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Politik MV

29. September 2016 | 20:40 Uhr

Stiftungslandschaft MV : Statt Geld einfach Zeit stiften

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Strand- oder Lesepatenschaften bieten bei schmalem Budget die Chance, fürs Gemeinwohl aktiv zu werden. Derzeit lediglich 164 Stiftungen in MV

300 Euro, von denen Bälle für den Sportunterricht an der Grundschule angeschafft wurden. 500 Euro, mit deren Hilfe ein Themenaußenbereich in der Kita entstehen soll. Es sind keine großen Beträge, die die Bürgerstiftung Pampow ausreicht. Und doch tragen sie dazu bei, das Gemeinwesen zu stärken und das Leben in dem Dorf am Stadtrand von Schwerin lebenswerter zu machen. Aus eben diesem Grund hatte die Gemeinde die Stiftung 2011 ins Leben gerufen, für die sie auch das Grundvermögen stellte.

In Greifswald dagegen waren es Privatpersonen, die die Altsprachenstiftung am Friedrich-Ludwig-Jahn-Gymnasium ins Leben riefen. Karl Heinz Sonder, der von 1914 bis 1919 eben dieses Gymnasium besuchte, und sein Sohn Hans stifteten 1997 immerhin 200 000 Euro für die Profilierung des Gymnasiums im „klassischen humanistischen Sinne“. Noch heute ermöglichen es die Stiftungsmittel alljährlich den Zwölftklässlern aus dem Leistungskurs Latein, auf Studienfahrt zu gehen. Und die jahrgangsbesten Abiturienten im Fach Latein bekommen eine hochdotierte Auszeichnung aus Mitteln der Stiftung.

Zwei Beispiele von 164 – so viele weltliche (119) und kirchliche (45) Stiftungen sind derzeit in Mecklenburg-Vorpommern eingetragen. Ein Klacks, vergleicht man es mit Nordrhein-Westfalen, wo allein im vergangenen Jahr 160 neue Stiftungen gegründet wurden. In ganz Deutschland sind derzeit etwa 21 000 Stiftungen aktiv. Doch während bundesweit im vergangenen Jahr auf 100 000 Einwohner im Schnitt 26 Stiftungen kamen, waren es hierzulande gerade einmal zehn. In diesem Jahr gab es im Nordosten vier Neugründungen, darunter die Ehrenamtsstiftung, für die das Land das Grundkapital stellte.

Hans-Jürgen Abromeit, Bischof im Sprengel Mecklenburg und Pommern der Nordkirche, sieht als eine Ursache für die geringe Zahl von Stiftungen im Land, dass Mecklenburg-Vorpommern ein „armes Land“ sei, dessen Einwohner bei den Einkommen deutschlandweit das Schlusslicht bildeten. Ein weiterer Grund sei, dass es über Jahrzehnte in der DDR keine Stiftungskultur gegeben hätte. Trotzdem seien heute viele Menschen bereit, sich auf vielfältige Weise für die Allgemeinheit einzubringen. Das, so Abromeit, könne man nicht hoch genug würdigen.

Das Landesnetzwerk der Stiftungen sieht noch ein weiteres Problem, das sich aus den niedrigen Einkommen hierzulande ableitet: die geringe Kapitalausstattung. Stiftungen mit beispielsweise einem Kapital von 100 000 Euro bringen in Zeiten des Niedrigzinses keine nennenswerten Erlöse. Dr. Wolf Schmidt, der Sprecher des Netzwerkes, verweist darauf, dass es in Hamburg mit einer ähnlichen Bevölkerungszahl wie MV mehr als 1300 Stiftungen gibt. Die größte davon habe mehr Kapital als alle Stiftungen hier im Land zusammen. Trotzdem gebe es auch hier viele Möglichkeiten, auch ohne Geld etwas für das Gemeinwohl zu tun. Beispielsweise könne man Zeit spenden – wie bei dem Projekt „Strandpaten“, bei dem Ehrenamtler in Wismar einen Stadtstrand sauber halten. Oder wie bei den Lesepatenschaften der Hanseatischen Bürgerstiftung in Rostock, die ihre Zeit spendeten, um in Grundschülern die Freude am Lesen zu wecken.

Justizministerin Uta-Maria Kuder (CDU), die auch die Stiftungsaufsicht im Land inne hat, wirbt vor dem Hintergrund geringer finanzieller Ressourcen im Land für Zustiftungen. „Denn nicht immer muss eine neue Stiftung gegründet werden, um Jugend, Kultur und soziales Engagement zu unterstützen“, betont sie.

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erstellt am 10.Nov.2015 | 21:00 Uhr

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