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Mecklenburg-Vorpommern

09. Dezember 2016 | 10:44 Uhr

Spendenaktion: Unsere Kinder : „Ohne Ernährung ist alles nichts“

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Warum die Hilfe unserer Leser so wichtig ist: Interview mit Prof. Michael Radke, Direktor der Kinder- und Jugendklinik der Rostocker Universitätsmedizin

Mit unserer diesjährigen Weihnachtsspendenaktion möchten wir die Kinder- und Jugendklinik der Rostocker Uni-Medizin unterstützen. Dort wird dringend eine Ernährungsberatung benötigt. Warum diese Hilfe so wichtig ist, erläutert Klinikdirektor Prof. Michael Radke im Gespräch mit Angela Hoffmann.

Herr Prof. Radke, die Kinder- und Jugendklinik der Rostocker Uni-Medizin ist ein Zentrum für chronische Erkrankungen. Nehmen chronische Leiden bei Kindern zu?
In den letzten zwei bis drei Jahrzehnten sind chronische Krankheiten bei Kindern leider rasant angestiegen. Meist handelt es sich um Erkrankungen wie Diabetes Typ 1, Rheuma, Schilddrüsen-Entzündungen oder Magen-Darm-Krankheiten wie Zöliakie und chronisch entzündliche Darmkrankheiten. Problematisch dabei ist zudem, dass sich die Krankheiten in immer frühere Lebensabschnitte des Kindesalters, in Einzelfällen sogar bis in das Säuglingsalter vorverlagern.

Sie bemühen sich seit Längerem um eine Ernährungsberatung in der Klinik. Warum wäre das aus medizinischer Sicht so wichtig?
Aus einem ganz einfachen, naheliegenden Grund: Ernährung ist nicht alles, aber ohne Ernährung ist alles nichts! Das gilt in besonderem Maße für chronisch kranke Kinder. Die chronische Krankheit entzieht dem sich in der Entwicklung befindlichen Organismus auf Dauer Baustoffe, die er für das Wachstum dringend braucht. Darüber hinaus gibt es einen weiteren Aspekt – die Vorbeugung von Fehlernährung. Hauptproblem ist das Übergewicht im Kindesalter. Wir reparieren lieber die Folgen in Form von Herzinfarkt, Schlaganfall und Bluthochdruck als uns im Kindesalter um die Vorbeugung dieser im Einzelfall katastrophalen Folgen zu kümmern, die die Solidargemeinschaft jedes Jahr teuer zu stehen kommt. Und noch ein Aspekt kommt hinzu, der mir als Kinderarzt sehr wichtig ist: Wir wissen seit wenigen Jahren, dass frühgeborene Babys, die nach der Geburt nicht optimal ernährt werden, im späteren Lebensalter besonders häufig an Adipositas, Zuckerkrankheit, Herzinfarkt und Schlaganfall aufgrund von Bluthochdruck erkranken. Dies mündet letztlich in dem Bestreben, in Rostock wieder eine Frauenmilchbank zu etablieren. Auch hierfür ist eine Ernährungsberatung unbedingt vonnöten.

Bei welchen Erkrankungen kann eine Ernährungsberatung wertvolle Hilfe leisten?
Jedes Kind mit einer chronischen Krankheit profitiert von einer medizinisch begründeten Hilfestellung bei der Ernährung. Das gilt für Kinder mit einer Krebserkrankung genauso wie bei chronischen Nieren-, Lungen- oder Herzkrankheiten. Bei chronischen Organstörungen haben die Kinder oft keinen Appetit und essen nicht das Nötige. Bei der Zuckerkrankheit im Kindesalter spielen wissenschaftlich begründete ernährungsmedizinische Ansätze zum Beispiel eine große Rolle. Bei Mukoviszidose geht es ohne Ernährungsmedizin überhaupt nicht, hier müssen wir mit Spezialnahrungen unterstützend helfen. Bei chronischen Krankheiten des Magen-Darm-Trakts können wir durch Ernährungsmedizin sogar heilen, wie etwa bei der Zöliakie, einer Krankheit, die durch Inhaltsstoffe im Getreide ausgelöst wird. Und bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen wie Morbus Crohn steht die Ernährungstherapie an erster Stelle der Behandlung, bevor Medikamente mit zum Teil gravierenden Nebenwirkungen eingesetzt werden müssen.

Bislang fehlte das Geld, um das Vorhaben umzusetzen. Warum ist die Überzeugungsarbeit so schwierig?
Weder im System der Krankenhausfinanzierung in Deutschland, noch im Bereich der ambulanten Medizin wird eine wissenschaftlich basierte Ernährungsberatung ausreichend berücksichtigt. Lehrstühle oder Professuren für Ernährungsmedizin findet man an deutschen Universitäten kaum. Dabei benötigen insbesondere Patienten, die an Universitätskliniken behandelt werden – es sind meist schwerwiegende, komplexe Krankheiten –, ernährungsmedizinische Unterstützung.

