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Politik MV

29. Juli 2016 | 09:52 Uhr

Beratungsstellen : Eheberater Mangelware?

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Landesfachinitiative warnt vor Qualitätsverlust

Die Ehe kriselt, die Familie bricht auseinander, das gesamte Leben gerät aus den Fugen – in solchen Situationen muss guter Rat nicht teuer sein. Er ist aber in Mecklenburg-Vorpommern längst nicht mehr überall und jederzeit zu haben. Denn nach Auskunft der Landesfachinitiative Erziehungs- und Familienberatung (LEF) gibt es Ehe-, Familien- und Lebensberatungsstellen nicht mehr flächendeckend.

Vor allem im Osten des Landes ist die Situation prekär, so LEF-Vorstandsmitglied Inken Balla: Im ganzen Kreis Vorpommern-Rügen gebe es nur eine einzige Beratungsstelle. In Vorpommern-Greifswald seien es zwar noch zwei, beide wären aber in der Kreisstadt ansässig, in den ehemaligen Kreisen Ostvorpommern und Uecker-Randow dagegen gebe es keine einzige Anlaufstelle.

Unzufriedenstellend sei die Situation auch im Landkreis Rostock, in dem sie selbst zu Hause ist, so Inken Balla: Für die 210 000 Einwohner des Kreises gebe es zwar noch drei Anlaufstellen für die Ehe-, Familien- und Lebensberatung. Tatsächlich handele es sich aber um nur eine Fachkraft, die 17,5 Prozent ihrer Arbeitszeit in Bad Doberan, 8 Prozent in Bützow und 86 Prozent in Güstrow leistet.

„In den 90er-Jahren gab es noch ein deutlich größeres Beratungsangebot“, weiß Inken Balla. Doch „da das Handtuch immer kürzer wurde“, sprich: die finanziellen Mittel immer knapper, hätten im Laufe der Zeit immer mehr Beratungsstellen aufgegeben, so die Güstrowerin.

Jetzt, so fürchtet die LEF, könne es zu einer weiteren Ausdünnung der Beratungsstellen kommen. Denn Sozialministerin Birgit Hesse hatte vor knapp zwei Wochen auf der Mitgliederversammlung des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes für eine „übersichtlichere Beratungslandschaft“ plädiert. Es könne nicht sein, dass beispielsweise ein Jugendlicher drei oder vier verschiedene Berater an seiner Seite habe, hatte Hesse angeführt – das würde ihn mehr verwirren als voranbringen.

Heute soll es im Ministerium mit dem Paritätischen Wohlfahrtsverband Gespräche über einen Umbau der Beratungslandschaft geben. Die LEF, die dazu nicht eingeladen ist, fürchtet einen weiteren Verlust an Beratungsqualität. Denn „wie soll das gehen, wenn dieselbe Person künftig nicht nur Ehe-, Familien- und Lebensberatung, sondern beispielsweise auch Schuldner- oder Erziehungsberatung anbietet“, fragt sich nicht nur Inken Balla. Die LEF, die erst seit einem Jahr besteht, habe sich auf Qualitätsanforderungen für die Erziehungs- und Familienberatung verständigt, die mittlerweile zur Arbeitsgrundlage in vielen Kreisen geworden seien. In einer „übersichtlicheren Beratungslandschaft“ könnten diese Qualitätskriterien auf der Strecke bleiben, fürchtet die Landesfachinitiative. Denn letztlich , so ihre Sorge, werde es bei der Umgestaltung in erster Linie darum gehen, finanziell besser wegzukommen. Dem aber widerspricht die Sozialministerin: „Wir wollen damit kein Geld sparen, die Mittel sollen aber effektiver genutzt werden“, betont Birgit Hesse. Ob das ohne Qualitätseinbußen möglich ist, bleibt abzuwarten.

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erstellt am 16.Sep.2014 | 07:45 Uhr

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