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Mecklenburg-Vorpommern

04. Dezember 2016 | 13:16 Uhr

Anklage Schwerin : Noch mehr Fälle von Missbrauch?

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Jungen belasten Schweriner Jugendtreffleiter wegen weiterer Gewalttaten

Die Missbrauchsvorwürfe gegen den Leiter eines Schweriner Jugendtreffs nehmen immer erschütterndere Ausmaße an: Peter B. beging mutmaßlich noch mehr schwere Sexualstraftaten, die voraussichtlich einen weiteren Prozess und Sicherheitsverwahrung erfordern könnten. Nach Angaben der Rechtsanwältin Christine Habetha hätten drei Jungen den 41-Jährigen mit weiteren Gewalttaten bei der Polizei belastet. Die Aussagen seien „ohne Zweifel“ glaubwürdig, sagte sie gestern unserer Zeitung. Die Kinder hatten zwar im laufenden Verfahren von sexuellen Übergriffen durch B. berichtet. Aber erst jetzt trauten sie sich, B. auch mit äußerst schweren Vergewaltigungsvorwürfen zu belasten, weil sie sich zuvor noch unter dessen einschüchterndem Einfluss fühlten.

Der Angeklagte Peter B. war Gründungsmitglied und faktischer Kopf des Jugendtreffs „Power for Kids“. Er wurde im August 2015 verhaftet. Seit Januar wird ihm vor dem Schweriner Landgericht der Prozess gemacht. Die Anklage legt ihm 62 Fälle von Missbrauch und Vergewaltigung von 15 Jungen im Alter zwischen sieben und 13 Jahren seit 2007 zur Last. Diese Taten hat B. pauschal gestanden. Habetha vertritt zwölf der Jungen als Nebenkläger. Sie geht davon aus, dass B. wegen der neuen Vorwürfe, die Jahre 2014 und 2015 betreffend, ein zweiter Prozess erwartet, zumal sich weitere Betroffene melden könnten.

Dann werde auch die Frage nach einer Sicherheitsverwahrung für B. zu beantworten sein. Habetha glaubt, dass – wenn auch nicht im Verein – so doch in B.’s privatem Umfeld etwas von den Taten hätte geahnt werden können. B. tat den Jungen in seinem Büro, in einem Wohnwagen und wohl in seiner Wohnung Gewalt an.

Die Staatsanwaltschaft bestätigte, dass es „weitere intensive Ermittlungen“ gibt. Ein Sprecher betonte gleichzeitig, dass es „keine Hinweise“ gebe, dass im strafrechtlichen Sinne „jemand hätte etwas verhindern können oder müssen“. Das Schweriner Jugendamt hatte über einen Schulsozialarbeiter Hinweise auf sexuelle Übergriffe durch B. erhalten, ohne dass es diesen angemessen nachging. Allerdings wusste das Amt nichts von den Taten, die nun vor Gericht verhandelt werden. Der Stadt-Jugendhilfeausschuss forderte gestern erneut von „Power for Kids“, seine Pforten zu schließen und sich „seinen Versäumnissen und den Missbrauchshandlungen des ehemaligen Vereinsvorsitzenden“ zu stellen.

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