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Mecklenburg-Vorpommern

07. Dezember 2016 | 11:33 Uhr

Mückenatlas-Projekt : Post für Mückenforscher

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

2016 war für die Mücken in Deutschland ein gutes Jahr – und auch für die Forscher. 30 000 Tiere geschickt

Mückenjäger aus ganz Deutschland haben in diesem Jahr rund 30 000 Tiere für die Forschung gesammelt – ein neuer Rekord. Seit Beginn des Mückenatlas-Projekts 2012 habe es noch nie so viele Einsendungen wie in diesem Jahr gegeben, sagte gestern die Biologin Doreen Walther vom Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) im brandenburgischen Müncheberg. Etwa 6000 Zusendungen sind in Müncheberg in diesem Jahr eingegangen – und es kommen immer mehr. „Wir erhalten derzeit täglich noch etwa 50 Sendungen“, sagte Walther.

Das ZALF arbeitet seit 2012 mit dem Friedrich-Loeffler-Institut für Tiergesundheit (FLI) in Greifswald an der Kartierung der in Deutschland vorkommenden Mückenarten.

Für die Mücken hätten in diesem Jahr sehr gute Bedingungen geherrscht. „Durch verstärkte Regengüsse im Frühjahr konnten sich in vielen Regionen ausgedehnte Mückenpopulationen entwickeln“, sagte Walther. „Die Leute waren genervt und haben uns viele Mücken geschickt“, so Walther. Das Institut sei dankbar für jedes einzelne Tier und informiere die Mückenjäger per Post über die jeweilige Art und ihre Eigenschaften. „Ob Schulkind oder Rentner – die Menschen interessieren sich dafür und erweitern ihren Horizont“, so die Mücken-Expertin.

In den vergangenen beiden Jahren hätten sich die Bestände wegen der trockenen Sommer nicht so gut entwickeln können. „Wir hatten schon die Befürchtung, dass die Menschen das Interesse an dem Projekt verlieren. Doch dieses Jahr hat uns eines Besseren belehrt“, so die Biologin.

„Von Husum bis Berchtesgaden, von der Eiffel bis Görlitz – wir haben aus allen Regionen Post bekommen“, freut sich die Wissenschaftlerin.

2012 hatten die Forscher erstmals dazu aufgerufen, Stechmücken zu fangen und einzuschicken. Die Wissenschaftler, die bundesweit auch 120 eigene Fallen aufgestellt haben, erhoffen sich durch die breite Beteiligung mehr Wissen über die 50 einheimischen Arten, aber auch über eingewanderte Mücken. Inzwischen konnten sie beispielsweise die aggressive Asiatische Buschmücke und die Asiatische Tigermücke in mehreren Bundesländern nachweisen.

Was die exotischen Insekten so gefährlich macht, sind nicht die Stiche an sich, sondern Krankheitserreger, die sie potenziell auf den Menschen übertragen können – wie etwa das West-Nil-Fieber, das Chikungunya-Fieber oder Dengue-Fieber.

Seit die Weltgesundheitsorganisation WHO Deutschland in den 1970er-Jahren für malariafrei erklärt habe, sei die Mückenforschung eingebrochen. So sei eine große Lücke entstanden, erläutert Walther.

Die nun gesammelten Daten sollen zunächst Wissenschaftlern zur Verfügung stehen. Langfristig sei aber geplant, sie auch einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Im Internet, unter www.mueckenatlas.de, veröffentlichen die Forscher alle Einsendungen, erläutern, wie man Mückenjäger wird und welche Behältnisse am besten für den Versand der Insekten geeignet sind.

Einer der Hinweise: „Um die Mückenart bestimmen zu können, benötigen wir intakte Exemplare. Zerquetschte oder platt gehauene Exemplare sind unbrauchbar, da sie nicht mehr identifizierbar sind.“

Anja Sokolow

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