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Mecklenburg-Vorpommern

03. Dezember 2016 | 20:48 Uhr

Gutachten : Polizei erst nach 21 Minuten da

vom
Aus der Onlineredaktion

Vom Notruf bis zur Hilfe dauert es immer länger

Wer in Mecklenburg-Vorpommern Opfer eines Wohnungseinbruchs geworden ist oder in einen Verkehrsunfall verwickelt wurde, braucht Geduld. Zwischen Notruf und Eintreffen der Polizei vergehen im Landesdurchschnitt 21,44 Minuten. Das geht aus einem gestern veröffentlichten Gutachten zum Personalbedarf der Landespolizei hervor, dass Innenministerium und Finanzministerium bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC in Auftrag gegeben haben. Das Unternehmen hat dazu 72  574 Einsätze der Polizei zwischen August 2015 und Januar 2016 untersucht.

Zum Vergleich: In Schleswig-Holstein braucht die Polizei nach Angaben der Kieler Landesregierung nur 12,2 Minuten. In Nordrhein-Westfalen dauert es 14 Minuten, bis die Polizei eingreifen kann. In Mecklenburg-Vorpommern sind die Hilfsfristen für die Feuerwehren und das Rettungswesen von zehn Minuten gesetzlich vorgeschrieben. Entsprechende Vorgaben gibt es für die Landespolizei nicht.

Insgesamt haben sich die Reaktionszeiten der Polizei sogar verschlechtert. Denn aus einem internen Evaluationsbericht des Schweriner Innenministeriums aus dem Jahr 2013, der unserer Redaktion vorliegt, geht hervor, dass die Polizei im Januar 2013 noch um fast eine Minute schneller war und 20,8 Minuten im Durchschnitt zwischen Notruf und Hilfeleistung vergingen.

Sogar bei den Einsätzen der Prioritäten 1 und 2 – bei denen unverzügliches polizeiliches Handeln zwingend geboten ist – braucht die Polizei fast 18 Minuten, um am Einsatzort Hilfe leisten zu können. Bei Alarmierungen der letzten Priorität 4 vergehen 38,36 Minuten bis die Beamten vor Ort sind.

Auch die Gewerkschaft der Polizei (GdP) ist beunruhigt. Die Zahlen würden den polizeilichen Alltag widerspiegeln. „Die Reaktionszeiten sind eine Folge des Personalmangels“, sagte Marco Bialecki, Mitglied des GdP-Landesvorstandes. In einigen der landesweit 37 Reviere sei nachts nur noch ein Streifenwagen unterwegs. „Entsprechend lang sind die Einsatzzeiten“, so Bialecki. Doch nicht nur die Bürger brauchen Geduld. Auch Beamte in schwierigen Situationen müssen warten, wenn sie Verstärkung angefordert haben.

In seinem Gutachten kommt PwC zu dem Schluss, dass die Landespolizei 150 neue Stellen braucht. Dieser Empfehlung sind SPD und CDU bei ihren Koalitionsverhandlungen in dieser Woche gefolgt. Die Landespolizei wird in den kommenden fünf Jahren auf 6050 Beamte aufgestockt. „Es ist gelungen, trotz mancher unterschiedlicher Auffassungen ein Gutachten zu erhalten, das von allen Seiten mitgetragen werden kann“, sagte gestern Innenminister Lorenz Caffier (CDU), der im Wahlkampf noch 555 zusätzliche Stellen gefordert hatte.

Der innenpolitische Sprecher der Linksfraktion im Landtag, Peter Ritter, sagte, er bezweifle allerdings, „dass die 150 zusätzlichen Planstellen ausreichen, um eine personelle Verstärkung in der Fläche zu erreichen“.

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erstellt am 14.Okt.2016 | 21:00 Uhr

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