zur Navigation springen

Mecklenburg-Vorpommern

30. Juli 2016 | 20:49 Uhr

Straftäter : Raus aus dem Knast – und dann?

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Es fehlen Jobs und manche Kommune sperrt sich gegen ehemalige Gefangene

Die Rückkehr in die Gesellschaft ist für Straftäter nach der Haftzeit oft schwer. In Mecklenburg-Vorpommern gibt es nur wenige Wohnungen und Jobs für Ex-Gefangene. Unterkunft und Arbeit aber seien die Basis für eine Wiedereingliederung der Täter, für das Vorbeugen von Rückfällen und einen effektiven Opferschutz, sagte Tilo Stolpe, Sprecher des Justizministeriums.

„Arbeit ist das älteste und wichtigste Programm des Strafvollzugs“, betonte Jörg-Uwe Schäfer, Leiter der Justizvollzugsanstalt (JVA) Bützow. „Sinnvolle Beschäftigung gibt dem Tag des Gefangenen oder Entlassenen Struktur, Arbeit ist Gold wert.“ Während in den fünf Haftanstalten Mecklenburg-Vorpommerns einer früheren Erhebung zufolge nur etwa jeder dritte der rund 1200 Gefangenen einer regelmäßigen Berufstätigkeit – auch außerhalb der Knastmauern – nachgeht, gestalten sich Job- und Wohnungssuche für die Zeit nach der Haft meist noch schwieriger, wie es hieß. Schuld hätten auch bürokratische Hürden, etwa wenn verurteilte Schwerverbrecher nach langem Gefängnisaufenthalt an ihren Wohnort zurückkehren wollen. Anders als in einigen europäischen Staaten gebe es in Deutschland keine gesetzlich festgeschriebene Pflicht für kommunale Träger, Wohnraum für Rückkehrer aus den Gefängnissen zur Verfügung zu stellen, kritisierte Schäfer. Positiv verhielten sich Wohnungsbaugesellschaften in Rostock, Schwerin oder Güstrow.

„Ohnehin empfehlen wir den Entlassenen die Anonymität der größeren Kommunen“, erklärte Schäfer. Denn auf dem Lande gebe es oft Gegenwehr gegen ehemalige Strafgefangene in der Nachbarschaft.   Da stellten sich schon mal ehrenamtliche Bürgermeister von kleinen Dörfern quer, schildert der Anstaltsleiter.

Jüngst habe das Sozialamt eines Landkreises die Aufnahme eines Haftentlassenen in ein betreutes Wohnprojekt verhindern wollen. „Da gibt es viele Vorbehalte bei den kommunalen Behörden, obwohl die Justiz zusammen mit der Polizei die Haftentlassung vor allem von Hochrisiko-Tätern stets sehr gut vorbereitet.“

Die Justizvollzugseinrichtungen in MV bieten zahlreiche Behandlungsprogramme für die Strafgefangenen an, die die Resozialisierung unterstützen, wie der Ministeriumssprecher betonte. Dazu gehörten diverse Trainings sowie Beratung: gegen Aggressionen und Gewalt, bei Sucht und Schulden sowie ein umfangreiches soziales Kompetenztraining, Sexualkunde und Psychotherapien.

Gefangene mit „erheblicher Gefährlichkeit“ könnten in einer sozialtherapeutischen Abteilung untergebracht werden. Angezeigt sei dies, wenn schwerwiegende Straftaten gegen Leib oder Leben, die persönliche Freiheit oder gegen die sexuelle Selbstbestimmung künftig zu erwarten seien, erklärte ein Mitarbeiter des Justizministeriums.Allerdings werde auch bei den Angeboten im Strafvollzug kräftig gekürzt, schränkte JVA-Leiter Schäfer ein. So würden gegenwärtig Ausbildungsplätze in Bützow gestrichen, beispielsweise für Gebäudereiniger oder Garten- und Landschaftsbauer. Probleme könnten aber auch darin bestehen, adäquate Hilfs- und Beratungsangebote im Bereich Psycho- und Suchttherapie zu finden, hieß es. Im Nordosten seien Therapeuten generell rar und Praxistermine für Gefangene bzw. Haftentlassene kaum zu bekommen. Es gebe lange Wartelisten in den Anstalten, sagte Schäfer. Eine einfache Hilfsmaßnahme sei hingegen der Sport. Mehr Angebote für Häftlinge seien nötig. „Sport ist soziales Kompetenztraining pur und gut für den Abbau von Aggressionen.“

 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen