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Mecklenburg-Vorpommern

05. Dezember 2016 | 13:34 Uhr

Bundesverkehrsministerium : Richtlinie birgt Gefahr für Traditionsschiffe

vom
Aus der Onlineredaktion

Traditionsschiffe gehören zu den größten Hinguckern entlang der Küste. Die meisten Schiffe werden von Ehrenamtlern betrieben. Sie sind jetzt in großer Sorge, weil sie sich mit neuen Sicherheitsvorschriften überfordert sehen.

So leicht lassen sich Seeleute nicht erschüttern – aber ein Stück Papier schafft das derzeit schon: Der Entwurf einer Sicherheitsrichtlinie des Bundesverkehrsministeriums beunruhigt die Betreiber von Traditionsschiffen. Ab 2017 soll die bauliche Beschaffenheit, der Brandschutz und die Ausrüstung sowie die Qualifikation der Crew neu geregelt werden. „90 Prozent der Betreiber wissen nicht, wie es weitergeht“, sagt Nikolaus Kern, Vizechef des Dachverbands deutscher Traditionsschiffe.

 

Staatssekretär Enak Ferlemann versichert: „Wir wollen die Traditionsschifffahrt erhalten“. Viele Eigner der rund 120 Traditionsschiffe in Deutschland befürchten das Gegenteil. Künftig sollten zum Beispiel Holztreppen mit Stahl unterfüttert werden. Dies wiederum erfordert einen Rausriss der alten Holztreppen, sagt Kern. Außerdem müsse die Seediensttauglichkeit der Besatzung amtlich gewährleistet sein. „Bei keinem gewerblichen Sportboot wird das gefordert“, tadelt Kern. Der finanzielle Aufwand werde enorm sein, sagt Olaf Kalweit, dessen Verein in Rostock den 65 Jahre alten Fischtrawler „Santa Barbara Anna“ betreibt. Es sei schon jetzt unter betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten völlig unrentabel, so ein Schiff zu halten. „Wenn die Richtlinie kommt, wäre es sinnvoll, die Schiffe zu verschrotten.“

Holger Bellgardt, Chef der Hanse Sail in Rostock, bemängelt den Zeitdruck. Nach vielen Jahren Diskussion sei im August der Entwurf veröffentlicht worden – mit einer Anhörungsfrist bis Anfang Oktober. „Das ist zu kurz.“ Die Branche erwarte ein Signal aus Berlin, sich erneut an einen Tisch zu setzen, um ein für ganz Europa mustergültiges Papier zu erarbeiten. Kritik an der Richtlinie kommt auch aus Greifswald. Die Rechtsunsicherheit der letzten Jahre habe dazu geführt, dass von 14 Traditionsschiffen im Jahr 2008 nur noch fünf diesen Status haben, sagt der Museumshafen-Vorsitzende Volker Pesch. Viele Schiffe hätten den Rechtsstatus aufgegeben und nehmen keine zahlenden Gäste mehr an Bord.

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