptstadt

Mittagspause in der Kantine der Helios Kliniken in Schwerin. Ich bin mit dem Oberarzt Dr. Rico Badenschier zum Gespräch über seine Pläne als künftiger Schweriner Oberbürgermeister verabredet. Mittendrin klingelt plötzlich sein Handy. „Ein Schlaganfall“, sagt er fast entschuldigend. Dann fragt er auf seiner Station nach, ob genügend Kontrastmittel einer bestimmten Sorte vorhanden ist. Wenig später wird der Radiologe am Computertomografen stehen und helfen, das Schlaganfall-Opfer zu retten.

Erst am Sonntag hatte der bis dahin relativ unbekannte SPD-Stadtvertreter für Aufsehen gesorgt, als er die Schweriner Oberbürgermeisterwahl gegen die Amtsinhaberin Angelika Gramkow (Linke) mit deutlicher Mehrheit gewann. Inzwischen hat der Klinikalltag den Arzt wieder eingeholt. Wie viele Tage der 38-Jährige noch im weißen Kittel arbeiten wird, weiß er momentan nicht. Das hängt noch von einem Gespräch ab, das er mit der Leitung der Kliniken führen will.

Spätestens bis zum 1. November muss der Wechsel ins Stadthaus vollzogen sein. Dann beginnt Rico Badenschiers erster Arbeitstag als Oberbürgermeister.

Bis zum Amtsantritt gibt es viel zu tun. „Ich kenne die künftigen Mitarbeiter in der Verwaltungsspitze so gut wie gar nicht“, gibt der Familienvater von drei Kindern zu, der 2008 nach Schwerin kam und seit 2014 in der Stadtvertretung sitzt. Darum will er viele Gespräche führen – auch mit den Fraktionen im Stadtparlament, mit Verbänden und Vereinen.

Mit der noch amtierenden Oberbürgermeisterin hatte Badenschier am Dienstag am Rande der Hauptausschusssitzung in der Stadtvertretung ein „sehr sachliches Gespräch“, wie er sagt. Wann die Amtsübergabe sein wird, steht noch nicht fest. Angelika Gramkow ist vom 4. bis zum 28. Oktober im Urlaub. Sie will auch noch „Überstunden abbummeln“, teilte die Wahlverliererin den Mitgliedern im Hauptausschuss mit.

Anders als in der Politik oft üblich, will ihr Nachfolger nicht mit einem Stab von Vertrauten ins Stadthaus einziehen. Der gebürtige Chemnitzer geht von einer loyalen Unterstützung der Mitarbeiter in der Stadtspitze aus. Der in der Verwaltung unerfahrene Mediziner hofft aber auch auf Hilfe aus seiner Partei. Heute hat er dazu ein Gespräch mit dem SPD-Landesvorsitzenden und Ministerpräsidenten Erwin Sellering.

Seine Pläne als neuer OB? Rico Badenschier spricht von „dünnen und dicken Brettern“, die gebohrt werden müssen. Ein dünnes Brett und damit schnell umsetzbar ist beispielsweise ein Zebrastreifen am Dreescher Markt. Dafür will sich der neue Oberbürgermeister sofort einsetzen. Dicke Bretter – also schwierige und strategisch wichtige Vorhaben – sind für ihn der Ausbau und die Sanierung der Schulen, kooperative Beziehungen zu den Umlandgemeinden und ein gutes Verkehrskonzept.

Noch ist Rico Badenschier nicht Oberbürgermeister. Aber einiges hat sich für ihn bereits verändert. „Wenn ich mit meinem Fahrrad durch die Stadt fahre, muss ich inzwischen eine halbe Stunde länger einplanen“, erzählt er. Denn er wird neuerdings erkannt und angesprochen. Es sind meistens die kleinen Alltagssorgen, die die Leute loswerden wollen.

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erstellt am 22.Sep.2016 | 05:00 Uhr

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