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Mecklenburg-Vorpommern

30. September 2016 | 05:15 Uhr

Neubrandenburg : Prozess gegen Ex-SS-Sanitäter verzögert sich erneut

vom
Aus der Onlineredaktion

In Neubrandenburg muss sich ein heute 95 Jahre alter Ex-SS-Sanitäter vor Gericht verantworten. Ihm wird Beihilfe zum Mord in mehr als 3600 Fällen im Konzentrationslager Auschwitz vorgeworfen. Jetzt gibt es aber neue Befangenheitsanträge gegen den Vorsitzenden Richter.

Im Neubrandenburger Prozess gegen einen ehemaligen SS-Sanitäter aus dem Konzentrationslager Auschwitz haben Staatsanwaltschaft und Nebenkläger dem Gericht erneut Befangenheit vorgeworfen. Der Vorsitzende der Schwurgerichtskammer, Richter Klaus Kabisch, vermittle den Eindruck mangelnder Objektivität, erklärte Staatsanwalt Thorsten Kopf am Montag am Landgericht. Die Kammer beendete die Verhandlung gegen den 95 Jahre alten Angeklagten, der wieder im Rollstuhl erschienen war, nach knapp 90 Minuten.

Wie ein Gerichtssprecher erklärte, muss nun erst über die Befangenheitsanträge entschieden werden, bevor ein neuer Termin festgelegt werden kann. Die ursprünglich für Montag geplante Beratung mit Gutachtern über die eingeschränkte Verhandlungsfähigkeit des 95-Jährigen fand nicht statt. Die Gesundheit des betagten Angeklagten bestimmt seit Monaten den Verlauf des Verfahrens.

Dem ehemaligen Landarbeiter aus der Nähe von Neubrandenburg (Mecklenburg-Vorpommern) wird Beihilfe zum Mord in mindestens 3681 Fällen vorgeworfen. Der Angeklagte war ab Mitte August 1944 einen Monat im KZ Auschwitz-Birkenau als SS-Sanitäter tätig. In der Zeit kamen dort 14 Deportationszüge an, darunter die Familie des Mädchens Anne Frank aus den Niederlanden. Von den Deportierten wurden mindestens 3681 Menschen aus den Zügen unmittelbar in Gaskammern umgebracht.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem 95-Jährigen vor, sich in die Lagerorganisation eingefügt und die Vernichtung von Leben damit befördert zu haben. Die Verteidigung bestreitet eine Schuld ihres Mandanten.

Der nächste Verhandlungstermin soll wegen der Fristen in der Strafprozessordnung innerhalb von drei Wochen, also bis zum 10. Oktober anberaumt werden. Sonst muss der Prozess ganz neu beginnen.

Zuvor hatte das Landgericht einen ersten Befangenheitsantrag eines Nebenklägers, dem sich die Staatsanwaltschaft angeschlossen hatte, als „unbegründet“ abgewiesen.

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