zur Navigation springen

Politik MV

01. Oktober 2016 | 17:30 Uhr

Mord und Totschlag : Mehr rechtsextreme Taten im Land als gedacht

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Der Bund lässt mehrere Fälle von Mord und Totschlag in Mecklenburg-Vorpommern auf rechtsradikale Hintergründe überprüfen. Das bestätigte ein Sprecher des Schweriner Innenministeriums. Eine genaue Zahl wollte er nicht bekannt geben. Nach Informationen unserer Zeitung sind zwölf oder dreizehn Straftaten aus den Jahren 1991 bis 2011 betroffen.

Darunter sind auch vier Fälle, die bereits als „rechtsextrem“ in der Kriminalstatistik auftauchen. Bei fünf weiteren hatte jedoch Innenminister Lorenz Caffier (CDU) im vergangenen Mai eine erneute Überprüfung noch abgelehnt. Recherchen des Berliner „Tagesspiegel“ und der Wochenzeitung „Die Zeit“ hatten rechtsextreme Motive ergeben. Dennoch wurden die Delikte in der Statistik bislang nicht entsprechend eingeordnet, wie es die Landtagsopposition aus Linken und Grünen forderte. Die fraglichen Mordfälle seien nach „bundeseinheitlichen Kriterien“ mehrfach bewertet worden, so Caffier damals. Peter Ritter (Linke) hingegen warnte, das Land dürfe nicht „zu einem Kartell der Verharmloser“ gehören.

Es geht um den 26-jährigen Boris Morawek, der 1996 in Wolgast starb, nachdem er von zwei Skinheads mit Springerstiefeln und Faustschlägen malträtiert wurde. Der Haupttäter Andreas J. behauptet gegenüber der Polizei, Morawek habe ein Kind missbraucht und habe keine Rechte mehr. In Sassnitz töteten vier junge Männer 1997 den Arbeitslosen Horst Gens. Der Staatsanwaltschaft berichteten sie, sie wollten „Assis klatschen“. Im Jahr 2000 wurde der Obdachlose Klaus-Dieter Gerecke in Greifswald von drei Heranwachsenden erschlagen, die der rechten Szene zugeordnet wurden. Es sei in erster Linie „eindeutig gegen Obdachlose“ gegangen, so ein Polizeisprecher. Ebenfalls 2000 quälten fünf Rechtsextremisten in Wismar den Obdachlosen Jürgen S. zu Tode. Dennoch konnte die Tötung nach Ansicht der Staatsanwaltschaft nicht als rechtsextreme Tat gewertet werden. 2001 wurde nahe Jarmen der 31-jährige Mohammed Belhadj erschlagen. Auch hier verneinten die Ermittler und die Richter rechtsextreme Motive.

Bundesweit wurden nach Angaben des Schweriner Innenministeriums mehr als 3300 ungeklärte Tötungsdelikte auf Anhaltspunkte für eine mögliche politisch rechte Tatmotivation überprüft. Hinzu kamen 137 geklärte, aber möglicherweise falsch eingeordnete Taten. Insgesamt blieben 745 Fälle im vorläufigen Prüfraster hängen. Sie sollen bis zum Frühjahr 2014 genauer untersucht werden. Dies könnte zu neuen Ermittlungen oder lediglich zu einer Änderung der Statistik führen.



zur Startseite

von
erstellt am 06.Jan.2014 | 12:37 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen