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Mecklenburg-Vorpommern

27. März 2017 | 04:40 Uhr

Seemannspastor : „Offen für alle“

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Ob Stadtplan oder Seelsorge: Seemannspastor Matthias Ristau hat an Bord Praktisches dabei und ein offenes Ohr für die Seeleute

Er betet mit den Seeleuten, hört sich ihre Sorgen an oder verkauft ihnen Telefonkarten: Als Seemannspastor der Nordkirche hat Matthias Ristau ein breites Aufgabenspektrum. Seit drei Jahren ist der 47 Jahre alte evangelische Theologe in seinem Amt zuständig für die Deutsche Seemannsmission in Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern.

„Meine Aufgabe ist, die Verbindung zwischen der Seemannsmission und der Landeskirche zu halten“, sagt Ristau. „Für die acht Vereine der Seemannsmission in Hamburg, Brunsbüttel, Kiel, Lübeck, Rostock und Sassnitz bin ich Berater, Begleiter und Koordinator.“ Dort übernehmen Ehrenamtliche oder Diakone Besuche an Bord der eingetroffenen Schiffe. Doch jeden Dienstag ist Seemannspastor Ristau in Hamburg selbst dabei. „So kann ich einmal in der Woche in der Praxis sein und habe direkt mit den Seeleuten zu tun“, erklärt er. Diese Erfahrung helfe ihm, die anderen bei ihrer Arbeit besser zu unterstützen.

Seine Tour startet Ristau vom Seemannsclub Duck-dalben im Hafen aus. „Ich gehe hauptsächlich auf Schiffe, die noch nicht in Hamburg waren“, erklärt er. Per Computer schaut er nach, welche Schiffe in Frage kommen und welcher Nationalität die Besatzung ist. Denn so kann er die passenden fremdsprachigen Zeitungen einpacken. Außerdem hat er Telefonkarten, Infomaterial über den Seemannsclub und Stadtpläne im Gepäck. „Die Gespräche entstehen gerade dadurch, dass man etwas Praktisches dabei hat.“

Angemeldet ist er meist nicht, braucht oft Geduld, bis die Mannschaft Zeit hat. Manchmal passt sein Besuch auch gar nicht. „Ich muss sensibel sein für die Situation, wenn beispielsweise gerade ganz viel Stress an Bord ist“, erklärt Ristau.

Sein Ziel diesmal ist der Massengutfrachter „Pabur“ der Bremer Reederei Harren & Partner. Das 225 Meter lange, mit Sojabohnen beladene Schiff liegt direkt neben einem Wahrzeichen der Hansestadt, der Köhlbrandbrücke. Helm, Arbeitskleidung und Handschuhe trägt Ristau aus Sicherheitsgründen. „Port Chaplain“ (Hafenseelsorger) steht auf seiner Jacke. Einen Talar zieht er an Bord nur an, wenn er einen Gottesdienst abhält.

Es geht die Gangway hoch, ein Matrose begrüßt den Seemannspastor und führt ihn nach einem Eintrag in das Logbuch in die Messe – den Speisesaal an Bord. Dort sitzt Bootsmann Rowel Ramos beim Essen.

Ristau stellt sich und die Arbeit des Seemannsclubs Duckdalben vor. „Er ist einer der größten der Welt“, sagt Ristau auf Englisch und bietet einen Shuttleservice an.

Die beiden kommen ins Gespräch. Der 45-jährige Philippine erzählt dem Pastor von seiner Arbeit und seiner persönlichen Situation zu Hause in Manila. Kurze Zeit später wird Ristau auch zum Kapitän Achal Sabharwal gebracht. Auch ihm überreicht Ristau einen Flyer des Seemannsclubs. „Vielen Dank für die Einladung“, sagt der Inder.

Ristau lebt mit seiner Familie in Wedel. Der gebürtige Hamburger war schon in Gemeinden in Lübeck, Nordfriesland und Kiel tätig. Auch nach Brasilien, wo er seine Ehefrau kennenlernte, führte ihn seine Arbeit für mehrere Jahre. Die Stelle als Seemannspastor reizte ihn sofort: „Ich habe mich dafür beworben, weil ich ja schon einiges an internationaler und interkultureller Erfahrung habe.“

Seit 2013 hat der Vater von zwei Töchtern sein Büro nun im Seemannsheim Altona mit Blick auf die Elbe. Ristau ist viel unterwegs im Gebiet der Nordkirche. Er fährt zu Sitzungen mit den ehrenamtlichen Vorständen, organisiert Seefahrer-Gottesdienste an Land oder ist an Vorbereitungen für den Deutschen Seeschifffahrtstag Ende September in Kiel beteiligt. Um selbst ein Gefühl für das Leben auf hoher See zu bekommen, fuhr er in seinem ersten Jahr auf einem Containerschiff in die Dominikanische Republik. „Man muss viel Verständnis für die besondere Situation der Seeleute haben“, erklärt Ristau. „Ein ganz großes Thema ist für sie Heimweh.“ Aber auch Übermüdung, gesundheitliche Probleme, die anstrengende Arbeit, fehlende Ruhe oder heftige Stürme beschäftigen die Seeleute.

Die Liegezeiten in den Häfen seien viel kürzer als früher, erklärt der Pastor. Deshalb habe eine Besatzung viel seltener die Möglichkeit, an Land zu gehen. „Es kommt auch immer wieder das Gespräch auf Gott oder die Frage nach einem Gebet, besonders in Grenzsituationen, wenn jemand an Bord gestorben ist“, erläutert Ristau.

Doch der Geistliche will sich nicht aufdrängen. Wer keine Seelsorge wünscht, sondern einfach nur eine Telefonkarte kaufen möchte, ist genauso willkommen. Welcher Religion jemand angehört, spielt keine Rolle. „Die Seemannsmission ist offen für alle Glaubensrichtungen.“

 

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