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Mecklenburg-Vorpommern

09. Dezember 2016 | 10:39 Uhr

Video: Müritz-Therme in der Kritik : Polizei ermittelt nach Badeunfall

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Besucher rettet zwei Kinder in Müritz-Therme. Geschäftsführer verteidigt sein Team. Weitere Familie erhebt schwere Vorwürfe

Nach dem Badeunfall in einem Spaßbad an der Müritz sucht die Polizei nach Antworten. Zwei kleine Jungen waren am Montagabend in der Müritz-Therme in Röbel ins Becken gefallen. Ein Badegast sah den Siebenjährigen unter Wasser treiben und zog ihn an die Oberfläche. Dann eilte er dem Dreijährigen zu Hilfe.

Wie konnte das passieren? War die Betreuerin der beiden Kinder vielleicht für einen Moment unaufmerksam? Oder vielleicht der Bademeister? Es sind diese Fragen, mit denen sich die Ermittler beschäftigen. Derzeit werde wegen des Verdachts der Körperverletzung sowohl gegen die Betreuerin als auch gegen den Bademeister ermittelt, teilt eine Polizeisprecherin zu dem Vorfall mit. Man stehe noch am Anfang der Ermittlungen.

Der Geschäftsführer der Müritz-Therme, Marco Lüders, verweist darauf, dass der Bademeister jedenfalls unmittelbar in der Nähe war. „Er hatte zunächst angenommen, dass ein Vater mit seinen beiden Kindern gespielt hat und mit ihnen das Becken verlassen wollte.“ Als sich die Szene als Notfall herausstellte, sei er sofort zu Hilfe geeilt. „Wir haben umgehend Erstversorgung geleistet“, versichert Lüders. Er betont: Die Sicherheit der Badegäste stehe an erster Stelle. Der Schwimm- und Badebereich werde stets überwacht.

Die Nachricht von dem Vorfall verbreitete sich sehr schnell im Internet. Es meldeten sich ehemalige Gäste zu Wort, die angeblich ganz andere Erfahrungen in dem Bad gemacht haben wollen. Mehrere Kommentatoren schilderten, dass bei ihren Besuchen im Beckenbereich zeitweise kein Personal anwesend gewesen sein soll oder der Bademeister nur sporadisch vorbeigeschaut habe.

Schwere Vorwürfe erhebt auch die Familie Bülow gegen den Betreiber des Freizeitbades: Sie hätten im März in einer Notfallsituation vergeblich auf Hilfe gewartet. Stefanie Bülow war mit ihrer Tochter Leonie (8), ihrer Mutter Gerlinde und dem neun Jahre alten Elias, einem Freund der Familie, im Spaßbad. Der Planschtag war eigentlich schon zu Ende, die Familie im Aufbruch. Doch Elias wollte noch weiter im Wasser toben. Seine Kräfte ließen plötzlich nach. „Er schaffte es nicht an den Beckenrand“, schildert Stefanie Bülow. Der Junge habe panisch mit den Armen gerudert und drohte zu ertrinken. „Es war aber weit und breit niemand vom Therme-Team zu sehen“, kritisiert die Mutter. Mit Hilfe eines Ehepaares sei der Junge dann aus dem Wasser gezogen worden. „Das kann doch nicht sein“, sagt die junge Mutter.

Geschäftsführer Marco Lüders ist der Vorfall nicht bekannt. Im Unfallbuch sei der Zwischenfall nicht vermerkt. Dass es bereits mehrere Badeunfälle in seinem Haus gegeben hat, räumt er aber ein. „Das kommt immer wieder einmal vor.“ Mitte März dieses Jahres hatte unter anderem ein Junge im Schwimmbecken das Bewusstsein verloren. „Der wurde von unserem Bademeister aus dem Becken geholt“, schildert Lüders.

Die Vorwürfe, dass in der Therme nicht genügend auf die Sicherheit geachtet werde, weist er vehement zurück. „In jeder Schicht gibt es eine Wasseraufsicht“, stellt Lüders klar. Die Aufsichtsperson habe immer eine Rettungsschwimmerausbildung. „Und wer die Aufsicht im Badebereich hat, übernimmt auch keine anderen Tätigkeiten“, erläutert der Geschäftsführer. Für das relativ kleine Schwimmbad sei eine Aufsicht pro Schicht ausreichend. Strömten viele Besucher ins Bad könne ein zweiter Mitarbeiter für die Wasseraufsicht abgestellt werden. „Natürlich auch mit Rettungsschwimmerschein.“ Doch ein Restrisiko, dass etwas passieren könne, bleibe immer. „Selbst wenn wir fünf oder sechs Leute an den Beckenrand stellen würden.“


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erstellt am 04.Nov.2016 | 20:30 Uhr

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