zur Navigation springen

Panorama MV

31. Mai 2016 | 09:45 Uhr

Ohne tierische Produkte : Zwei Wochen lang Veganerin

vom
Aus der Onlineredaktion

Es geht auch ohne tierische Produkte: Unsere Volontärin Tara Gottmann machte den Selbstversuch

Neues Jahr, neue Vorsätze. Viele entscheiden sich für die Klassiker: körperlich aktiver werden, auf Genussmittel verzichten, sich gesünder ernähren. Letzteres heißt für immer mehr Menschen auch, bewusst auf tierische Lebensmittel zu verzichten. Doch hält man das im Alltag durch? Unsere Volontärin Tara Gottmann machte zum Jahresende den Selbsttest.

Die Entscheidung, sich bewusst rein pflanzlich zu ernähren, kann ethische, moralische oder aber auch gesundheitliche Gründe haben. Spätestens seit Attila Hildmann mit seinen veganen Kochbüchern populär geworden ist, gilt die vegane Küche als hip und modern. Allein bis Oktober letzten Jahres wurden 77 vegane Kochbücher in Deutsch herausgebracht.

Außenstehenden stellen sich viele Frage: Was kann man dann überhaupt noch essen? Fehlt dem Körper nicht etwas? Zeit für einen Selbstversuch. Zwei Wochen lang habe ich mich vegan ernährt. Es ist nicht nur das Weglassen von Fleisch und Fisch wie beim Vegetarismus, sondern auch Eier, Milch und Honig fallen weg.

Beim Einkauf folgt die ernüchternde Feststellung: In fast allen Produkten ist entweder Milch oder Ei in irgendeiner Form enthalten. Aus dem „kurz Lebensmittel besorgen“ wurde ein längerer Einkauf, da jede Packungsinformation ausführlichst gelesen werden musste.

Der Ersatz von reinen Milchprodukten ist allerdings einfach: Sojamilch und Sojajoghurt gibt es bereits im normalen Supermarkt. Im Reformhaus, einzelnen Supermärkten oder dem Großmarkt sind Sojafrischkäse und sogar Käse-Ersatz zu finden.

Generell gibt es sehr viele Produkte, die optisch wie Tierprodukte aussehen, aber keine sind. Zum Beispiel Schnitzel, Nuggets, Würstchen, Frikadellen – alles besteht aus Tofu oder Seitan. Dazu landet viel Obst und Gemüse im Einkaufswagen. Und natürlich auch Süßigkeiten. Im Reformhaus finde ich vegane Gummibärchen. Bei Schokolade muss nachgelesen werden, manche zartbittere enthält keine Milch.

Im Internet ist das Sortiment noch größer: In veganen Online-Shops sind verschiedene Ersatzkäsesorten wie Cheddar oder Mozzarella aufgelistet, dazu gibt es weitere Fleischersatzprodukte. Warum man allerdings als Veganer ein pflanzliches halbes Hähnchen essen möchte, das sogar einen nachgebildeten Knochen enthält, erschließt sich mir nicht.

Aber sei’s drum. Nach meinem Einkauf kann ich gut ausgerüstet loslegen. Pflanzlich zu frühstücken geht relativ einfach, dachte ich. Bei meinem Bäcker frage ich sicherheitshalber nach, ob die Brötchen denn auch vegan seien. Die Antwort schockiert mich: Ich bekomme zu hören, dass hier seit letztem Oktober kein Schweineschmalz mehr verwendet wird. Dieses werde traditionell in der Brötchenherstellung benutzt. Was bedeutet, dass bei jedem Brot oder Brötchen nachgefragt werden muss, was drin ist.

Das Belegen ist da schon einfacher. Margarine gibt es rein pflanzlich, und eine Vielzahl an als vegan gekennzeichneten Aufstrichen sorgen für Abwechslung. Marmelade wird meist mit dem Geliermittel Pektin hergestellt und ohne „verbotene“ Gelatine. Ansonsten frühstücke ich Sojajoghurt und Obst. Das Highlight an Sojajoghurt war für mich die Geschmacksrichtung „Zitronenkuchen“.

Warme Mahlzeiten werden da schon schwieriger – dachte ich zumindest. Aber normale Nudeln aus Hartweizengrieß und ohne Ei sind absolut vegan. Dazu kann man Tomatensauce machen oder Pesto. Bei Fertigprodukten muss nur darauf geachtet werden, dass keine Milchprodukte verarbeitet sind. Pesto verde zum Beispiel enthält oft Ricotta.

Im Internet und in Kochbüchern finde ich eine Vielzahl an Rezepten, die einfach klingen. So versuche ich mich unter anderem an überbackener Zucchini, Reispfanne mit Gemüse und Tofu, Couscous oder Chili sin carne – also ohne Fleisch.

