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Mecklenburg-Vorpommern

25. September 2016 | 15:59 Uhr

Rekordumsatz : Online-Handel boomt – auch in MV

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Internet-Händler in Deutschland rechnen in diesem Jahr mit einem Rekordumsatz von mehr als 38 Milliarden Euro: Regionale Firmen mischen mit

Ein Klick hier, ein Kick dort – und schon ist der Einkaufswagen voll: Immer mehr Kunden gehen nicht mehr ins Kaufhaus, sondern bestellen ihre Waren online. Der Handel im Internet boomt. Jedes Jahr meldet die Branche neue Rekord-Umsätze. In dem Milliarden-Geschäft mischen auch Firmen aus Mecklenburg-Vorpommern mit.

Das World Wide Web ist ein idealer Absatzmarkt für Nischenprodukte. Das haben auch Michael Martens (37) und Dirk Buchholz (43) aus Rostock erkannt. Vor 15 Jahren gründeten sie einen Online-Shop für Tennis-Artikel – CenterCourt.de. „Zu diesem Zeitpunkt haben wir beide noch BWL studiert. Büro und Lager war damals meine kleine Studentenwohnung“, erinnert sich Martens. „Damals steckte das Internet noch in den Kinderschuhen. Wir haben aber an sein Potenzial geglaubt.“

Sie sollten recht behalten. Heute gehört CenterCourt.de nach eigenen Angaben zu Europas führendem Tennisversandgeschäft. Bestand: mehr als 4200 Produkte.

Doch damit nicht genug. Martens und Buchholz haben seit drei Monaten einen weiteren Shop online. Über Ballside.com vertreiben sie etwa 1400 Basketball-Artikel. „Wir sehen in dieser Nische ein sehr gutes Potenzial und wollen ähnlich erfolgreich werden wie im Tennis. Als Presenter der Basketball-WM 2014 haben wir einen sehr guten Start hingelegt“, sagt Martens, der mit seinem Geschäftspartner mittlerweile 15 Mitarbeiter beschäftigt.

Um erfolgreich zu sein, genüge es laut Martens nicht, nur einen guten Shop zu haben. „Man muss den Markt kennen und Marketing gezielt einsetzen, um einen hohen Bekanntheitsgrad zu erlangen“, sagt er. „Der Kunde ist König. Er muss schnell beliefert werden und bei Rückfragen, Retouren, etc. einen sehr guten Service bekommen.“

Das Konzept scheint aufzugehen. Für dieses Jahr erwarten die Geschäftsführer mit beiden Online-Shops einen Umsatz im zweistelligen Millionenbereich.

Der gesamte Online-Handel hat seinen Umsatz in den vergangenen acht Jahren mehr als verdoppelt. Setzten die Internet-Händler 2005 noch 14,5 Milliarden Euro um, waren es 2013 bereits 33,1 Milliarden Euro, so eine Umfrage des Handelsverbands Deutschland (HDE). In diesem Jahr soll der Umsatz um 17 Prozent auf 38,7 Milliarden anwachsen. Ein neuer Rekord. Gegenwärtig betrage der Anteil der Online-Branche am Gesamtgeschäft rund zehn Prozent. Bis zum Jahr 2020 rechne HDE mit einem Anstieg auf etwa 30 Prozent.

Bereits erfolgreich im Internet-Geschäft aktiv ist Reiner Zahnow. Er hat 2006 in Kummerow Heide den Online-Versandhandel Rasierladen.de gegründet und macht mit Premium-Produkten für die Nassrasur einen jährlichen Umsatz von knapp 150 000 Euro. „Wir verkaufen alles, was Mann bzw. Frau zur Rasur benötigt: Rasierseife, -schalen, -pinsel, -hobel und Kosmetik – knapp 1000 Produkte“, erzählt er.

Die Gründe, ins Online-Geschäft einzusteigen, waren für den heute 51-Jährigen ganz pragmatische: Das Internet boomte und Zahnow wollte daran teilhaben. So suchte er bewusst nach einem Produkt, das in der Anschaffung nicht viel kostet und von vielen häufig gebraucht wird. Ein Geschenk brachte ihn schließlich auf die Idee des Rasierladens. „Ich hatte mal eine Rasierseife. Die roch anders als die, die ich bis dahin kannte. Da dachte ich, die wollen andere vielleicht auch haben.“

Doch das Geschäft im Internet ist hart, die Konkurrenz enorm. „Die Kunden im Internet vergleichen viel. Da ist man ständig unter Zugzwang“, erklärt Zahnow. Dennoch entziehe er sich dem Preiskampf. „Wenn man dem Druck anderer Anbieter nachgibt, führt das nur zu einem Preisverfall. Da mach ich nicht mit.“ Der 51-Jährige will stattdessen mit gutem Service punkten. „Die Kunden können mich persönlich anrufen und auch bei uns vorbeikommen, um sich beraten zu lassen.“

Starker Konkurrenz ist auch Jörg Manke ausgesetzt. Der 44-Jährige betreibt seit Ende der 1990er-Jahre einen Online-Versandhandel für Bierspezialitäten aus aller Welt. Mehr als 500 Sorten bietet er in seinem Shop BierPost.com an. „Früher gab es nur drei Online-Shops für Biere, heute sind es hunderte“, sagt Manke, der seinen Firmensitz in Wildberg bei Neubrandenburg hat. Hier ist auch sein Getränkehandel Biercontor zu finden, über den er seit 1997 Gaststätten in Deutschland mit Bieren beliefert. Die Liebe zum Gebräu fand er kurz nach der Wende, als er eine Kneipe in Wildberg übernahm und dort auch Biersorten fern des Alltäglichen anbieten wollte.

Eher durch einen Zufall kam Manke zum Online-Handel. Damals habe er einen Vertrag bei einem Internetanbieter gehabt, der Kunden auch einen eigenen Online-Shop zur Verfügung stellte. „Den hab ich einfach ausgetestet. Ich habe ein paar Biere aus meinem Sortiment online gestellt und geschaut, was passiert“, erinnert er sich. Nach und nach habe er dann die ganze Produktpalette seines Getränkehandels im Netz angeboten. „Ich dachte, das wäre ein guter zusätzlicher Absatzmarkt.“ Heute kaufen jährlich knapp 5000 Kunden über das Internet bei ihm ein. Angaben zum Umsatz möchte er aber nicht machen.

Neben seinem Online-Shop können seine Biere auch im BierPostAmt, einem Ladenlokal in Schwerin, erworben werden. Seit 2011 gibt es das Geschäft, mit dem er seine Produkte weiter bekannt machen möchte. Und vielleicht ist es nicht das letzte. Manke: „In meiner Branche geht die Tendenz zum lokalen Geschäft. Fast in jeder größeren Stadt gibt es einen Bierspezialitätenladen. Vielleicht mache ich noch einen weiteren auf.“

 

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erstellt am 14.Okt.2014 | 11:50 Uhr

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