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Politik MV

10. Dezember 2016 | 21:23 Uhr

Broschüre klärt auf : „Hilfe, mein Kind ist rechtsextrem“

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Wie Eltern extremistische Haltungen erkennen und was sie dagegen tun können – neue Broschüre der Landeszentrale für politische Bildung

Aus dem Kinderzimmer dröhnt seit Kurzem Nazi-Rock und der Sohn trägt Klamotten von Thor Steinar. „Die Erfahrung zeigt, dass nur wenige betroffene Familien mit solchen Situationen umgehen können“, sagte Bildungsminister Mathias Brodkorb (SPD), der gestern die Broschüre „Mein Kind ist rechtsextrem, wie abwegig ist das denn?!“ vorstellte.

Nach Erkenntnissen des Verfassungsschutzes gibt es 1400 Menschen mit rechtsextremen Bestrebungen in Mecklenburg-Vorpommern. Mehr als 650 von ihnen sind laut aktuellem Jahresbericht gewaltbereit. Die meisten sind Jugendliche. Seit 2005 versucht die NPD, ihren Nachwuchs direkt auf dem Schulhof zu rekrutieren – mit Hilfe der sogenannten „Schulhof-CD“. Darauf: 14 Songs mit rechten Parolen.

„Von Erziehungsfehlern zu reden, ist häufig zu einfach“, meinte Brodkorb. Gründe für ein Abrutschen von Kindern und Jugendlichen in rechtsextreme Subkulturen seien vielschichtig.

Besteht das Problem, sollten sich Eltern, Angehörige und Lehrer vor allem inhaltlich damit auseinandersetzen, forderte Brodkorb. Statt Verbote und Drohungen auszusprechen, sollten sie versuchen, das Kind und seine Interessen ernst zu nehmen. „Aber um den Dialog sinnvoll führen zu können, müssen sich Eltern in der Thematik auskennen“, so der Minister. Politische Bildung sei das beste Rezept gegen rechtsextremes Gedankengut.

Zweite Regel: Der eigene Kontakt darf nicht abgebrochen werden. Sätze wie „Dann bist du nicht mehr mein Sohn“, sind Tabu. Eltern können nur Einfluss nehmen, wenn das Kind ihnen vertraut. „Wer den Kontakt verliert, hat schlechte Karten“, sagte Samuel von Frommannshausen, Projektleiter des Aussteigerprogramms „Jump!“ in Waren an der Müritz. Landesweit hat „Jump!“ seit 2011 etwa 20 Aussteiger aus der rechtsextremen Szene betreut. Derzeit kümmert sich die Initiative um drei Jugendliche, die den Ausstieg anstreben.

„Alles akzeptieren sollten Eltern allerdings nicht“, meinte der „Jump!“-Projektleiter. Sinnvoll sei es, Regeln zu vereinbaren.

Hilfe für Eltern gibt es in Mecklenburg-Vorpommern flächendeckend. Neben der Landeskoordinierungsstelle Demokratie und Toleranz in Schwerin wird die Beratung hauptsächlich in allen fünf Regionalzentren für demokratische Kultur in Anklam, Ludwigslust, Neubrandenburg, Rostock/Roggentin und Stralsund angeboten.

Die Broschüre „Mein Kind ist rechtsextrem, wie abwegig ist das denn?!“ wurde von der Landeszentrale für politische Bildung herausgegeben und soll Eltern den Einstieg in die Thematik erleichtern. „In den vergangenen Jahren ist das Bedürfnis an Information in diesem Themenfeld gestiegen“, sagte der Direktor der Landeszentrale, Jochen Schmidt.

Die Broschüre soll aufklären, was einige junge Menschen am Rechtsextremismus fasziniert. Sie ist in der Landeszentrale für politische Bildung und den Beratungszentren erhältlich.

 

 

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erstellt am 24.Nov.2014 | 20:28 Uhr

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