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Mecklenburg-Vorpommern

10. Dezember 2016 | 06:05 Uhr

Greifswald : Reizgas-Angriff auf Polizisten

vom

Gegen seine Verhaftung leisteten ein als Reichsbürger bekannter Mann und seine Familie vehementen Widerstand

Eigentlich sollte es für die jungen Polizeibeamten – 25 und 27 Jahre alt – ein ruhiger Arbeitstag mit Verkehrskontrollen werden. Doch als sie in der Ostrowskistraße in Greifswald einen Opel Corsa aus dem Verkehr ziehen wollen, weil der Fahrer nicht angeschnallt ist, eskaliert die Situation.

Bei dem 29-jährigen Fahrer handelte es sich nicht nur um einen dem Staatsschutz bekannten Reichsbürger – gegen ihn lag auch ein Haftbefehl des Amtsgerichtes Greifswald vor, wie die Beamten feststellen mussten. Als ihm dies eröffnet wurde, ergriff der Mann die Flucht. Er konnte jedoch nach wenigen Metern von einem der jungen Beamten ergriffen werden.  Der 29-jährige Beschuldigte leistete so starken Widerstand, dass der Polizist sich gezwungen sah, Reizgas gegen ihn einzusetzen. Das sollte die Situation eigentlich entschärfen – doch die Beamten rechneten nicht mit den anderen beiden Insassen des Wagens.

Einer von ihnen – der 34-jährige Bruder des Beschuldigten – versuchte nun, seinen Bruder zu befreien. Auch unter Anwendung körperlicher Gewalt. Dies konnte durch den zweiten Polizisten verhindert werden – jedoch auch nur unter Anwendung von Reizstoff. Während die beiden Beamten  damit beschäftigt waren, den Widerstand der Brüder zu unterbinden, trat die Mutter (64) der beiden als letzte Insassin des Corsas auf den Plan. Aus dem Kofferraum holte sie ein großes Reizstoffsprühgerät – für dessen Verwendung ist eigentlich ein kleiner Waffenschein nötig – und richtete den Sprühstoß gegen den Beamten, der den 29-jährigen Fahrer festhielt. So konnte dieser sich befreien und gab einen weiteren Sprühstoß gegen den Beamten ab. Anschließend flüchtete der Beschuldigte mit dem Tatmittel.

Bis zum Eintreffen der alarmierten Verstärkung konnten sowohl die 64-jährige Mutter als auch der 34-jährige Bruder fixiert werden. Ob es sich bei ihnen ebenfalls um Mitglieder der staatsfeindlichen Bewegung Reichsbürger handelt, ist noch unklar.

Später stellte sich heraus, dass auch gegen die Mutter ein Haftbefehl zur Vollstreckung einer Ersatzfreiheitsstrafe bestand. Sie wurde in Gewahrsam verbracht, bis die verhängte Geldstrafe noch am Abend beglichen wurde. Nach dem 29-Jährigen wurden umfangreiche Fahndungsmaßnahmen eingeleitet, auch unter Einsatz eines Fährtenhundes. Sie waren bisher jedoch nicht erfolgreich.

Gegen alle drei Personen aus dem Greifswalder Umland wurden Sammelanzeigen wegen Widerstandes gegen Vollstreckungsbeamte  erstattet. Dabei gilt der Angriff mit Reizgas  als gefährliche Körperverletzung. Die beiden jungen Polizeibeamten wurden durch den Einsatz des Reizgases leicht verletzt. Der 25-Jährige Polizist musste ärztlich versorgt werden. Beide Beamten konnten jedoch ihren Dienst bald fortsetzen.  Nach Angaben des Polizeipräsidiums Neubrandenburg handelte es sich um den ersten solchen Zwischenfall mit Reichsbürgern im Zuständigkeitsgebiet.

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