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Politik MV

25. Juli 2016 | 19:52 Uhr

Streit um MitMachZentralen : Engagement zum kleinen Preis?

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Grünen-Politikerin Gajek kritisiert unkoordinierten Aktionismus der Landesregierung im Ehrenamtsbereich

Die ersten MitMachZentralen im Land können die Arbeit aufnehmen. Zum 1. August haben die Landkreise Rostock, Ludwigslust-Parchim und Mecklenburgische Seenplatte vom Sozialministerium die entsprechende finanzielle Förderung erhalten. Einen Monat später sollen die Landkreise Vorpommern-Rügen, Vorpommern-Greifswald und Nordwestmecklenburg folgen. Die beiden kreisfreien Städte gehen leer aus, weil dort „eine relativ gute Infrastruktur für bürgerschaftliches Engagement vorhanden ist“ , heißt es in der Antwort der Landesregierung auf eine Kleine Anfrage der Grünen-Landtagsabgeordneten Silke Gajek.

Doch die ist mit den ihr gegebenen Antworten nicht zufrieden – und hat deshalb bereits eine neue Anfrage formuliert. Wer soll die MitMachZentralen besetzen? Wo sollen zusätzliche Mittel herkommen? Und welche Perspektiven sollen die MitMachZentralen haben – wie soll die Finanzierung ab 2016 aussehen? Gajek möchte auch wissen, wer konkret in den einzelnen Kreisen gefördert wird – große Träger wie die AWO oder die Diakonie bekämen ja schon Gelder fürs Ehrenamt.

„Ich vermisse eine Ehrenamtsstrategie“, kritisiert die Grünen-Politikerin. „Das Land macht gerne viel – aber ob viel auch Gutes ist, ist die Frage“, so Gajek, der der Aktionismus im Ehrenamtsbereich nicht geheuer ist: „Beinahe jedes Ministerium legt Programme auf, die Staatskanzlei auch – aber die Frage der Nachhaltigkeit wird nicht beantwortet.“

Das Sozialministerium hält sich dazu bedeckt. In der Antwort auf Gajeks Kleine Anfrage heißt es lediglich, „Aussagen zur Weiterentwicklung der MitMachZentralen sind abhängig von den Ergebnissen der Modellphase und können daher zum jetzigen Zeitpunkt nicht getroffen werden.“ Vorerst sollten die MitMachZentralen als Börsen fungieren, die Menschen, die ehrenamtlich tätig sein wollen, mit Vereinen, Verbänden und Institutionen zusammenbringt, die Helfer suchen. Parallel dazu sollen sie Informations-, Vermittlungs-, Beratungs- und Weiterbildungsangebote für ehrenamtlich Tätige unterbreiten. Bis 2015 fördert das Ministerium maximal zwei Zentralen pro Landkreis mit maximal 10 000 Euro pro Jahr.

Das Anliegen sei ja grundsätzlich nicht verkehrt, betont Gajek – wenn es sich denn in ein großes Ganzes einfüge. Aber: „10 000 Euro reichen bei Weitem nicht aus, um Ehrenamtsarbeit zu koordinieren“, weiß die Grünen-Politikerin aus eigenen Erfahrungen . Vor allem aber fordert sie: „Wir müssen Doppel- und Dreifachstrukturen vermeiden.“

Wegzukommen von „den vielen Einzelmaßnahmen, die überhaupt nicht wahrgenommen werden“, hält auch der Stiftungsratsvorsitzende der Mecklenburger Anstiftung, Wolf Schmidt, für vordringlich. Dass Bürgerinnen und Bürger in den MitMachZentralen auf Landkreisebene Ansprechpartner in puncto Ehrenamt suchen, hält er für wenig wahrscheinlich. „Das muss auf Ämter- oder Gemeindeebene passieren.“ Mecklenburg-Vorpommern ließe sich bürgerschaftliches Engagement recht viel kosten, doch seien die Mittel im Haushalt an zu vielen Stellen versteckt.

Die Anstiftung will zusammen mit der Herbert-Quandt-Stiftung nach neuen Wegen der Ehrenamtsförderung suchen. Interessierte sind dazu eingeladen, sich mit ihren Ideen auf Dialogveranstaltungen am 22. August in Schwerin, am 15. September in Rostock und am 22. Oktober in Wittenburg einzubringen.

 

 

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erstellt am 06.Aug.2014 | 07:55 Uhr

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