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Politik MV

27. Juli 2016 | 03:46 Uhr

Bernd Lucke am Pranger : Schweriner AfD holt Nazi-Keule raus

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Streit in der Alternative für Deutschland hat MV erreicht: Kreisverband stellt Bundessprecher in die NS-Ecke

Wer solche Freunde hat, braucht keine Feinde mehr. Im Kampf um die innerparteiliche Ausrichtung der Alternative für Deutschland (AfD) wird Gründer und Vorstandssprecher Bernd Lucke in Mecklenburg-Vorpommern von den eigenen Parteifreunden öffentlich in die nationalsozialistische Ecke gestellt. Als Reaktion auf Luckes Initiative „Weckruf 2015“ heißt es auf der Facebook-Seite des AfD-Kreisverbandes Schwerin wörtlich: „1926 brachte die Coburger NSDAP den ,Weckruf‘ heraus!“ Und: „Wie sollen unsere Mitglieder Ihren Vorstoß verstehen, Herr Lucke?“ Darunter steht unmissverständlich: „#denHUTnehmen“.

Tage zuvor hatten die Schweriner Parteifreunde auf einem ähnlichen Plakat ebenfalls auf ihrer Facebook-Seite ihrem ehemaligen AfD-Bundesvize Hans-Olaf Henkel den Wunsch nach „stalinistischen Säuberungen“ vorgeworfen und zum Parteiaustritt aufgefordert.

„Wir nehmen kein Blatt vor den Mund“, erklärte dazu auf Nachfrage AfD-Kreisvorsitzender Thomas de Jesus Fernandes. Der „Weckruf“ schade aus seiner Sicht der ganzen Partei und das müsse deutlich gesagt werden.

Der Kampf in der AfD zwischen dem wirtschaftsliberalen Flügel um Bernd Lucke und Hans-Olaf Henkel auf der einen Seite und dem nationalkonservativen Lager, das auf die sächsische Landesvorsitzende Frauke Petry setzt, nimmt an Schärfe zu. Mit seiner Initiative „Weckruf 2015“ versucht Lucke, noch vor dem anstehenden Bundesparteitag im Juni die Anhänger in der eigenen Partei zu mobilisieren und um sich zu scharen.

Die Auseinandersetzung hat Mecklenburg-Vorpommern längst erreicht. Lucke hat dabei im Nordosten wenig Freunde. Gleich nach Veröffentlichung des „Weckruf“ fragte der AfD-Landesspitze seine etwa 330 Mitglieder per E-mail um ihre Meinung. Nur ein einziges Mitglied habe sich in seiner Antwort für den „Weckruf“ ausgesprochen, sagte Landessprecher, Matthias Man-thei, auf Anfrage .

Auch der Rostocker Kreisverband der AfD spricht auf Facebook vom „verantwortungslosen Treiben einer kleinen Gruppe von selbstsüchtigen Funktionären um Bernd Lucke und Hans-Olaf Henkel“, der man eine klare Absage erteilt habe.

Bis gestern hatten sich bundesweit 2112 AfD-Mitglieder für den umstrittenen innerparteilichen Verein „Weckruf 2015“ online registriert – das sind zehn Prozent aller Mitglieder. In Ostdeutschland sind es sogar nur fünf Prozent.

Die AfD im Osten ist nach Einschätzung des Rostocker Politikwissenschaftlers Martin Koschkar wesentlich nationalkonservativer und weniger wirtschaftsliberaler eingestellt als in Westdeutschland. „Da macht Mecklenburg-Vorpommern sicher keine Ausnahme“, sagte der Politologe.

Trotz des Streits auf Bundesebene versuchen beide Landessprecher, Leif Erik Holm und Matthias Manthei, Ruhe und Normalität zu demonstrieren. Holm gegenüber unserer Redaktion: „Wir arbeiten weiter ruhig und sachlich, wie es bei uns an der Küste üblich ist, an unserem Wahlerfolg bei der Landtagswahl im nächsten Jahr.“ Der wird allerdings auch vom Zustand der Bundespartei abhängen. Zum Nazi-Vergleich ihres Schweriner Kreisverbandes wollte sich die Landesspitze nicht äußern.

 

 

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erstellt am 21.Mai.2015 | 08:00 Uhr

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