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Politik MV

04. Dezember 2016 | 13:15 Uhr

Landtag MV : Sellerings Juristenkabinett

vom

Die Regierungsmannschaft steht. Der alte und neue Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD)  setzt bei der Wahl seiner Kabinettskollegen vor allem auf Juristen. Noch nie gab es so viele Anwälte und Richter in einer Landesregierung. Neben Sellering selbst sind  Energieminister Christian Pegel, Sozialministerin Stefanie Dreese, Bildungsministerin Birgit Hesse, Justizminister Sascha Ott und Staatskanzleichef Christian Frenzel Juristen mit zweitem Staatsexamen. Finanzminister Mathias Brodkorb (SPD) ist da als Philosoph  eher die Ausnahme.  Seine Nominierung ist die größte Überraschung, auch weil er erst vor wenigen Wochen auf Vorschlag von Sellering zum SPD-Fraktionschef gewählt worden war.   „Er ist langfristig für uns als Finanzminister am wertvollsten“, begründete Sellering  seinen Meinungsumschwung.  Brodkorb selbst sagte gestern Abend gegenüber unserer Redaktion: „Ich bin erneut überrascht, freue mich aber auch auf dieses neue Amt.“ Die Entscheidung sei   am Donnerstag in der  letzten Koalitionsrunde gefallen. Nachfolger als Fraktionschef wird Thomas Krüger, der viele Jahre Landesgeschäftsführer der SPD war.

Überraschendes   auch beim neuen Zuschnitt der Ministerien: Das Sozialministerium gibt mit den Bereichen Arbeit und Gesundheit gleich zwei bedeutende Aufgabenfelder an das Wirtschaftsministerium ab und soll sich künftig stärker als bisher auf die Integration von Migranten konzentrieren.

Das Wirtschaftsministerium gibt dafür den Bereich Bau an das SPD-geführte Energieministerium und die Berufsausbildung an das Bildungsministerium ab. Der Verbraucherschutz  geht zur Justiz.

Innenministerium

 

Lorenz  Caffier (CDU), Innenminister.

Seine Ernennung ist keine Überraschung. Seit  zehn Jahren  führt der   CDU-Landeschef das Innenressort und hat zuletzt in der Flüchtlingskrise im Herbst 2015 seine Führungsqualitäten auf diesen Posten  unter Beweis gestellt.  Ähnlich  schwer  wird es für ihn am Sonnabend, wenn er  die Delegierten des CDU-Parteitages überzeugen muss,  dem Koalitionsvertrag zuzustimmen.  In dem Papier finden sich zumeist Positionen des größeren Koalitionspartners SPD wieder. Sein Ministerium wird den Bereich Sport an das Bildungsministerium abgeben.

Finanzministerium

 

Mathias Brodkorb (SPD), Finanzminister.

Der 39-Jährige übernimmt das Erbe von Finanzministerin Heike Polzin (SPD), die auf eine weitere Amtszeit verzichtet.  Brodkorb  war vor wenigen Wochen zum  Chef der SPD-Landtagsfraktion gewählt worden. Davor war er fünf Jahre lang Bildungsminister. Der gebürtige Rostocker begann seine politische Laufbahn 1994 bei der PDS  und engagierte sich dort auf dem linken Flügel. 1997 wechselte er zur SPD und wurde Landesvorsitzender der Jusos. Der studierte Philosoph ist seit 2002 Mitglied des Landtages.

Landwirtschaftsministerium

 

Till Backhaus (SPD), Agrarminister. 

Das politische Urgestein behält weiterhin die Landeshoheit über Landwirtschaft und Umwelt. Der 57-Jährige ist seit 1998 im Amt und ist der am längsten dienende Minister Deutschlands. In der Vergangenheit sorgte er aber auch für Schlagzeilen, etwa  durch  Auseinandersetzungen mit anderen Verkehrsteilnehmern oder durch Streitigkeiten um einen Traktor. Bei der Landtagswahl am 4. September holte er allerdings das zweitbeste Erst-Stimmenergebnis für die Sozialdemokraten.