Wie viel Geld bräuchte die Klinik für die Anschubfinanzierung dieser Stelle?
Uns wäre schon sehr geholfen, wenn wir an unserer Kinderklinik eine Ernährungsberaterin beschäftigen könnten, die sich um die chronisch kranken Kinder kümmert. Immerhin haben wir aus allen Spezialgebieten der Kinder- und Jugendmedizin chronisch kranke Patienten, deren medizinische Betreuung umso erfolgreicher sein könnte, wenn wir auch auf dem Gebiet der Ernährungsberatung noch besser werden könnten. Ich bin daher für jede Spende dankbar – aber es bedarf schon einer großen Anstrengung, eine entsprechende Beratung aufzubauen. Mit 5000 oder 10 000 Euro kommen wir aus naheliegenden Gründen sicher nicht zum Ziel.

Was sind Ihre Wünsche für die Zeit danach?
Ich wünsche mir, dass wir – am besten mit Hilfe der Kassenärztlichen Vereinigung in MV – eine ärztlich geleitete Sprechstunde für eine professionelle medizinische Ernährungsberatung aufbauen und unterhalten können, die besonders auf den Ernährungsbedarf chronisch kranker Kinder und Jugendlicher abzielt. Da ich selbst eine Sprechstunde für Magen-Darm-Krankheiten im Kindesalter abhalte, könnte so eine effektive Betreuung der Patienten erfolgen. Es mag etwas Geld kosten – wenn eine Krankenkasse allerdings eine langfristige Perspektive im Auge hätte, könnte mit Ernährungsmedizin nicht nur dem einzelnen kranken Kind und seinen Eltern geholfen werden, sondern auf lange Sicht profitieren auch die Kassen.

„Auch da könnte eine Ernährungsberaterin viele Hinweise geben, wie man Kindern das schmackhaft macht“, ist Dr. Staude überzeugt.

So können Sie helfen

spenden-kinder

Die Adventszeit ist die Zeit der Besinnung,  der Freude, der Familie und Kinder. Denkt man an Kinder und an Weihnachten, dann denkt man an ausgelassene Fröhlichkeit und ansteckendes Lachen. Kinder bedeuten  Glück. Kinder machen Familien aus. Doch nicht allen Eltern, Kindern und Großeltern in unserer  Gesellschaft geht es  gut. 

Wenn Kinder krank werden, sind das oft doppelte Schmerzen – für die Kleinsten und bei den Eltern. Wenn Kinder an chronischen Krankheiten leiden, ist das nicht nur doppeltes Leid, sondern beeinflusst die Entwicklung und  verändert oft das ganze Leben der kleinen Patienten.

Am Rostocker Universitätsklinikum haben sich erfahrene Mediziner, wie Prof. Dr. Michael Radke, Leiter der Kinder- und Jugendklinik,  und sein  Stellvertreter Prof. Dr. Jan Däbritz auf chronische Darmerkrankungen bei Kindern und Jugendlichen spezialisiert. Ihre medizinische Erfahrung: Starke Medikamente wie etwa Kortison, die bei Erwachsenen angewandt werden, richten bei Kindern oft mehr körperliche Schäden an, als dass sie helfen. Die Spezialisten sind überzeugt: Eine Ernährungstherapie ist die beste Medizin.

Doch es fehlt seit Jahren an einer entsprechenden Beraterin. Wir wollen in einer gemeinsamen Aktion in der Adventszeit Spenden für eine Ernährungstherapeutin für die Kinderklinik sammeln. Es soll nur eine Anschubfinanzierung für das erste Jahr werden, an deren Beispiel Prof. Dr. Radke und Prof. Dr. Däbritz gerne nachweisen wollen, dass eine solche Stelle am Klinikum unverzichtbar ist.

Warum unterstützen die „Schweriner Volkszeitung“, die „Norddeutschen Neuesten Nachrichten“ und „Der Prignitzer “ ein solches Vorhaben in der Uni-Medizin? Öffentliche Kassen sind bekanntlich immer leer. Die Krankenkassen müssen erst überzeugt werden.   Wir sagen, es ist Zeit,  etwas für unsere Kinder zu tun. Helfen Sie bitte mit bei der gemeinsamen Weihnachtsaktion unserer Zeitungen und der Kinder- und Jugendklinik, helfen Sie den Kindern. Jede Spende ist wichtig. Jede Spende hilft. Jede Spende kommt an.

Kontodaten

pro infantibus - Hilfe für das kranke Kind e. V.
OSPA  Konto: 4 05 00 91 78
BLZ:  130 500 00
IBAN DE77 1305 0000 0405 0091 78
Verwendungszweck: „Unsere Kinder“

Bitte schreiben Sie für die Spendenquittung Ihre Adresse und Ihren Namen in die Zeilen für den Verwendungszweck. Vermerken Sie dort auch, falls Sie in der Zeitung nicht genannt werden möchten.

 

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von
erstellt am 22.Nov.2016 | 06:00 Uhr

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