zur Navigation springen

Mecklenburg-Vorpommern

24. Juli 2016 | 04:57 Uhr

Flughafen Lübeck : Neustart für Rostock?

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Billigflieger Ryanair kündigt vorerst Linien in Lübeck / Keine Pläne für Ausweichen auf Flughafen Laage

Der Überlebenskampf vom Flughafen Lübeck hat begonnen. Die 93 Mitarbeiter bangen um ihre Jobs, nachdem schon die Fluggesellschaft Ryanair im August Knall auf Fall ihre Linien cancelt und die Investoren des Flughafens sich scheinbar aus dem Staub gemacht haben. Dem Regionalflughafen Lübeck geht es miserabel. Seine 93 zutiefst verunsicherten Mitarbeiter hoffen indessen auf die Weiterführung des Flugbetriebs. Das Zeit-Polster ist denkbar knapp. Gesichert sind noch die Gehälter für Juli.

Auch der Flughafen Rostock-Laage hat dauerhaft mit finanziellen Nöten zu kämpfen. Im vergangenen Jahr verzeichnete der Flughafen ein Defizit von rund 2,8 Millionen Euro. Die Passagierzahlen sind in den vergangenen Jahren stetig zurückgegangen. So konnte der Flughafen 2013 gerade einmal 177 464 Fluggäste abfertigen, bestätigt Vertriebsmanager Matthias Dittmar. Welche Auswirkungen die Entwicklungen vom Flughafen Lübecks auf Rostock-Laage haben könnte, dazu wollte sich der Vertriebsmanager nicht äußern. Dass Ryanair nun seine Destinationen nach Rostock verlegt ist unwahrscheinlich. Pläne dafür gebe es nach Angaben der Fluggesellschaft nicht.

Ryanair-Chef Michael O’Leary, hat indes nie Zweifel daran gelassen, worauf es ihm bei seinen Planungen in Lübeck ankommt. „Ich will Geld verdienen.“ Und Geschäftspartnern sagt er klipp und klar: „Wer mit uns zusammenarbeiten will, muss Kosten senken.“

Dass diese Philosophie mit der Praxis einhergeht, alles, was nichts einbringt, zu streichen, haben auch die Lübecker in der 14-jährigen Zusammenarbeit mit Ryanair erfahren. Noch vor fünf Jahren lockte O’Leary mit der Aussicht, ein Drehkreuz an der Trave zu installieren und die damals 700 000 Passagiere eines guten Jahres auf zwei Millionen zu katapultieren. Zehn von elf Lübecker Destinationen bot der Ire da noch an und machte den klammen Hanseaten den Mund mit Tausenden weiteren Arbeitsplätzen, bis zu 40 Fluglinien und drei stationierten Maschinen wässrig.

Fünf schwierige Jahre später (2013) wurden 367 252 Passagiere gezählt), sind es mit Palma de Mallorca und den italienischen Zielen Pisa und Bergamo/Mailand gerade noch drei Ziele, die Ryanair von Lübeck aus anfliegt. Im August sind auch die gestrichen.

Zunächst hatte Ryanair diesen Schritt für den Winter-Flugplan vorgesehen; nun führt die Fluggesellschaft ins Feld, dass es schon im August keine Garantie für den Flugbetrieb mehr gebe. Ryanair-Sprecher Robin Kiely sagt dazu: „Aufgrund anhaltender betriebsbedingter Probleme am Flughafen Lübeck bedauert Ryanair, dass die Lübeck-Pisa-Route im September und Oktober eingestellt werden muss.“ Dies sei notwendig, um die Kunden vor Betriebsstörungen zu schützen. Es fehle an Sicherheit. Deswegen will sich das Unternehmen nach Bremen orientieren.

Insolvenzverwalter Klaus Pannen gibt unterdessen Entwarnung: „Es gibt Überlegungen der Airline, im nächsten Sommer wieder nach Lübeck zurückzukehren.“ Er geht davon aus, dass Ryanair dann wieder die alten Routen aufnehmen wird.

Der Betriebsrat geht voller Hoffnung auf einen neuen Investor und von einer Fortführung des Flugbetriebs in Lübeck aus. Das Zeitfenster ist allerdings denkbar knapp. Die Gehälter für den Juli werden noch aus der Insolvenzmasse gezahlt. Was dann kommt, ist fraglich. Es würden Gespräche mit drei potenziellen Investoren geführt, sagt Pannen. Es gibt gar keine Interessenten, heißt es von anderen.

Pannen selbst hatte vor Kurzem dem Betriebsrat die Entlassung aller 93 Mitarbeiter angekündigt. Was er dann als „reine Vorsichtsmaßnahme“ bezeichnet, veranlasste den Betriebsrat, umgehend das Arbeitsgericht einzuschalten. Eine Einigung besteht im schwammigen Ziel, so viele Arbeitsplätze wie möglich zu erhalten. Geglückte Kommunikation sieht anders aus. Und dass ein Airport, der vorerst nur noch zwei Flugziele zu bieten hat, keine 93 Mitarbeiter benötigt, ist nicht nur möglichen Investoren klar, sondern auch den Betroffenen.


zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen