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Mecklenburg-Vorpommern

03. Dezember 2016 | 22:46 Uhr

Weißer Ring : Opfer finden oft keine Hilfe

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Weißer Ring erreicht Kriminalitätsopfer nicht: Um aktiv auf Betroffene zuzugehen, steht der Datenschutz im Weg

Viele Opfer von Straftaten brauchen Hilfe, finden sie aber nicht. „Wir sind die größte Opferhilfeorganisation im Land, aber wir erreichen viele nicht, obwohl wir gerne möchten“, sagt der Vize-Landesvorsitzende des Weißen Rings, Manfred Dachner.

Am kommenden Freitag begeht der Landesverband des Weißen Rings am Ort seiner Gründung in Neubrandenburg sein 25-jähriges Bestehen. Mecklenburg-Vorpommern war der erste Landesverband im Osten Deutschlands. Er wurde auf Initiative Dachners gegründet, der damals Chef der Polizeidirektion Neubrandenburg war.

Wenn jemand überfallen, vergewaltigt, zusammengeschlagen oder beraubt wird und dies bei der Polizei anzeigt, muss er auf die Möglichkeit hingewiesen werden, sich an eine Opferhilfeorganisation zu wenden. „Das reicht nicht aus. Manche Menschen fühlen sich nicht stark genug, diesen Schritt zu tun“, sagt Dachner. Als einer von 150 ehrenamtlichen Mitarbeitern des Weißen Rings im Land geht er daher manchmal selbst den ersten Schritt. Dazu gehört Spürsinn, denn die Polizei darf aus Datenschutzgründen keine Angaben zu Opfern machen.

Dachner berichtet vom Fall einer Langzeitarbeitslosen, die endlich wieder einen Job fand. Auf dem Weg zur Arbeit wird sie überfallen und zusammengeschlagen – Tasche weg, Fahrrad und Brille kaputt. Er liest das in der Zeitung und findet die Frau im Krankenhaus. Sie lehnt Hilfe spontan ab. Nach seinen Fragen, wie sie nach Hause kommt, wer ein neues Schloss in ihre Tür baut, den Optiker und das Fahrrad bezahlt, bittet sie doch um ein Gespräch. Inzwischen wurde ihr geholfen.

Der Landesvorsitzende des Weißen Rings, Innen-Staatssekretär Thomas Lenz, hat einen Vorschlag, wie die Opferhilfe bei Einhaltung des Datenschutzes auf Kriminalitätsopfer zugehen könnte. Diese sollten bei der Anzeigenaufnahme ihr Einverständnis erteilen können, von Mitarbeitern aktiv angesprochen zu werden. Aber auch in Krankenhäusern und Trauma-Ambulanzen könnte Betroffenen deutlich gemacht werden, dass es bei Hilfeorganisationen die Möglichkeit gibt, psychologische und auch finanzielle Unterstützung zu erhalten. „Hilfe bedeutet nicht nur Geld, sondern auch Empathie, Begleitung zu Behörden oder zu psychologischer Beratung“, sagt Lenz.

Seit der Gründung 1991 habe der Weiße Ring in MV mehr als 6000 Menschen geholfen. 2,7 Millionen Euro seien an Opfer weitergegeben worden. Die Organisation finanziert sich aus Mitgliedsbeiträgen, Spenden und Geldauflagen von Gerichten und Staatsanwaltschaften. Da der Weiße Ring so gut wie keine Verwaltung unterhält, komme das Geld hundertprozentig den Opfern zugute, betont Lenz. MV profitiere dabei vom Bundesverband. Im Vorjahr standen 80 000 Euro Einnahmen 160 000 Euro Ausgaben gegenüber. Jährlich würden etwa 500 Menschen betreut, meist nach Körperverletzungen und Sexualdelikten.

Der Weiße Ring hilft auch Menschen, die nach Straftaten keine Anzeige erstatten. Auch sollen Opfer nicht nur bei dauerhaften körperlichen Schäden unterstützt werden, sondern auch bei psychischen Schäden etwa durch Mobbing und Stalking.

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erstellt am 21.Nov.2016 | 05:00 Uhr

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