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Mecklenburg-Vorpommern

28. Juli 2016 | 02:57 Uhr

Gesundheitspreis : Pflege unterm Kirschbaum

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Erster Gesundheitspreis des Landes geht an Schweriner Sozialstation Dagmar-Dolores Manke für ihren „Garten der Erinnerung“

Der Duft der Rosen, der Geschmack der Erdbeeren, der Schatten des Kirschbaums: Im „Garten der Erinnerung“ in einer Schweriner Kleingartensparte unweit des Heidensees leben längst vergangene Zeiten wieder auf. Pflegebedürftige und demente Menschen können dort riechen, schmecken und tun, was in ihrem Leben einmal eine große Rolle gespielt hat. „Ein älterer Herr hat letztens die Himbeersträucher radikal heruntergeschnitten, weil er glaubte, dass das so sein muss“, erzählt Dagmar-Dolores Manke lächelnd. „Aber was soll’s, sie wachsen ja wieder. Und wie es aussieht, werden wir trotzdem noch jede Menge Himbeeren ernten können.“

Dagmar-Dolores Manke ist Inhaberin einer Sozialstation in Schwerin, Betreiberin des „Gartens der Erinnerung“ – und seit gestern mit beidem die erste Gesundheitspreisträgerin des Landes. Ärztekammer und AOK Nordost hatten den Preis unter dem Motto „Zuhause in besten Händen. Länger zu Hause leben – Pflege Zuhause“ ausgelobt. Unter 19 Bewerbungen beeindruckte der Erlebnisgarten die Jury am meisten. Es handele sich, wie auch beim Zweitplatzierten, dem Torgelower Mehrgenerationenhaus der Volkssolidarität mit seinem Leitbild „Miteinander-Füreinander“, um Initiativen, die nicht nur den pflegebedürftigen Menschen, sondern auch den Angehörigen direkt helfen, so Ärztekammerpräsident Dr. Andreas Crusius. „Sie können so Impulsgeber sein für viele weitere Ideen und Vorhaben im ganzen Land.“

Genau das wünscht sich auch Dagmar-Dolores Manke. Denn ihr Konzept würde überall funktionieren, wo man Wert auf ganzheitliche Pflege legt – und wo Gärten brach liegen. Genau damit fing es auch in Schwerin an. Eine Kollegin hätte davon erzählt, dass ihr Vater seinen Kleingarten nach mehr als 50 Jahren abgeben wollte, aber keinen Nachfolger fand. Daraufhin hätte das Team der Sozialstation gemeinsam die Idee für den „Garten der Erinnerung“ entwickelt. Die Chefin selbst bewarb sich in der Sparte und stellte dem Vorstand das Nutzungskonzept für den Erlebnisgarten vor. Nach Prüfung durch einen Juristen gaben die Kleingärtner grünes Licht – und alle Mitarbeiter machten sich mit Feuereifer an die Arbeit. „Das heißt, so viel war gar nicht zu tun. Der Garten war sehr gepflegt, nur noch nicht barrierefrei. Und dem Häuschen sah man an, dass es schon etliche Jahre auf dem Buckel hatte“, erinnert sich Dagmar-Dolores Manke. Leider habe sie keine Sponsoren gefunden, so dass nur das verbaut werden konnte, was sie selbst und ihre Mitarbeiter an Material beisteuern konnten.

Der Erfolg war dennoch groß: Viele Kunden der Sozialstation können gar nicht genug von dem Garten kriegen. Ob sie einfach nur im Rollstuhl unter dem Kirschbaum sitzen oder selbst zur Hacke greifen: „Schon nach wenigen Stunden draußen leben sie auf, freuen sich an ihrem Dasein – und wieder an ihrem Leben“, hat Manke beobachtet. In diesem Sommer sei der Garten an jedem Dienstag geöffnet, ein Kollege sei immer vor Ort.

Auch die 17 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Sozialstation dürfen den Garten mit ihren Familien in ihrer Freizeit nutzen. Die Früchte werden gemeinsam geerntet und verarbeitet.

Von dem Preisgeld – immerhin 15 000 Euro – will das Team der Sozialstation nun die Gartenwege neu befestigen, ein Hochbeet anlegen und eine behindertengerechte Toilette einbauen lassen. „Und wenn dann noch Geld übrig ist, wäre eine kleine Küche mein Traum, in der die Besucher des Gartens mit frischen Zutaten zusammen kochen können“, blickt Dagmar-Dolores Manke voraus.

 

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erstellt am 18.Jun.2014 | 11:55 Uhr

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