Am Wochenende versuche ich zu backen. Aber wie sieht es aus, wenn bekannte Rezepte auf vegan umgestellt werden sollen? Statt Kuhmilch kann ich Sojamilch verwenden. Um Eier zu ersetzen, gibt es eine Reihe an Möglichkeiten, lese ich. Sie können durch fertigen Ei-Ersatz, Johannesbrotkernmehl oder Sojamehl, das man mit Wasser vermischt, ersetzt werden. Auch in Wasser aufgelöste Chia-Samen oder eine zerdrückte Banane lassen sich verwenden. Derart gelingt mir ein Schokoladenkuchen, bei dem meine Redaktionskollegen nicht mal merken, dass er vegan ist.

Nach einer Woche veganer Ernährung komme ich gut zurecht. Einzig Käse fehlt mir: auf dem Brötchen oder zum Überbacken. Im Supermarkt kaufe ich veganen Scheibenkäse und „veganen Pizzaschmelz“. Wer das nicht möchte, kann Mandelmus mit Wasser und Salz vermischen und dieses zum Überbacken verwenden. Das funktioniert selbst, wenn man in der Küche weniger begabt ist. An den normalen Käsegeschmack kommt es aber genauso wenig heran wie der gekaufte Käse-Ersatz.

In der zweiten Woche wusste ich schon mehr über vegane Produkte und konnte mein Essen dementsprechend vorbereiten. An einem Tag schaffte ich es nicht und wollte zu Mittag in der Betriebskantine essen. Da es hier neben den Fleischgerichten bloß ein vegetarisches gab, blieb mir nur Salat. Auch ein Besuch auf dem Weihnachtsmarkt stand an. Das Ergebnis war ernüchternd: Pilzpfanne ohne Sauce oder Maiskolben mit Salz ohne Butter waren die einzigen veganen Angebote. Da ist es einfacher, anschließend selbst zu kochen. Abgesehen davon endet der Selbstversuch ohne Zwischenfälle.

FAZIT
Am Anfang war es mühselig, ständig nachzulesen, ob man etwas essen kann oder nicht. Danach ging es aber sehr einfach. Allerdings kommen viele Ersatzprodukte nicht an die Originale heran. Anderes schmeckte wiederum sehr gut.

Der Lebensmitteleinkauf war zwar etwas teurer als die Einkäufe zuvor, jedoch kaufte ich auch einige Produkte wie Sojamehl und Mandelmus, die nun noch länger halten.

Schwierig war es, unterwegs zu essen. Zwar gibt es einige vegane Produkte, sie muss man jedoch erst einmal finden. Vermisst habe ich eigentlich nur richtigen Käse, sei es nun Gouda oder Feta.

RATGEBER
„Vorbereitung  ist wichtig“
Veganismus ist  im Trend. Das fällt auch im Einzelhandel auf. „Das vegane Sortiment ist vielfältig. Immer mehr Hersteller stellen ihre Produkte um“, sagt Fred Klöflorn. Er ist Ernährungsfachberater und Filialleiter im Vitalia Reformhaus im Schweriner Schlossparkcenter. Gerade junge Leute würden  aktuell diesem Trend folgen. Jedoch waren vegane Produkte schon immer da, es seien nur Produkte dazugekommen und die Palette erweitere sich immer mehr. „Die Verkaufszahlen sind sehr gut“, erzählt Klöfkorn. Die Kunden würden sich  über das ausgeweitete Sortiment freuen. Auch Supermärkte wie Aldi, Rewe oder Real erweitern die vegane Produktpalette immer mehr. Klöfkorn zufolge ist es schwer, von einem Tag auf den anderen seine komplette Ernährung umzustellen: „Vorbereitung ist wichtig. Ich rate dazu, sich alles langsam anzugewöhnen. Wer vegan werden möchte, sollte sich vorher informieren und Hilfe suchen. Ansonsten isst man drei Tage Salat und bricht dann ab.“ Vegan zu essen solle Spaß machen und kein Zwang sein.  „Das Schwerste ist es ohnehin, mit dieser Ernährung sattelfest zu werden, so dass man weiß, was man alles essen kann.“ Klöfkorn rät dazu, viel selbst zu backen und zu kochen, um so für Abwechslung zu sorgen: „Sonst wird es schnell langweilig.“

Der Vitamin B 12-Mangel, der Veganern nachgesagt wird, sei nicht so dramatisch: „Alle, inzwischen auch Fleischesser haben diesen Mangel. Dafür gibt es aber Nahrungsergänzungsmittel.“

zur Startseite

von
erstellt am 06.Jan.2015 | 11:50 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen