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Panorama MV

01. Juni 2016 | 05:32 Uhr

Landschaftspflege MV : Wasserbüffel als Bruthelfer

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Feuchtgebiete an der Küste drohen vielerorts zu verschilfen, Wasservögel finden keine Brutplätze mehr – aber es gibt eine tierische Lösung

Bedächtig schreitet eine Herde Wasserbüffel unweit von Neubukow durch knöcheltiefes Wasser auf das Salzhaff zu. Vorbeikommenden Urlaubern sind die Exoten fremd. Rinder mit auffällig gekrümmten Hörnern und schwarzem, zottigen Fell haben sie noch nicht gesehen. Die Büffel beachten die auf Abstand bedachten Beobachter kaum. Sie sind mit dem Fressen beschäftigt. Dabei nehmen sie alles, was ihnen vors Maul kommt: Schilf, Binsen, harte Gräser, selbst Disteln werden nicht verschmäht.

„Genau das ist der Grund, warum wir uns die Büffel angeschafft haben“, sagt der Chef der Russower Landbau und Haffrind GmbH im Landkreis Rostock, Andrè Harder. Vor Jahresfrist kamen die ersten, aus Asien stammenden Rinder in die Region um Rerik. Bei einem Besuch im Gut Darß hatte der Landwirt gesehen, wie Wasserbüffel das Verschilfen von schwer zugänglichen Grünflächen durch die Beweidung erfolgreich verhindern. „Die leisten ganze Arbeit. Landschaftspflege ohne die genügsamen Büffel ist hier auf Fischland-Darß-Zingst in weiten Teilen schlichtweg unmöglich“, sagt Tierproduktionsleiter Thomas Möhring. Vor allem seltene Wasservogelarten profitieren von der Beweidung. Das Schilf  hatte ihnen die Brutgebiete genommen.

Am Salzhaff ist die Situation ähnlich. Seit Jahren beobachtet der Chef der Stiftung Umwelt und Naturschutz Mecklenburg-Vorpommern, Björn Schwake, mit Sorge die zunehmende Verschilfung an der Küste. Er freute sich über das Vorhaben der Russower Landwirte, auch zwischen Neubukow und Rerik Wasserbüffel weiden zu lassen. Doch fast hätte das nicht geklappt, wie Harder berichtet: „Die Bodenverwaltungs- und Verwertungsgesellschaft (BVVG) hatte knapp 30 Hektar zum Verkauf ausgeschrieben. Allerdings mit aus unserer Sicht völlig überzogenen Preisvorstellungen. Da konnten wir aus wirtschaftlicher Sicht einfach nicht mitgehen.“ Letztlich stieg die Stiftung Umwelt und Naturschutz mit in die Verkaufsverhandlungen ein.

„Auch aus unserer Sicht waren die Preisforderungen der BVVG unakzeptabel. Doch letztlich haben wir uns im Interesse des Artenschutzes entschieden, die Flächen zu kaufen, um sie an den Landwirtschaftsbetrieb langfristig zu verpachten“, sagt Schwake. Er und Agrarchef Harder sprechen von einer beispielhaften Kooperation von Landwirten und Naturschützern.

Die Nutzung von nassen Flächen, so genannten Paludikulturen, ist mit Blick auf den Klimaschutz ein bundesweites Bestreben. Vor zwei Jahren hatten Wissenschaftler der Universität Greifswald für ein Projekt in Vorpommern den nationalen Forschungspreis „Nachhaltige Entwicklungen“ erhalten. Sie hatten nachgewiesen, dass die landwirtschaftliche Nutzung von Feuchtgebieten, in diesem Fall von Mooren, durchaus im Einklang mit der Natur stehen kann – wenn die   Biotope dafür nicht trockengelegt werden und statt Mais und Raps dort weiterhin standorttypische Pflanzen gedeihen. Am Salzhaff könnten den Vögeln zudem ihre angestammten Brutgebiete gesichert werden.

„Ich hätte nicht gedacht, wie schnell das geht. Die Vögel fliegen den Büffeln praktisch hinterher“, erzählt Harder. In diesen Herbsttagen werden auf der Weide Kälber geboren. Erst wenn Hochwasser oder Eis und Schnee die Haltung im Freien unmöglich machen, geht es für die inzwischen rund 40 Tiere für einige Wochen in den Stall. Mit Beginn der Vegetationszeit werden sie erneut ins Schilf geschickt, damit sie die Pflanzen kurzhalten und weitere Flächen erschließen. „Wir hoffen, dass sich jetzt auch wieder Vögel ansiedeln, die auf der Roten Liste der vom Aussterben bedrohten Arten stehen“, sagt Björn Schwake und denkt vor allem an Watvögel und Limikolen.   Gleich neben der Russower Landbau und Haffrind GmbH hat inzwischen ein Seiteneinsteiger aus Nordrhein-Westfalen für rund eine Million Euro ebenfalls einen Betrieb zur Wasserbüffelhaltung aufgebaut.

Insgesamt werden im Land mehr als 1000 Wasserbüffel in rund 30 Betrieben gehalten. Die ersten Tiere kamen vor knapp zehn Jahren aus einem Bestand bei Chemnitz nach MV.   

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erstellt am 17.Nov.2015 | 12:00 Uhr

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