Justizministerium

 

Sascha Ott (CDU), Justizminister.

Seine Ernennung ist eine faustdicke Überraschung. Der Greifswalder   war seit 2015  stellvertretender Leiter der Stralsunder Staatsanwaltschaft und war davor fünf Jahre Amtsgerichtsdirektor in Stralsund. Seine neue Wirkungsstätte dürfte dem 51-Jährigen nicht unbekannt sein. Er arbeitete mehrere Jahre unter anderem als als Koordinierungsreferent   im Schweriner Justizministerium. Der gebürtige Leipziger ist seit 2004 in der CDU, ist verheiratet und hat fünf Kinder.

Wirtschaftsministerium

 

Harry Glawe (CDU), Wirtschaftsminister.

Vor fünf Jahren war  die Ernennung des gebürtigen Greifswalders  zum Chef des Wirtschaftsressorts  noch eine Überraschung. Jetzt, für seine zweite Amtzeit, galt der 62-Jährige  als gesetzt.  Der Diplomkrankenpfleger trat im März 1990 der CDU bei und ist seit 1994  Mitglied des Landtages. Sein Ministerium bekommt allerdings einen neuen Zuschnitt. Der Bereich Arbeit, der bisher im Sozialministerium angesiedelt war, kehrt zurück in das  Wirtschaftsressort.

Energieministerium

 

Christian Pegel (SPD), Energieminister.

Der Greifswalder ist seit vielen Jahren ein enger Vertrauter des Ministerpräsidenten. Bereits 2002 war der heute 42-Jährige Pressesprecher in des damaligen Justizministers Sellering. Nach seinem zweiten Staatsexamen wurde der gebürtige Hamburger  Rechtsanwalt in der Kanzlei Hardtke, Svensson & Partner in Greifswald und Stralsund. 2012 holte  ihn sein Förderer Sellering nach Schwerin und machte ihn zum  Chef der Staatskanzlei. Zweieinhalb Jahre später wurde Pegel Energieminister.

Bildungsministerium

 

Birgit Hesse (SPD), Bildungsministerin.

Über den  Wechsel der 41-jährigen Juristin vom Sozialministerium ins Bildungsministerium war seit Wochen spekuliert worden.  Mathias Brodkorb (SPD) hatte dort seinen Chefsessel geräumt und den Vorsitz der  SPD-Fraktion im Landtag übernommen. Erste Erfahrungen in Führungspositionen sammelte sie als Revierleiterin der Polizei in Wismar. Von 2008 bis 2014 war sie Landrätin in Nordwestmecklenburg und wurde  anschließend Sozialministerin. Birgit Hesse ist verheiratet und eine Tochter.

Sozialministerium

 

Stefanie Drese (SPD), Sozialministerin.

Die 39-jährige Juristin aus Bad Doberan löst  Birgit Hesse ab, die als Ministerin ins Bildungsministerium wechselt. Nach ihrem  zweiten Staatsexamen wurde die gebürtige Rostockerin  2003 selbstständige Rechtsanwältin mit dem Schwerpunkt Strafrecht. Im selben Jahr trat sie der Sozialdemokratie bei. Seit 2011 ist sie Mitglied der SPD-Fraktion im Landtag und wurde  deren  stellvertretende Fraktionsvorsitzende. Stefanie Drese ist verheiratet und Mutter von 11-jahrigen Zwillingen

Chef der Staatskanzlei

 

Christian Frenzel (SPD), Chef der Staatskanzlei.

Der 53-Jährige gilt ebenfalls als einer der engsten Vertrauen von Regierungschef Erwin Sellering.  Am 14. Januar 2014 wurde Frenzel als Nachfolger von Christian Pegel zum Chef der Staatskanzlei ernannt. Der Sohn  eines ehemaligen Hamburger Polizeipräsidenten  kam bereits 1990 nach Mecklenburg-Vorpommern, war   nach seinem  Jura-Studium an verschiedenen Gerichten und im Justizministerium tätig, unter anderem war er  Direktor des Amtsgerichts Schwerin.

 
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erstellt am 18.Okt.2016 | 20:55 Uhr

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