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Mecklenburg-Vorpommern

08. Dezember 2016 | 06:59 Uhr

Bundeswehr : Nur ein teures Werbefilmchen?

vom
Aus der Onlineredaktion

Um vor allem junge Leute wieder für den freiwilligen Dienst an der Waffe zu begeistern, setzt die Bundeswehr nun auf moderne Unterhaltungsformate.

Ab Anfang November soll eine eigens produzierte Web-Dokumentation im Reality-TV-Format an den Start gehen. Dabei werden zwölf Rekruten (darunter zwei Frauen) bei ihrer Grundausbildung an der Marinetechnikschule Parow in Mecklenburg-Vorpommern begleitet. Ein bereits veröffentlichter Trailer – der mit Einblendungen wie „Parow Pictures“ etwas prollig daher kommt – zeigt bereits einige der Protagonisten bei der Anreise, Einkleidung und der ersten Berührung mit dem Gewehr G36. Täglich soll dann eine neue fünfminütige Folge ihren Weg ins Netz finden.

Die Meinungen dazu gehen aber stark auseinander:

Pro: Eigenwerbung muss sein

Besonders in den Mannschaftslaufbahnen der Bundeswehr fehlt es an Nachwuchs – allen voran an Elektrotechnikern. Mit Blick auf die fünf neuen Korvetten der Marine, die bald besetzt werden sollen, braucht es also passende Soldaten. Da diese in Parow ausgebildet werden, wurde die Serie auch dort gedreht.

Michael Möding, Leiter der Marinetechnikschule, findet die Aktion – auch in den sozialen Medien – sei „genau das Richtige, um den potentiellen Nachwuchs für die Bundeswehr zu erreichen.“ Schließlich konkurriere die Bundeswehr seit Aussetzen der Wehrpflicht wie jedes andere Unternehmen auf dem Arbeitsmarkt um verfügbare Nachwuchskräfte.

Auch der Kommunikationschef der Arbeitgebermarke Bundeswehr, Dirk Feldhaus, steht hinter dem Projekt. Man wolle bewusst die Höhen und Tiefen der Ausbildung zeigen, denn „in den drei Monaten Grundausbildung kommt jeder Rekrut an seine Grenzen“, sagt er. Ein Scheitern solle aber nicht gegen den Willen der Protagonisten gezeigt werden. Frauen und Männer mit Haupt- und Realschulabschluss sind laut Feldhaus die Zielgruppe – er wolle sie mit der Serie für die Mannschaftslaufbahn begeistern.

Selbst aus dem Lager der Grünen, die sich damals für die Abschaffung der Wehrpflicht ausgesprochen haben, kommt Unterstützung für die Serie. Der Landesvorsitzende der Grünen in MV, Johann-Georg Jaeger, sagte, er könne die Kritik am Projekt nachvollziehen, doch die Bundeswehr müsse auch für sich werben dürfen.

Contra: Geld zum Fenster hinaus geworfen

Kritisiert wird die Reality-Dokumentation vor allem wegen der astronomischen Produktionskosten von 1,7 Millionen Euro. „So lange die Ausrüstung der Bundeswehr so marode ist, nützen die teuersten Werbefilmchen nichts“, erklärte beispielsweise der Grünen-Verteidigungspolitiker Tobias Lindner. Die Millionen sollte Verteidigungsministerin von der Leyen (CDU) lieber für Soldaten ausgeben.

Auch der Wehrbeauftragte des Bundestages, Hans-Peter Bartels (SPD) kritisierte in diesem Zusammenhang, dass wichtige Investitionen für die Bundeswehr in die nächste Wahlperiode verschoben würden. „Die Sicherheitslage erfordert eigentlich, dass Investitions-Entscheidungen nicht auf die lange Bank geschoben werden“, sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Die Bundeswehr benötige jetzt eine volle Ausstattung, nicht erst in 15 Jahren.

Der friedenspolitische Sprecher der Linksfraktion in Mecklenburg-Vorpommern, Peter Ritter, bezeichnete die Dokumentation sogar als „Blödsinn“. „Nach ,Bauer sucht Frau’ kommt nun eine neue Show: Uschi sucht Soldaten’“. Statt auf den Unterhaltungsfaktor zu setzen, solle die Bundeswehr auf ihren Grundgesetzauftrag – die Verteidigung der Heimat – zurückgeführt werden. „Werbefilmchen fürs Sterben im Ausland braucht niemand“, sagte Ritter.

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erstellt am 24.Okt.2016 | 21:00 Uhr

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